„Kinder brauchen aber Kinder“

Trotz Notbetreuung: Balver Kindergärten versuchen Alltag herzustellen

In den Kindergärten in Balve hängen momentan deutlich weniger Jacken und Rucksäcke als gewöhnlich. Die Einrichtungen sind im Corona-Notbetrieb.
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In den Kindergärten in Balve hängen momentan deutlich weniger Jacken und Rucksäcke als gewöhnlich. Die Einrichtungen sind im Corona-Notbetrieb.

Die Auswirkungen der Bundesnotbremse sind auch in Balve deutlich zu spüren. Seit vergangenen Montag gibt es beispielsweise in den Kindertageseinrichtungen in der Hönnestadt nur noch die bedarfsorientierte Notbetreuung anstelle des zuvor praktizierten eingeschränkten Regelbetriebs.

Im Kampf gegen das Coronavirus sollen möglichst viele Kita-Kinder nicht in die Einrichtungen gebracht werden.

Für die Mädchen und Jungen bedeutet das noch weniger tägliche Kontakte mit Gleichaltrigen. „Kinder brauchen aber Kinder“, sagt Carmen Püttmann, Leiterin des DRK-Kindergartens in Langenholthausen. Sieben Erzieher sind in der Einrichtung in Nicht-Corona-Zeiten für 63 Kinder zuständig. „Im eingeschränkten Regelbetrieb waren hier etwa 30 Kinder am Tag, jetzt, in der Notbetreuung, sind es um die 20“, berichtet Püttmann. Sie weiß: die Kindergartenkinder haben Bedarf an sozialen Kontakten. „Man merkt es den Kindern an, dass ihnen der Besuch in unserem Kindergarten guttut.“

Ein möglichst „normaler“ Kindergartenalltag

In der Einrichtung wird dem Nachwuchs – soweit coronabedingt möglich – ein „normaler“ Kindergartenalltag geboten, in dem die Mädchen und Jungen zwar mit Einschränkungen, aber immerhin mit anderen Kindern spielen dürfen. „Leider dürfen keine Exkursionen stattfinden“, bedauert Carmen Püttmann, die dennoch froh ist, in der dritten Corona-Welle überhaupt ein Angebot vorhalten zu dürfen.

Die Kindergartenleiterin weiß aber auch um die Verantwortung und Verpflichtung, dass für die Notbetreuung nur Kinder mit Bedarf angemeldet werden dürfen. „Die Eltern wissen auch, dass Kontakte soweit wie möglich vermieden werden sollen“, sagt sie. „Denn die Ansteckungszahlen in Balve sind beängstigend hoch – jedem müsste daran gelegen sein, aufzupassen, um nicht sich oder andere anzustecken.“ In Langenholthausen tragen die Erzieher ihren Teil dazu bei, indem sich der größte Teil hat impfen lassen.

„Sausebraus“: Die Vorschulkinder stehen im Fokus

Im städtischen Kindergarten „Sausebraus“ in Eisborn sind alle sechs Erzieher geimpft, wie die stellvertretende Leiterin Celine Müller berichtet. 20 Kinder sind in der Einrichtung angemeldet; jetzt sind täglich um die neun vor Ort. „Wir und auch die Eltern müssen uns täglich neu auf die Situation einstellen“, so Müller. Bei der Projektarbeit stünden momentan die Vorschulkinder, die im Sommer zur Grundschule wechseln, im Vordergrund. „Die jüngeren Kinder dürfen dabei aber natürlich auch nicht zu kurz kommen“, sagt Müller. Auch für diese finden Aktionen statt. Die Kinder, die von ihren Eltern nicht in die Einrichtung gebracht werden, bekommen Post von ihrem Kindergarten. Ob Anleitungen für Mutter- oder Vatertagsgeschenke, die am Küchentisch gebastelt werden können, oder sonstige kreative Angebote – der Kontakt wird gehalten.

In der privat geführten Einrichtung „Kinderkreisel“ an der Hofstraße werden außerdem Videos gedreht, in denen Geschichten für Kinder vorgelesen werden. „Wir müssen in der Notbetreuung noch flexibler sein als in den vergangenen Wochen“, sagt Leiterin Christina Schulte. Sie und ihre neun Kolleginnen sind für insgesamt 36 Kinder zuständig, von denen momentan etwa 18 täglich betreut werden. Auch hier sind die Erzieherinnen zum Großteil geimpft. „Man muss den Eltern Orientierung und Sicherheit geben“, sagt Schulte zu den Herausforderungen in der Corona-Pandemie, denen auch sie sich täglich aufs Neue stellt. Dabei wisse sie die Elternschaft an ihrer Seite; diese arrangiere sich mit der neuen Situation. Den Kindern, die den „Kinderkreisel“ besuchen, werden kleine Projekte angeboten, mit denen die Persönlichkeitsentwicklung gestärkt und das Wissen erweitert werden soll. „Den Kindern auch in dieser Pandemie-Zeit einen normalen Alltag zu bieten, ist wichtig für ihre Entwicklung.“

Die Hoffnung auf ein schnelles Ende

Wie ihre Kolleginnen in den anderen Kitas, hofft auch sie auf ein schnelles Ende der Pandemie:: „Bis dahin müssen wir durchhalten.“

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