Fall landet vor Gericht

Streit um zehn Euro unter Nachbarn eskaliert

Im Amtsgericht in Menden ging es jetzt um einen Streit unter Nachbarn.
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Im Amtsgericht in Menden ging es jetzt um einen Streit unter Nachbarn.

Zehn Euro hatte ein 27 Jahre alter Balver im Sommer 2019 seinem Nachbarn geborgt. Selber finanziell nicht so gut aufgestellt, wollte er das Geld am 17. Juni von dem 23-Jährigen zurück.

Also klopfte er an die Tür des Nachbarn. Was nun genau geschah, darum ging es im Strafprozess des Amtsgerichts Menden.

Dort musste sich der 27-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und versuchter Nötigung verantworten. Am besagten Tag hatte der Nachbar die zehn Euro für den Angeklagten nicht parat. Darüber offenbar wütend, soll der Balver auf seinen Nachbarn losgegangen sein, ihn mit der Faust geschlagen und am Boden liegend getreten haben. Als der 23-Jährige sich versuchte wieder aufzurappeln, soll ihm der Angeklagte gleich drei Mal die Wohnzimmertür gegen den Kopf geschlagen haben. Zudem soll er die Freundin des Mannes als „Schlampe“, „Nutte“ und „dummes Stück Scheiße“ bezeichnet und damit gedroht haben, ihr was auf „die Schnauze zu geben“, wenn sie etwas sagen würde.

Angeklagter schweigt vor Gericht

Trotz dieser Drohung war es zur Anzeige gekommen, weshalb es strafrechtlich nur bei versuchter Nötigung geblieben war. Im Gericht zog es der Angeklagte vor, zu schweigen. Dafür zeigte sich der 23-jährige Nachbar äußerst redselig. Er sagte aus, dass der Angeklagte die zehn Euro zurück verlangt habe. Er habe das Geld allerdings erst von der Bank holen müssen, erklärte der Zeuge. „Dann ist er im Prinzip völlig ausgerastet. Er hat auf mich eingeprügelt.“

Der 23-Jährige hatte noch einiges zum Vorfall zu sagen. Der Verteidiger des Angeklagten notierte sich die Aussage ganz genau. Dann holte er zum großen Schlag aus und konfrontierte den Zeugen mit dessen damaliger Aussage bei der Polizei. Wie sich herausstellte, taten sich dabei einige Widersprüche auf. So hatte er bei der Polizei angegeben, der Angeklagte habe zwischendurch von ihm abgelassen, weil der Hund des 23-Jährigen gebellt habe. Im Gericht sprach er hingegen von einem durchgängigen Geschehen.

Aus dem Nichts zugeschlagen?

Und weiter gab der Mann an, der Balver habe aus dem Nichts zugeschlagen. Bei der Polizei war allerdings von einem vorangegangenen Streit zwischen beiden die Rede gewesen. Auch bezüglich der Anzahl der Schläge und wer wann zu Boden gegangen war, gab der 23-Jährige Unterschiedliches an. Schließlich unterbrach der Richter die Sitzung für ein Rechtsgespräch. Im Anschluss stellte er das Verfahren vorläufig gegen eine Zahlung von 600 Euro Schmerzensgeld an den Nachbarn ein.

Um die Sache aufklären zu können, müssten sämtliche Beteiligte noch mehrmals zu Gerichtsverhandlungen erscheinen. Aus prozessökonomischen Gründen würde das allerdings nicht vollzogen, stattdessen das Verfahren vorläufig eingestellt. Durch sein Einverständnis mit der Einstellung räumte der Angeklagte automatisch ein, dass irgendetwas passiert war. Was genau, dazu äußerte sich der 27-Jährige bis zum Schluss nicht. Ein Attest belegte allerdings, dass der Nachbar immerhin Schädel- und Rippenprellung davongetragen hatte.

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