Tankstellenüberfälle: Prozess droht zu platzen

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Balve/Arnsberg - Die lange Abwesenheit eines Zeugen, der zum Opfer eines Tankstellenüberfalls in Menden wurde, gefährdet die Zeitplanung der Gerichtskammer im Prozess gegen eine Bande um einen Balver, die im Dezember 2017 und Januar 2018 in wechselnder Beteiligung vier Tankstellen in Menden und Hemer überfallen haben soll.

Dies bestätigte Dr. Johannes Kapp, Pressesprecher des Landgerichts Arnsberg, im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit der Rückkehr des Zeugen, der sich angeblich im Iran aufhält, werde erst nach Ablauf von drei Wochen gerechnet. Innerhalb dieser Frist muss die Hauptverhandlung jedoch fortgesetzt werden. Ansonsten droht der Prozess vorerst zu platzen, da im Hinblick auf diesen Überfall die Aussage des Zeugen unverzichtbar ist. 

Denn der mit 17 Jahren jüngste Angeklagte bestreitet weiterhin alle Vorwürfe. Eine mögliche Alternative zur Vernehmung des Zeugen wäre die Einstellung des Verfahrens hinsichtlich dieses Tatvorwurfs. Darüber muss das Gericht entscheiden. Viele Indizien sprechen allerdings für die Mittäterschaft des 17-Jährigen: So posierte er nach den Überfällen gemeinsam mit den geständigen Mitangeklagten und ließ Fotos von sich und dem erbeuteten Geld machen. 

Selfies mit der Beute aufgenommen 

Im Gerichtssaal bestritt er, gewusst zu haben, woher das Geld gekommen war. Der Vorsitzende Richter machte deutlich, dass die Kammer wenig geneigt ist, ihm diese Ahnungslosigkeit abzunehmen: „Es fällt einem schwer, sich vorzustellen, dass eine andere Person als dritter Mann an den Überfällen beteiligt war.“ 

Die beiden Hauptangeklagten bestätigten die „Selfies“: Nach den Überfällen seien sie sehr aufgeregt gewesen und hätten ein Glücksgefühl verspürt, erinnerte sich ein 19-jähriger Angeklagter aus Sundern an die Motivation für die Fotos. Das sei „ein typisches Jungenverhalten“ gewesen. Einer der Beisitzenden Richter fragte, ob die Angeklagten die Fotos als „gute Erinnerung an den Überfall“ gemacht hätten. „Jeder hat die gesamte Tatbeute einmal gezeigt?“ – „Ja“, bestätigte der 18-jährige Angeklagte aus Balve. 

Ein 24-jähriger Student aus Menden und eine 19-jährige Mitarbeiterin der Star-Tankstelle in Hemer berichteten am zweiten Verhandlungstag von den beiden Überfällen, die sie miterleben mussten. Verwundert zeigten sie sich über Süßigkeiten und Getränke, die die Räuber über die dreistelligen Eurobeträge hinaus hatten mitgehen lassen. Der Angeklagte aus Sundern hatte sich in seiner Einlassung an die Begegnung mit dieser sehr jungen Frau in der Tankstelle erinnert: „In diesem Moment war ich sehr geschockt und wusste gar nicht, was ich machen sollte.“ Zum Feiern war ihm nicht ganz so zumute wie den Anderen: „Für mich war das kein Abenteuer. Das war pure Verzweiflung und Angst.“ 

Nächster Termin kommende Woche 

Weil der Sundener gegenüber seiner Familie nicht schweigen konnte, erfuhr er von dieser Seite eine tief gehende und sehr schmerzhafte Ablehnung. Ausgangspunkt für die Taten sei ein „komplettes Chaos in seinem Leben draußen“ gewesen. Nun wolle er es anders machen: „Wenn ich jetzt ins Gefängnis komme, dann mache ich wenigstens was draus.“ Der Prozess wird am 14. September ab 9 Uhr im Landgericht Arnsberg fortgesetzt.

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