Tausende tauchen ein in längst vergangene Zeiten

BECKUM ▪ Mit einem großen Historischen Markt hat Beckum am Sonntag sein 725-jähriges Dorfjubiläum gefeiert. Tausende Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung kamen, um in der mit viel Aufmerksamkeit für Details umgestalteten Dorfstraße eine Zeitreise zu unternehmen.

Mit 3000 Besuchern hatten die Organisatoren, die die Veranstaltung zwei Jahre lang vorbereitet hatten, nach Worten von Ortsvorsteher Johannes Schulte gerechnet. Die Realität dürfte diese Erwartung deutlich übertroffen haben, denn nicht nur vor den Imbissständen bildeten sich lange Warteschlangen und große Menschentrauben. Auch an einigen Engpässen des Festgeländes und bei den besonderen Attraktionen war Geduld eine Tugend, die die Besucher im Gepäck haben mussten.

Zu den Attraktionen gehörten zweifellos die Ritterturniere, bei denen zwei Kumpaneien ihre Geschicklichkeit unter anderem im Ringestechen, in der Sauhatz, im Bechergreifen oder im Hälseschlagen verglichen. Interessiert verfolgten hunderte Schaulustige, wie sich die Ritter der Gräflichen Allianz Arnsberg-Mark in den beiden einstündigen Wettkämpfen zu Pferd schlugen. Dass es dabei nicht zu 100 Prozent historisch korrekt zuging, war Nebensache – wie überhaupt der ganze Markt nicht in einer einzigen zeitgeschichtlichen Epoche angesiedelt war. Vielmehr bot er ein Sammelsurium aus Handwerken und Künsten, Waren und Dienstleistungen aus den vergangenen Jahrhunderten.

Hier finden Sie Fotos von "725 Jahre Beckum":

725 Jahre Beckum

So trafen die Besucher unter anderem einen Ablasshändler, bei dem sie sich gegen Zahlung eines kleinen Geldbetrages von ihren Sünden freikaufen konnten, aber auch einen Bader, der sie von ganz weltlichem Schmutz befreite. Sie konnten Schmieden und einer Stuhlflechterin zusehen, deren Arbeit sich im Laufe der Jahrhunderte nicht grundlegend geändert hat, oder beobachten, wie der Beutelbinder aus Lederstücken mit geschickten Handgriffen eine Aufbewahrungsmöglichkeit für Wertsachen fertigte. Sie konnten einem Quacksalber auf die Finger schauen, der aus bunten Flüssigkeiten geheimnisvolle Trünke mixte, oder sich die Funktionsweise eines Perkolators erklären lassen: Den hatte Apotheker Franz W. Vohle aus der in Balve seit mehr als 200 Jahren ansässigen Adler-Apotheke mitgebracht, um darin vor Ort ein Magenelixier zu destillieren.

Einen Hauch von Orient verströmten die Bauchtanzgruppe Monakira und der Tribalstamm Mona Ra, während die Gäste aus Beckums Partnergemeinde Roussay an ihrem Verkaufsstand mit Brioche und Wein ein wenig französische Lebensart einfließen ließen und mehrere Falkner die Aufmerksamkeit auf ihre faszinierenden Greifvögel zogen.

Die Beckumer Vereine sorgten vornehmlich für die Bewirtung der Marktbesucher. Die hatten dabei die Wahl, ob sie sich in der Klosterschänke „den Wanst vollschlagen“ sollten, wie sie ein Schild aufforderte, oder ob sie sich an den in einer historischen Dämpfmaschine gegarten Kartoffel labten. An mehreren Stellen brutzelten auch Würstchen und Fleisch über glühender Kohle, aber auch goldgelbe Reibekuchen und braun gebratene Champignons warteten auf hungrige Abnehmer. Süße Kuchen und Torten gab es im urigen Bauernhofcafé.

Wer ein schmackhaftes Erinnerungsstück mit nach Hause nehmen wollte, wurde auch nicht enttäuscht: Da warteten selbst hergestellte Liköre und Marmeladen ebenso wie Beckumer Wurstspezialitäten und rustikales Brot, geräucherter Fisch und variantenreicher Käse.

Während die großen Marktbesucher in die Vergangenheit eintauchen konnten, gab es auch für Kinder reichlich Gelegenheit, sich auf unterhaltsame Weise den Künsten und Fertigkeiten vergangener Zeiten zu nähern. Auf dem Balken der Ehre kämpften sie mit dem Gegner und dem eigenen Gleichgewicht, beim Hufeisenwerfen und Scheibenschießen war dagegen Präzision gefragt. Um künstlerische Fähigkeiten ging es beim Kartoffeldruck und Stoffmalen. ▪ vg

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