Unkalkulierbares Risiko für die Rettungskräfte

Sie haben gut lachen – denn es handelt sich nur um eine Übung. Wie anstrengend die Rettung eines Menschen aus einem fließenden Gewässer ist, stellten die Beckumer Feuerwehrkameraden am Wochenende fest.

Beckum -  „Jeder von uns hätte die Situation völlig unterschätzt“, sagte Markus Grothe, Löschgruppenführer der Feuerwehr Beckum, nachdem sich die freiwilligen Helfer am Samstag während einer Übung mit der Strömungsrettung beschäftigt hatten.

Von Julius Kolossa

„Ohne die richtige Ausrüstung wird ein Rettungseinsatz für uns selbst zum unkalkulierbaren Risiko“, stellte der Löschgruppenführer fest. Dass dies auch schon zutreffen kann, wenn das Wasser nur 30 Zentimeter tief ist, erlebten die neun Seminarteilnehmer am eigenen Leib. Grothe: „Die Strömung reißt einem die Beine weg.“

Weil die Feuerwehr für Rettungseinsätze in der Hönne vorbereitet sein soll, stand das Seminar für Samstag im Terminkalener. „Weil aber die Hönne zu wenig Wasser in dem von uns vorgesehenen Gebiet zwischen Haus Recke und Burg Klusenstein führte, sind wir kuzfristig an die Lenne ausgewichen und nach Nachrodt gefahren“, berichtete Grothe.

Angeleitet in Theorie und Praxis wurden die Feuerwehrkameraden vom Ausbilderteam der Firma Water Rescue Concept aus Düsseldorf sowie von zwei Mitgliedern der Strömungsrettungsgruppe Nachrodt. Einer davon war der stellvertrende Kreisbrandmeister Michael Kling.

Was während eines Rettungseinsatzes am und im Wasser passieren kann und wie die Helfer darauf reagieren sollten, erfuhren sie bereits am Freitag im theoretischen Teil. Praktisch übten die Beckumer die Rettung dann mit den Mitteln, die ihnen derzeit zur Verfügung stehen.

Was passieren kann, wenn sich die Retter in üblicher Feuerwehrkleidung ins Wasser begeben, schildert Grothe: „Der Anzug hat sich sofort vollgesogen. Und unsere Feuerwehrleinen, die zur Ausrüstung in unseren Fahrzeugen gehören, sind ebenfalls ungeeignet, weil sie sich sofort voll Wasser saugen und untergehen.“ Zwei Kameraden, die als Sicherungsposten fungierten, halfen dem Löschgruppenführer wieder aus dem Wasser.

Anschließend hatten die Beckumer die Möglichkeit, eine professionelle Ausrüstung zu nutzen – die Hönnestädter fühlten sich sofort sicherer. Grothe stellte fest: „Der Unterschied ist einfach enorm.“ Die Gefahren am fließenden Gewässer seien nicht zu unterschätzen, vor allem, wenn die Kameraden eine verängstigte, verletzte oder leblose Person aus dem Wasser retten müssten.

Die Profis zeigten viele Rettungs-Möglichkeiten auf, die aber nur mit den richtigen Hilfsmitteln vorgenommen werden können. Allein für diese Erfahrung habe sich die Teilnahme schon gelohnt, stellte Grothe fest. Und nach sieben Stunden und mehreren Übungseinsätzen an der Lenne wusste auch jeder Teilnehmer, wie anstrengend die Strömungsrettung ist.

Um die Sicherheit für die Kameraden und die Menschen, die im Ernstfall gerettet werden müsssen, zu erhöhen, will die Löschgruppe jetzt eine erweiterte Grundausrüstung anschaffen: Rettungswesten, Wildwasserhelme und mehrere Wurfleinen im Wert von etwa 400 Euro sollen gekauft werden. Finanziert wird das laut Grothe vom Förderverein der Löschgruppe Beckum.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare