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Viele Schritte zur Energieunabhängigkeit

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Von: Julius Kolossa

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Der Ausschuss „Umwelt, Stadtentwicklung, Bau“ ebnete den Weg sowohl für den Bau von Windkraft- als auch eine Freiflächen-Photovoltaikanlage.
Der Ausschuss „Umwelt, Stadtentwicklung, Bau“ der Stadt Balve ebnete den Weg sowohl für den Bau von Windkraft- als auch eine Freiflächen-Photovoltaikanlage. © dpa

Der Wind steht gut für neue Windenergieanlagen in Balve: Nachdem bereits im September der Rat seine Zustimmung für neue Bauflächen gegeben hatte und damit auch im Beckumer Feld die Planungen für eine neue Windenergieanlage des Unternehmens Juwi aufgenommen werden können (wir berichteten), hat nun auch der Ausschuss „Umwelt, Stadtentwicklung, Bau“ den Weg freigemacht für die Investition von SL Naturenergie in Leveringhausen.

Balve – Geschäftsführer Klaus Schulze Langenhorst erläuterte, dass dort drei Anlagen gebaut werden sollen – mit einer jeweiligen Höhe von 160 Metern. Die Bürger könnten sich mit einem Beteiligungsverfahren ab einer Summe von 1000 Euro einbringen. Das Geld werde mit etwa sechs Prozent fest verzinst, muss aber auf 20 Jahre angelegt werden. „Die lokale Wertschöpfung ist uns wichtig“, betonte Schulze Langenhorst, dass der vor Ort erzeugte Strom auch dort verbraucht werden soll. „Wir binden die Balver in diese Konzeption mit ein – in Neuenrade holen wir dieses Verfahren noch nach.“

Die Ausschussmitglieder nahmen das Projekt positiv gestimmt zur Kenntnis, allerdings: Mit den in den nächsten Jahren im Beckumer Feld und in Leveringhausen gebauten Windenergieanlagen sei es nicht getan. An Standorten in Affeln und Langenholthausen seien vom Unternehmen Procon ebenfalls Windkraftanlagen geplant.

Einstimmig sprach sich das Gremium für den Abschluss eines städtebaulichen Vertrages zum Bau einer Freiflächen-Photovoltaikanlage in Mellen aus. Dafür werde der Flächennutzungsplan geändert und ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt. Zuvor hatten Johanna Rüth, Jürgen Schneider und Wilfried Köster als Vorsitzende der Dorfenergiegenossenschaft Mellen die Ideen vorgestellt – nachdem es bereits im Oktober eine Dorfversammlung zum Thema gegeben hatte: Wie berichtet, soll auf einer etwa zwei Hektar großen Fläche für 2,5 Millionen Euro eine Photovoltaikanlage entstehen, mit der durch 3618 Photovoltaik-Module, 20 Wechselrichter und drei Hochleistungstrafos etwa zwei Millionen Kilowattstunden Strom aus Sonnenenergie produziert werden könnten. Dafür werden 1000 Anteile zum Stückpreis von 2500 Euro verkauft. Dazu Wilfried Köster: „Bisher sind über 320 Anteile verkauft worden.“ All dies fand Gefallen bei den Ausschussmitgliedern. Thomas Vogtmann (SPD): „Das ist aller Ehren wert, um Balve ein Stück weit unabhängiger in der Energieversorgung zu machen.“

Dazu gehört auch die Erweiterung der seit 2009 in Volkringhausen bestehenden Biogas-Anlage. Sie wird von den Landwirten Alfred Reinken und Konrad Albersmeier betrieben: Mit Mist von Pferden, Rinder und Schafen, aber auch Gülle, Grassilage und Silomais werden etwa 4,3 Millionen Kilowattstunden an Strom für die Heizung der hofeigene Ferkelaufzucht erzeugt. In diesem Jahr werde noch ein zehn Meter hoher Wärmespeicher mit einem Fassungsvermögen von 500 Kubikmeter gebaut, um Energie auf Abruf liefern zu können. „Wir wollen uns erweitern, und durch Gülle und Mist Strom, Fernwärme und Gas erzeugen“, so Reinken. „Es erfolgt kein zusätzlicher Anbau von Mais für die Produktion.“

Unterhalb der schon bestehenden Anlage soll eine weitere in ähnlich großer Bauweise entstehen. Eine Erweiterung an selber Stelle sei, so Reinken, nicht möglich, weil die Kapazitäten ausgereizt seien. Die Ausschussmitglieder gaben nun grünes Licht für die Änderung des Flächennutzungsplans zur Aufstellung eines Bebauungsplans. Bürgermeister Mühlung: „Es wird so genannte Grüne Wärme für das Nahwärmenetz erzeugt.“ Und auch die Tatsache, dass Biogas auf Erdgasqualität hochgeschraubt werden könne, überzeugte alle. Denn immerhin habe nach Angabe der Investoren der Energieversorger Westnetz die Zusage für einen Netzverknüpfungspunkt bereits gemacht.

Die Zufahrt für diese neue Biogas-Anlage, so hieß es weiter, werde über die Grübeck und entlang des Flugmodellclubs bis hin vor den Hof Reinken erfolgen. Die Strecke wird dafür ausgebaut, und Ausweichbuchten geschaffen. Veranschlagt für die Erweiterung der Anlage werden zwei Jahre, investiert werde ein höherer sechsstelliger Euro-Betrag.

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