Harte Schule durchlaufen

Traumberuf Bestatter: 17-jähriger Balver zieht für Ausbildung nach Köln

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Balve/Köln – Max Känzler muss mit anpacken, und zwar dort und dann, wenn andere wegsehen. Der 17-jährige Balver lässt sich zum Bestatter ausbilden, hat in der Woche mit bis zu fünf Toten zu tun.

Balve/Köln – Max Känzler muss mit anpacken, und zwar dort und dann, wenn andere wegsehen. Der 17-jährige Balver lässt sich zum Bestatter ausbilden, hat in der Woche mit bis zu fünf Toten zu tun.

„Zunächst war es nach der Realschule nicht einfach, einen Ausbildungsplatz in meinem Wunschberuf zu finden, denn viele Unternehmen suchten zunächst nach Menschen mit Lebenserfahrung“, erzählt er im Gespräch mit der Redaktion. Dann aber kam er doch bei einem Bestattungsunternehmer in Köln am Friesenplatz unter, lebt und arbeitet seitdem in der Domstadt. 

Dort hat Max Känzler auch ein Praktikum bei einem Bestatter gemacht, der sich um die freigegebenen Fälle der Kriminalpolizei kümmert. Eine harte Schule, in der es galt, Mordopfer und Selbstmörder zu bergen. „Nachdem ich den ersten Tag überstanden hatte, ging es“, blickt der Balver zurück. 

Auch schon ein Corona-Toter

Seitdem hat Känzler sich an den Schutzanzug und die mit seinem Beruf verbundenen Hygienevorschriften im Umgang mit den Toten gewöhnt. Ein Corona-Toter gehörte bisher auch schon dazu: „Seit der Pandemie sind die Schutzmaßnahmen noch stärker geworden.“ Zu Herzen gehen dem Auszubildenden alle Beerdigungen, in Erinnerung bleibt ihm besonders, wie eine Schulklasse von einem Kind Abschied nahm. „Das geht einem sehr nahe.“ 

Max Känzler (17) ist für seine Wunschausbildung von Balve nach Köln umgezogen

Seine nicht ganz gewöhnliche Berufswahl vor rund fünf Jahren kam nach einem Ausflug der Balver Messdiener zum Bestatter Willi Herrmann auf. „Das hat mich interessiert, der Beruf ist sehr abwechslungsreich“, hat er für sich herausgefunden. Dabei steht er sowohl im Mittelpunkt, wenn Tote abtransportiert werden, als auch im Hintergrund, wenn es gilt, die Familien bei der Beisetzung Abschied nehmen zu lassen. „Das ist mein Ziel: Der Verstorbene soll den Angehörigen in guter Erinnerung bleiben“, sagt der 17-Jährige. 

Nichts mit in den Feierabend nehmen

Er mag keine Bestattungen nach vorgefertigtem Schema, auch wenn es schnell gehen muss. „Beerdigungen müssen schöner ausgerichtet werden. Die Trauerhilfe muss intensiver sein“, so Känzler. Daran arbeitet er, wobei er nichts von dem, was er tagsüber erlebt, mit in den Feierabend nehmen will. Abschalten, das kann Max Känzler, der als Kind eigentlich Autoverkäufer werden wollte, mittlerweile gut. Dass er jetzt Bestatter in einer Millionenstadt wird, ist genau sein Ding. „Es macht auch Spaß“, fasst er seinen vielseitigen Lehrberuf zusammen. „Und vor allem: Mein Beruf stirbt nicht aus.“ 

Noch zwei Jahre dauert seine Ausbildung, danach ist Max Känzler gelernte Bestattungsfachkraft. „Irgendwann möchte ich mich im Sauerland selbstständig machen“, blickt er bereits voraus.

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