Verantwortung aufteilen

Pfarrer Andreas Schulte (l.) sprach – der Vorstand hörte aufmerksam zu.

BALVE ▪ Eine angespannte Atmosphäre herrschte am Samstagabend im katholischen Pfarrheim. Die Kolpingsfamilie Balve hatte sich nach der Vorabendmesse zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung getroffen. Der Grund: Der Fortbestand der Kolpingsfamilie ist stark gefährdet.

Sechs Vorstandsmitglieder wollen im März bei der nächsten Generalversammlung ihre Vorstandsarbeit beenden, geben berufliche und private Gründe für ihre Entscheidung an. Und potentielle Nachfolger gibt es bisher nur zwei. „Ich bin jetzt schon mehr als zehn Jahre in der Verantwortung. Wir haben einfach unser Pulver verschossen, haben keine neuen Ideen, keinen Elan mehr“, sagte Vorstandsmitglied Martin Allhoff, als er von den Mitgliedern noch einmal nach den Gründen für seine Entscheidung gefragt wurde. Etwa 40 waren ins Pfarrheim gekommen und zeigten Verständnis für die Worte des Vorstandes.

„Unsere Entscheidung ist ja nicht erst seit gestern bekannt und natürlich haben wir uns gewünscht, dass wir ohne Probleme Nachfolger finden. Dass es nicht so ist, darf nicht auf unsere Kosten gehen. Irgendwann ist einfach Schluss“, sagte Kassiererin Ingrid Willecke. Bestätigendes Nicken in der Runde.

Seit drei Jahren habe der Vorstand versucht, Leute zu finden, die die Leitung der Kolpingsfamilie verstärken. Bisher blieb die Suche nahezu erfolglos. Nur Bernward Midderhoff hatte sich bereit erklärt, den neuen Vorstand zu unterstützen. Zudem bot Andrea Schulte an, den Posten der Schriftführerin zu übernehmen.

„Das reicht natürlich nicht, mit zwei Leuten kannst du keine Kolpingsfamilie leiten“, stellte Allhoff fest. Deswegen forderte er die Runde auf, weitere Vorschläge zu machen. Kolpingsmitglied Alois Hoffmann schlug vor, jüngere Leute mit in die Verantwortung zu nehmen – Leute, die neue Ideen einbringen. „Wir im Vorstand repräsentieren schon die Gruppe der jungen Leute, daher ist das äußerst schwierig“ entgegnete Willecke. Der Kolpingsfamilie fehlten 30- bis 40-Jährige.

Birgit Schäfer schlug eine Fusion mit der Kolpingsfamilie Garbeck vor, die mit Pfarrer Andreas Schulte ohnehin den gleichen Präses hätte. Das fand durchaus Zustimmung, doch am Ende favorisierte die Versammlung den Vorschlag, den Bernward Midderhoff zuvor gemacht hatte. „Wie wäre es, wenn jeder einzelne Arbeitskreis der Kolpingsfamilie einen Vertreter in den Vorstand schickt“, hatte er gesagt.

Gleichzeitig hatte er jedoch zu Bedenken gegeben, dass diese dann schon einiges an Arbeit im Gepäck mitbringen. Martin Allhoff sah dies aber nicht zwangsläufig als Problem an: „Dann müssen wir in Zukunft die Verantwortung einfach auf mehrere Schultern verteilen.“ Für Pfarrer Schulte ohnehin der erfolgreichste Weg: „Der Vorstand darf kein Alleinunterhalter sein“, sagte er.

In diesem Zusammenhang boten auch die bisherigen Vorstandsmitglieder Regina Rüdiger und Martin Allhoff an, den neuen Vorstand das erste Jahr zu unterstützen. Letzterer bat am Ende der Versammlung noch einmal alle Mitglieder, in sich zu gehen, wie sie künftig mitarbeiten wollen. Alois Hoffmann machte darauf aufmerksam, dass es dabei auf die Art und Weise ankomme. „Es muss in die Richtung gehen: ‚Komm mit‘ und nicht ‚Geh hin‘.“

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