Unterwegs mit dem Förster: So steht es um den Balver Wald

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So steht es um den heimischen Wald: Förster Richard Nikodem (links) informierte interessierte Balver bei einem Spaziergang durch den Bestand.

Balve – Die Natur kennt keine Verlierer, wissen die Experten. Denn im Laufe der Zeit erholen sich durch Unwetter oder durch zu lange Trockenphasen betroffene Gebiete wieder.

Diese Zeit aber gibt es heute nicht mehr, wird doch die Natur immer mehr als Wirtschaftsfaktor gesehen. Entsprechend schlecht steht es um den Wald auch in Balve nach dem zweiten Dürresommer in Folge und mitten in der bislang wohl größten Borkenkäferplage. 

„Der Wald befindet sich im Wandel“, sagte dazu Revierförster Richard Nikodem bei einem Informations-Spaziergang durch den Balver Wald, zu dem die Stadt eingeladen hatte und an dem 15 Balver, darunter Bürgermeister Hubertus Mühling, teilnahmen. „Der Wirtschaftsfaktor Wald wurde in der Vergangenheit zu hoch eingeschätzt“, erklärte der Förster weiterhin. Vor etwa 70 Jahren wurde überwiegend auf die Fichte als Baumart gesetzt. Diese wachse zwar schnell auf freien Flächen, habe aber keine Chance gegen zu trockene und zu heiße Sommer, wie seit 2018. 

Probleme mit der Wasserversorgung

„Die Sommer werden länger“, prognostizierte Nikodem. Damit die Bäume in den heimischen Wäldern dennoch nicht vertrocknen, müsse für alle Baumarten genügend Wasser im Boden vorhanden sein. „Aber allein eine Buche benötigt 400 Liter am Tag“, verdeutlichte Nikodem. Dies sorge bei einem Grundwasserpegel von inzwischen 1,80 Meter für Probleme. Dabei seien die vor einigen Tagen registrierten Niederschläge nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn der Starkregen dringe nicht in die ausgetrockneten trockenen Bodenbereiche vor, die bis zu 30 Zentimeter tief seien. 

Damit setze sich ein Kreislauf fort, der für Fichten verheerend sei, benötigen diese doch Wasser für einen funktionierenden Harzfluss als Abwehrsystem gegen Borkenkäfer. Inzwischen sind so viele Fichten von diesen Insekten geschädigt, dass die Ausfuhr des Holzes nach China die einzige Lösung sei. „Die deutsche Sägeindustrie kann vier Millionen Festmeter Holz im Jahr verarbeiten, aber in unseren Wäldern liegen bisher schon 13 Millionen Festmeter.“ Täglich würden alleine von dem Verladeplatz im stillgelegten Steinbruch in Beckum 20 Containterladungen auf die Reise in niederländische Häfen gehen, von wo sie dann nach Asien verschifft werden. 

Erscheinungsbild wird sich verändern

Der Balver Wald, wie er sich jetzt noch bei diesem Spaziergang mit den Bürgern präsentierte, werde sich bereits in einem Jahr ganz anders darstellen: Viele freie Flächen, wo einst Fichten standen. „Unsere Zukunft liegt in Mischwäldern“, setzt Richard Nikodem auf Lärche, Douglasie, Buche und Traubeneiche. Aber: „Die richtige Baumart für den richtigen Standort!“ Deshalb machte Balves Revierförster auch Werbung in eigener Sache: „Fachleute, also Förster wissen Bescheid.“ Doch dieses Fachwissen sei rar geworden, meinte Nikodem. So waren 1995 beim Landesbetrieb Wald und Holz 2005 Förster tätig, aktuell seien es 1030.

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