"Dann kam die Faust angeflogen"

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Nach einem Faustschlag ist ein Neuenrader zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Menden/Balve – Als ein Rentner aus Garbeck am 20. Februar 2018 mit seinem Auto auf dem Heimweg war, ahnte er noch nicht, dass dieser Tag im Krankenhaus enden würde.

Der 69-Jährige wollte mit seinem Fahrzeug einen Rennradfahrer überholen, tat das aus Sicht des Neuenraders auf dem Rad allerdings mit deutlich zu wenig Abstand. Der Radler gestikulierte deshalb wild mit den Armen und der Garbecker hielt seinen Wagen etwa 300 Meter weiter an. Die beiden Männer gerieten aneinander. Der Radfahrer holte aus und schlug dem 69-Jährigen die Faust ins Gesicht. Dann verschwand er. 

Im Amtsgericht Menden trafen die beiden Männer nun wieder aufeinander: Der Radfahrer wegen Körperverletzung angeklagt, der Autofahrer als Zeuge. Dass er den anderen geschlagen hatte, gab der Angeklagte sofort zu: „Es ist kein Ruhmesblatt in meinem Leben. Leider ist es an dem Tag zu dieser Eskalation gekommen. Ich schäme mich sehr dafür.“ 

Den Überholvorgang des Autofahrers beschrieb der 52-Jährige als Harakiri-Aktion. Er sei aufgebracht gewesen, habe aber kein Interesse an einer Auseinandersetzung gehabt. Als er den Rentner habe am Straßenrand stehen sehen, habe er ihm vorgehalten, dass dieser seine Gesundheit gefährdet habe. Es sei zu einem Streitgespräch gekommen. „Es führte zu nichts“, erklärte der Neuenrader. Deshalb habe er zum Garbecker gesagt, er solle wieder einsteigen. 

Das habe der auch getan. Da er aber mit seinem Rad nicht so schnell aus der geöffneten Tür gekommen sei, sei dieser wieder ausgestiegen und habe sich bedrohlich auf den Radfahrer zubewegt. Er habe Angst gehabt und habe aus Reflex zugeschlagen: „Ich habe mich definitiv bedroht gefühlt.“ 

Entgegen der Angabe des Rentners habe er weder gegen das Auto getreten noch geschlagen. Auch sonst schilderte der Garbecker den Vorfall etwas anders. Zunächst sei er nicht zu dicht am Radler vorbei: „Ich bin total auf der linken Spur gefahren.“ Angehalten habe er nur, weil er dachte, der Radler würde ihn aufgrund des Gestikulierens kennen. Als der Angeklagte auf Höhe des Wagens gewesen sei, habe er gegen diesen getreten. Ein Gespräch sei nicht möglich gewesen. Der habe ihn nur beschimpft, beleidigt und die Fahrertür zugehalten. 

Dann habe der Neuenrader die Tür freigegeben, sich runter gebeugt, ins Wageninnere geschaut und gesagt: „Scheiße, wenn man keine Zeugen bei sich hat.“ „Dann kam die Faust angeflogen“, so der 69-Jährige. Er sei zu Boden gefallen und bewusstlos gewesen. Resultat: Jochbeinbruch und Bruch des Augenhöhlenbogens. In einer Operation musste dem Mann eine Metallplatte eingesetzt werden. 

Der Angeklagte hatte gegen einen Strafbefehl über 3500 Euro Einspruch eingelegt, diesen aber im Laufe der Verhandlung auf die Rechtsfolgen, also auf die Höhe der Strafe, beschränkt. Die Richterin berücksichtigte die aktuellen Einkommensverhältnisse des nicht vorbestraften Neuenraders und verurteilte ihn zu 1500 Euro Geldstrafe.

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