Unbequeme Wahrheiten der Kirchengeschichte

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Besonders viele Frauen verfolgten die Ausführungen der Theologin, die sich mit der Rolle der Frau in der katholischen Kirche auseinandersetzte.

Balve - „Frauen haben nach Kardinal Kasper kein Recht und keine Befugnis zur Weihe als Priester oder Diakon,“ stellte Professor Dr. Agnes Wuckelt die Meinung der katholischen Kirche zur Rolle der Frau heraus. Auf Einladung des Kolpingforums sprach die Theologin von der katholischen Hochschule in Paderborn über die Frauenrolle vor dem Hintergrund des 2. Vatikanischen Konzils.

Von Julius Kolossa

Dabei stellte sie die bis 1982 gültigen kirchenamtlichen Dokumente dem neuen Kirchenrecht ab 1983 gegenüber. Die Frau galt bis dahin als „intellektuell minderwertig“ und „emotional unbeständig“ sowie „moralisch sündig und verführerisch“. Sie war „funktionell zweitrangig“ und sollte sich dem Mann unterordnen.

Pius XII., Paul VI. und Johannes Paul II. sprachen von der Frau nur in ihrer Funktion als Mutter – heilswürdig durch Maria als Mutter Gottes. Nach dem ab 1983 geltenden Kirchenrecht wird eine „grundsätzliche Gleichheit“ zwischen Mann und Frau festgestellt. Abgeleitet werden könne vieles durch die Bibel, so die Professorin für Religionspädagogik. Sie erklärte den 60 Teilnehmern, dass in der Heiligen Schrift durchaus nicht jedes Wort gottgegeben sei: „Paulus hat sich sehr für die Frauen eingesetzt. In den ihm zugeschriebenen, aber garantiert nicht von ihm verfassten Briefen, haben die Schreiber ein ganz anderes, ein ihnen gefälligeres Frauenbild eingefügt.“

Es waren teilweise unbequeme Wahrheiten, die sie aus den Bereichen der Bibelforschung mitteilte, wie an den erstaunten Reaktionen zu erkennen war. Vieles müsse vor dem damaligen zeitgeschichtlichen Hintergrund und den gesellschaftlichen Verhältnissen betrachtet werden. Das Zölibat, das die Priester zur Ehelosigkeit verpflichtet, kam erst im ersten Jahrtausend auf. Immer wieder, so die Referentin, hätten sich Frauen nicht mit der ihr zugeschriebenen Rolle abfinden wollen. Sie führte für das 20. und 21. Jahrhundert Beispiele einiger Frauen an: Staatsrechtlerin Gertrud Heinzelmann (1914 bis 1999), Philosophin und Theologin; Elisabeth Gössmann (21. Juni 1928), die ersten Dekanin einer theologischen Fakultät; Herlinde Pissarek-Hudelist (1932 bis 1994), die römisch-katholische Theologin und Mitbegründerin der feministischen Theologie.

Aus ihrer Erfahrung als Mitglied der Steuerungsgruppe ihres Pastoralverbundes in Lichtenau berichtete die Referentin, dass sie Frauen stark mache, ihnen ein Bewusstsein gebe. Die Professorin formulierte ihre Wünsche für die Zukunft: „Dass wir die Bibel neu lesen werden und nicht aus den Augen verlieren mögen, dass Gott menschenfreundlich ist.“

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