Touristische Route zwischen Hagen und Balve

Hönnetal: E-Bike-Route statt Wanderweg

Ein beliebtes Fotomotiv bei Wanderern sind die Sieben Jungfrauen im Hönnetal. Einen Streckenwanderweg, der die Attraktionen des Hönnetals verbindet, wird es sicher nicht geben. Es wird über eine E-Bike-Route nachgedacht.
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Ein beliebtes Fotomotiv bei Wanderern sind die Sieben Jungfrauen im Hönnetal. Einen Streckenwanderweg, der die Attraktionen des Hönnetals verbindet, wird es sicher nicht geben. Es wird über eine E-Bike-Route nachgedacht.

Die Schönheiten des Hönnetals ziehen bei gutem Wetter immer mehr Tagestouristen an, die Touren ab Binolen zur Feldhofhöhle oder nach Klusenstein unternehmen. Doch das Hönnetal hat mehr zu bieten als urige Wanderwege und viel Natur, davon sind die Kreistagsfraktionen von CDU und SPD überzeugt. Deshalb möchten sie eine neue touristische Route zwischen Hagen und Balve erschließen, auf der mit Apps und QR-Codes die Ur- und Frühgeschichte dieser Region erlebbar gemacht werden soll.

Hönnetal - Im Februar wurde während der Sitzung des Kreiskulturausschusses dieses Thema beraten (wir berichteten), das in Kooperation mit den Städten Hagen, Iserlohn, Hemer und Balve sowie insbesondere mit dem Museum für Ur- und Frühgeschichte in Wocklum erfolgen soll. Auf die Tagesordnung kam die Route wieder während der Sitzung in der vergangenen Woche.

„Von einer Wanderroute zwischen Dechenhöhle und Reckenhöhle wird Abstand genommen“, teilte die Pressesprecherin des Märkischen Kreises, Ulla Erkens, unserer Zeitung mit. „Stattdessen soll geprüft werden, ob dort eine E-Bike Strecke verlaufen kann.“ Die Überlegungen seien aber noch in einem so frühen Stadium, dass über einen eventuellen Streckenverlauf keine Angaben gemacht werden können.

Immerhin sind die Überlegungen aus Richtung Volkringhausen nicht neu: Seit 2008 wird überlegt, einen Hönnetalradweg von der Schützenhalle in Volkringhausen bis zur Kirche in Oberrödinghausen zu planen. Seit 2019 findet eine Verträglichkeitsprüfung statt, inwieweit der Radweg zu Beeinträchtigungen der Lebensräume von Tieren und Pflanzen führen kann. Wir berichteten bereits mehrmals über dieses Vorhaben, bei dem verschiedene Trassenführungen der fünf Kilometer langen Strecke vorgestellt – und immer wieder verworfen wurden.

In der Stadt Balve hat nach der Februar-Sitzung des Kreiskulturausschusses keine politische Diskussion zum Thema im Rat der Stadt stattgefunden. Die Verwaltung, so wurde mitgeteilt, begrüße diesen Antrag einer zu errichtenden neuen Route, und werde sich mit dem städtischen Museum für Vor- und Frühgeschichte einbringen.

Soweit die Route Höhlen im nördlichen Kreisgebiet miteinander verbinden soll, würde damit der 2014 aufgegebene SGV Höhlenweg X4 wiederaufleben. Dieser wurde während der Sitzung vorgestellt. Er verband als Streckenwanderweg (kein Rundwanderweg) über 76 Kilometer von Witten kommend die Dechenhöhle/Iserlohn mit der Heinrichshöhle/Hemer und der Reckenhöhle/Balve. Der X4 wurde vom SGV aufgegeben, weil er zu hohe Anteile an innerstädtischen Wegstrecken enthalten hatte und damit den Qualitätsansprüchen an heutige Wanderwege nicht mehr entsprach.

Der ehemalige SGV-Höhlenweg verlief von Witten/Ruhr bis ins Hönnetal. Er wurde 2014 aufgegeben.

Laut dem Wanderblatt des X4 betrat der Wanderer von Hagen kommend Iserlohner Stadtgebiet im Bereich des Humpfertturmes und lief in Richtung der Dechenhöhle. Bei einem beispielhaften Wanderstart um 10 Uhr wird nach 14,2 Kilometern um 14.48 Uhr die Heinrichshöhle erreicht. Nach weiterem 8,5 Kilometern kommt der Wanderer gegen 16.45 Uhr zur Reckenhöhle. Insgesamt hatte der Wanderer dann 22,7 Kilometer in 6 Stunden und 45 Minuten mit Höhenunterschieden von 150 bis 410 Metern zurückgelegt – allerdings ohne Höhlen- und/oder Museumsbesuche oder einer Pause zur Rast. Rein sportlich gesehen eine durchaus vorzeigbare Leistung, touristisch betrachtet aber eher unwahrscheinlich und daher touristisch uninteressant. Bei nur einem Höhlen- beziehungsweise Museumsbesuch und einer Pause dürfte sich die benötigte Zeit um etwa 120 Minuten verlängern. Somit käme der Wanderer auf eine Zeit von knapp neun Stunden.

Darüber hinaus weisen von A nach B verlaufende Streckenwanderwege wie der alte X4 im Gegensatz zu Rundwanderwegen das Problem auf, wie der Gast nach der Wanderung an seinen Ausgangspunkt und in der Regel zu seinem Auto zurückkommt. Es gibt keine und schon gar nicht auf touristische Bedürfnisse ausgerichtete ÖPNV-Verbindungen zwischen den Höhlen, ein Taxi wäre nicht von jeder Wandergruppe finanzierbar, so dass nur der Rückweg auf dem Hinweg bliebe – was angesichts der Streckenlänge wenig Sinn macht.

Sollten die vier Anliegerstädte Hemer, Iserlohn, Menden und Balve die Herausforderungen annehmen und den X4 oder einen vergleichbaren Wanderweg ausweisen, müssten diese eine Linienführung zum Verlauf der Wanderwege durch ihre Städte festlegen. Unter Beteiligung der Grundstückseigentümer bieten sich Vereinbarungen zum Wegeunterhalt und auch zur Verkehrssicherungspflicht an. Damit nicht genug, müsste der neue Wanderweg markiert werden. Das Markierungsrecht steht dem SGV zu, der seine Dienste bereits angeboten hat. Alternativ könnte von den Anliegerstädten geprüft werden, die bereits um die Höhlen vorhandenen Rundwanderwege zu optimieren oder den alten X4 bei einer entsprechenden Eignung als Radweg auszuweisen, was gutachterlich geprüft werden müsste. Die oben beispielhaft angeführten knapp 23 Kilometer zwischen Dechen- und Reckenhöhle ließen sich per Rad in zwei Stunden bewältigen. Mit einem Höhlenbesuch und einer Rast von zwei weiteren Stunden und dem Rückweg zum Ausgangspunkt wären sechs Stunden vergangen: Eine ideale Zeitspanne für einen Ausflug.

Eine Anfrage bei Sauerland-Tourismus (ST) habe ergeben, dass ein Wanderweg eher keine touristische Relevanz besitzen würde – im Gegensatz zu einem (E-Bike) Radweg.

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