Ungar Arnulf und seine wilden Mannen greifen an

Max Runte schlüpft in die Rolle des Ungarn-Führer Arnulf.

Wocklum - Arnulf macht sich mit den anderen kämpferischen Ungarn auf, um die Wallburg zu stürmen. Hinter deren Mauern sich Bauern, Handwerker, Mägde und Knechte verschanzt haben. Emma ist eine der Bewohnerinnen der Burg. Sie verarbeitet Steine zu Anhängern. Auch sie wird von den Dienstmännern verteidigt, die im Auftrag König Heinrichs I. zur Verstärkung ausgesandt wurden.

Dieses Szenario spielt sich zurzeit an der Luisenhütte ab. 53 Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren nehmen an dem „Historischen Spiel“ teil, der Sommerferienaktion der Museen im Märkischen Kreis. Emma heißt eigentlich Theresa Bethke, ist neun Jahre alt, und zum ersten Mal dabei. „Einfach toll“, findet sie das ganze Drumherum, das mit einer Einführung in die Spielidee begann: Alle begeben sich ins Jahr 926, ins frühe Mittelalter, und befinden sich in der Wallburg, einer Anlage, die es tatsächlich ins Balve gegeben hat. Wenn allerdings hier die Trommel ruft, dann ist das kein Aufruf zum Feiern, sondern zur Flucht in sichere Gefilde. Deshalb verstärken die Bauern immer wieder ihre Befestigungen.

Während dies auf der Wiese oberhalb der Luisenhütte geschieht, bereiten sich im und vor dem Stollen die Ungarn auf ihre räuberischen Angriffe vor. Arnulf ist einer von den zehn Kämpfern und heißt in der Realität Max Runte (9). Auch er nimmt zum ersten Mal teil – und ist fasziniert davon, was alles vorbereitet wurde: die 15 Betreuer unter der Leitung von Museumspädagogin Bernadette Lange haben Kostüme, Werkzeuge und viele andere Utensilien mitgebracht, um das Mittelalter auch wirklich lebendig werden zu lassen. Dazu gehört auch, dass sich jedes Kind einen Namen und eine Rolle aussucht. So wird mit Ton gearbeitet, es wird gewebt, gefilzt und die Abteilung Steinbau fertigt neben Anhängern, Amuletten und Kreuzen auch Pfeilspitzen.

Im Wald sind derweil nicht die Räuber, sondern vielmehr die Soldaten des Königs unterwegs. Sie erkunden die Umgebung und stellen fest: „Irgendwo sind Schmiedegeräusche und Kampfgeschrei zu hören. Wir müssen aufmerksam sein.“ Und so sind die wackeren Recken allzeit bereit, während die Ungarn im Umgang mit dem Schwert immer sicherer werden. Diese versorgen sich mit einer eigenen Feuerstelle selbst, während in der Wallburg ein Koch- und Gemeinschaftszelt bereit steht.

Langweilig wird es keinem der Teilnehmer. Dafür sorgen neben der Arbeit auch die dem Mittelalter angepassten Dialoge und Streitgespräche – Themen sind das Essen oder auch der Zustand der Hütte. Und dann wird plötzlich die Trommel geschlagen: Ein Angriff steht bevor, abrupt endet der mittelalterliche Alltag. Alle müssen auf ihrem Posten sein, bereit ihre Burg zu verteidigen, während die Gegner versuchen, diese einzunehmen.

Zum inzwischen fünften Mal findet die Sommerferienaktion an der Luisenhütte statt, und immer noch sind alle von dieser Anlage begeistert. Bernadette Lange: „Hier ist so viel möglich, ohne jemanden zu stören.“ Die Kinder freuen sich auf Action und Abenteuer – und dabei erfahren sie spielend eine Menge über das Leben und die Arbeiten im Mittelalter.

Von Julius Kolossa

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