Sechs Häuser sind unbewohnbar

Unwetter: Stadt zieht eine erste Bilanz

Der Inselweg in Volkringhausen ist von den Unwetterfolgen besonders betroffen. Hier dauern die Aufräumarbeiten deshalb weiterhin an.
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Der Inselweg in Volkringhausen ist von den Unwetterfolgen besonders betroffen. Hier dauern die Aufräumarbeiten deshalb weiterhin an.

Sechs Häuser im Balver Stadtgebiet sind nach dem Unwetter der vergangenen Woche nicht mehr bewohnbar, in weiteren 60 Gebäuden musste nahezu der komplette Hausrat entsorgt werden.

Diese Zahlen nannte Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) am Dienstagvormittag bei einer Pressekonferenz. Den Gesamtschaden im Stadtgebiet bezifferte er mit „zehn Millionen Euro plus X“.

Langenholthausen wurde von den Wassermassen besonders heftig in Mitleidenschaft gezogen. Hier sind drei Häuser unbewohnbar, nachdem die Bäche Wellingse und Borke übergelaufen und das Grundwasser rasant angestiegen war. Zwei sind es in der Kernstadt, eins in Volkringhausen. Hier hat die Hönne für die massiven Schäden in den Häusern und Wohnungen gesorgt.

Bürgermeister wehrt sich gegen Kritik

„Die Verwaltung im Rathaus und ich haben in der vergangenen Woche während und nach dem Unwetter mit vielen Menschen gesprochen, unsere vier Mitarbeiter vom Bauhof waren unermüdlich im Einsatz an Stellen, die sie nach Priorität abarbeiteten“, wies Hubertus Mühling den in Balve gemachten Vorwurf zurück, das Rathaus habe kein Krisenmanagement betrieben. Dieses sei aber zunächst in den am stärksten betroffenen Straßen wie Garbecker Straße, Queyte, Mühlenkamp, Alte Hospitalgasse, Dreikönigsgasse, Trachtenberg und Inselweg erfolgt.

Insgesamt 93 Einsätze gab es, die mit 250 Einsatzkräften aus Balve und unterstützenden Einheiten aus Menden, Iserlohn, Anröchte und Rüthen von Dienstag bis Donnerstag geleistet wurden“, berichtete Wehrleiter Frank Busche. Aus vielen Gebäuden und Straßen musste Wasser abgepumpt werden. „Sogar die Sparkasse war betroffen“, so Busche. „Das Wasser drückte in den Tresorraum.“ Zwölf Stunden wurde dort das Wasser abgepumpt, bis dieser Raum gesichert war. „Und dann geschah es zum ersten Mal in der Geschichte unseres Balver Feuerwehrgerätehauses an der Hofstraße, dass dort Wasser eindrang“, sagte Busche. Eine mobile Netzersatzanlage sorgte für Strom – 38 Stunden blieb diese im Einsatz.

Zwei Wehrkräfte verletzt

Busche lobte die „hervorragende Zusammenarbeit“ mit den Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks (THW) und Roten Kreuzes (DRK). Hilfe sei auch von Landwirten gekommen, die das Wasser in Güllefässer pumpten und dorthin transportierten, wo es keinen Schaden anrichten konnte. Zwei Balver Einsatzkräfte wurden laut Busche leicht verletzt, seien inzwischen aber wieder genesen. „Wir in Balve sind im Vergleich zu anderen Städten wie Altena oder der Eifel mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Mühling.

Hochwasserrisikogebiete: Modell wird „erlebte Realität“

Aus dem „hundertjährigen Hochwasser“ mit den verheerenden Folgen gelte es die richtigen Lehren zu ziehen, sagte Hubertus Mühling im Rahmen der Pressekonferenz. In diesem Zusammenhang präsentierte der Bürgermeister auch die vom Land NRW für das Stadtgebiet erstellte Hochwasserrisikokarte. „Das Berechnungsmodell war bei uns vor Ort erlebte Realität“, sagte Mühling, dass Straßen in Balve und Volkringhausen wie in dem Modell berechnet überflutet worden seien. „Wir werden in Zukunft die Fließgeschwindigkeit der Flüsse und Bäche verringern, zudem weitere Regenrückhalteflächen zur Verfügung stellen“, nannte Mühling erste geplante Maßnahmen. Weil die „Hönnewiesen“ ebenfalls genau im berechneten Bereich überspült worden seien, sollen diese Flächen auch in Zukunft nicht angetastet werden. Online zu finden sind die Hochwasserkarten des Landes unter www.flussgebiete-nrw.de.

Noch laufe die Erfassung der Schäden. An den städtischen Gebäuden wurden der Keller im Rathaus und der Sondertrakt der Hauptschule in Mitleidenschaft gezogen. Mühling: „Es gibt keine gravierend unterspülten wichtigen Straßen oder Brücken.“ Der Abgang der Böschung an der Mendener Straße in Volkringhausen sei bereits dem Landesbetrieb Straßen.NRW gemeldet worden. In welchem Umfang die dortige Stützmauer ausgebessert werden muss, bleibe abzuwarten.

Inselweg hat oberste Priorität

Bei den Aufräumarbeiten habe der Inselweg oberste Priorität. „Diese Straße in Volkringhausen ist ein neuralgischer Punkt, der am schlimmsten betroffen ist. Die Straße sei komplett unterspült und müsse saniert werden. An der Kanalisation seien im Stadtgebiet bislang keine nennenswerten Schäden festgestellt worden. „Unser gesamtes Netz ist freigeblasen worden“, so Mühling.

Am Mittwoch ist „Sperrmülltag“ in Balve, die Firma Lobbe fährt das Sperrgut ab. „Elektro-Kleingeräte, die am Straßenrand stehen, werden in den nächsten Tagen vom Bauhof abgeholt. Für die Großgeräte wie Kühlschrank, Herd oder Waschmaschine ist der Abfuhrtag am 28. Juli ohne Anmeldung“, sagte Kämmerer Hans-Jürgen Karthaus. Die Kosten trägt die Stadt Balve. Ebenso wie für die Straßenreinigung.

Bei Spenden „noch Luft nach oben“

Sollten finanzielle Hilfen an Bürger ausgezahlt werden, so sei ein Ratsbeschluss erforderlich, erläuterte Bürgermeister Mühling. Unbürokratischer sei Hilfe über Spenden möglich. Auf dem Spendenkonto der Stadt war bis Dienstagmittag ein fünfstelliger Betrag eingegangen. „Da ist noch Luft nach oben“, so Mühling bei der Pressekonferenz.

Bürgermeister Hubertus Mühling erläutert die Hochwasserrisikokarte für das Stadtgebiet.

Das Bürgertelefon unter der Rufnummer 0 23 75 /92 60 ist noch bis zum Ende der Woche zu den Dienstzeiten des Rathauses geschaltet. Bislang gingen laut Mühling rund 35 Anrufe ein. „Es kamen auch Anrufe aus Menden, weil diese Menschen in ihrer Stadt niemanden erreichen konnten. Leider konnten wir in diesen Fällen nicht helfen.“ Es fragten aber auch Hilfsgesellschaften an, wie sie mit Kleidung unterstützend zur Seite stehen könnten. Diese würden auf die besonders betroffenen Regionen verwiesen, in denen deren Hilfe mehr gebraucht werde.

Spenden für die Flutopfer sind unter Angabe des Verwendungszwecks „Hochwasser 2021“ möglich auf das Konto der Stadt Balve (IBAN: DE80 4585 1020 0072 7579 90).

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