Hotzenplotz-Premiere voll gelungen

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Hotzenplotz und seine Räuberschüler wirken beunruhigend sympathisch – dennoch musste der Oberräuber am Ende des Stücks natürlich ins Gefängnis, weil es das Stück von Otfried Preußler nun einmal so vorsieht.

Balve -  Ein Garant für gute Kinderunterhaltung zieht für drei Wochen in die Balver Höhle: Einen ganz langen und sehr intensiven Beifall erntete am Samstag die Premiere des Räuber Hotzenplotz – nach dem „Kleinen Horrorladen“ ein zweiter großer Wurf des Festspielensembles. Das eher jüngere Zielpublikum ließ keinen Zweifel daran, dass Otfried Preußlers wunderbare Geschichte Kinder auch heute noch in ihren Bann ziehen kann.

Die Handlung ist bekannt: Räuber Hotzenplotz, furchteinflößend und beunruhigend sympathisch verkörpert von Jörg Leiß, raubt in einem Akt seelischer Grausamkeit der Großmutter (Stefani Schulte) ihre Kaffeemühle – nicht irgendein Mahlwerk, sondern ein Geschenk von Kasperl (Thomas Riedel) und Seppl (Robin Traud). Und weil die Ordnungskräfte zwar hyperaktiv, aber ansonsten völlig unfähig sind, müssen sich die beiden Freunde selber auf die Suche nach dem Räuber machen.

Oder vielmehr nach den Räubern. Denn Anke Lux vervielfachte einige Rollen und gab dem großen Räuber Hotzenplotz viele kleine Räuberschüler mit. Ebenso dem umtriebigen Wachtmeister Dimpflmoser, der selbst in altdeutscher Dienstkleidung auftritt und von einigermaßen modern gekleideten Polizisten begleitet wird. Ihren größten Auftritt haben die Ordnungskräfte, wenn sie ihre blauen Dienstfahrräder besteigen. Kleine Unken begleiten die Unke „Amaryllis“ (Lina Schneider). Dank der Hilfe von Kasperl und Seppl werden sie wieder zu einer großen Fee (Kathlyn Kruse) und vielen kleinen Feen.

Dazu kommen viele Gruppenbilder im Dorf, dessen kleine und größere Menschen intensiven Anteil an dem Kaffeemühlenraub und an den Ermittlungen der Polizei nehmen. Die Vervielfältigung der Figuren bringt viel Bewegung und Farbe auf die Bühne, schöne Chorstücke ergänzen die Lieder der Hauptfiguren. Allein blieb hingegen der Kartoffeln fressende Zauberer Zwackelmann (Thomas Kruse-Enders), dem auch in der Balver Höhle kein gutes Schicksal zuteil wird. Entschädigt wird der Zauberstabschwinger durch einige rasante Fahrten auf einem Segway – das kommt vom Eindruck her dem Ritt auf einem Besen schon ziemlich nahe.

Ansonsten gilt wie schon bei Otfried Preußler, dass der böse Räuber Hotzenplotz gar nicht so böse ist: Als die Großmutter sich ihm schließlich geschlagen geben muss, schenkt sie dem Halunken sogar ein Lächeln. Und was wünscht sich dieser Räuber ebenso sehnsüchtig wie die Großmutter? Eine Kaffeemühle mit Spieldosenfunktion. Es bleibt nur zu hoffen, dass der arme Kerl auch in der Haft weiterhin an den schönen Künsten naschen darf. Nicht geklärt wurde das Schicksal der Räuberschüler: Was wird aus ihnen, wenn das große Vorbild vorübergehend sitzt? Vielleicht ist ihre Geschichte ein neues Betätigungsfeld für die Reporter, die ihre verdienstvolle Arbeit in Großmutters Dorf mit großem Einsatz machen.

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