Streit um Steinbruch in Eisborn geht weiter

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Zu einer enormen Staubentwicklung, die die Bürgerinitiative fotografisch festhielt, kam es nach einer Sprengung im Steinbruch Ende Juli.

Eisborn - Die Auseinandersetzung zwischen der Eisborner Bürgerinitiative gegen die Steinbrucherweiterung und der Lhoist-Gruppe geht in die nächste Runde. Nun geht die Gruppierung auch gegen den laufenden Betrieb vor und begründet dies mit der enormen Staubentwicklung, die bei den Arbeiten entstehe.

Die BGS Eisborn (Bürger gegen die Steinbrucherweiterung Balve-Eisborn/Asbeck) hat sich in dieser Woche in einem Schreiben an die Bezirksregierung Arnsberg und den Märkischen Kreis gewandt. Darin fordern die Verantwortlichen, Maßnahmen gegen den laufenden Steinbruch-Betrieb zu ergreifen, die sie mit der Staub-Entwicklung auf dem Lhoist-Gelände begründen. Um ihre Aussagen zu untermauern, ist dem Schreiben auch eine Bilddokumentation einer Sprengung vom 31. Juli beigefügt. 

Was bemängelt die Bürgerinitiative? 

Die BGS Eisborn berichtet von einer enormen Staubentwicklung nicht nur bei Sprengungen, sondern bei „jeglichen betrieblichen Lkw- und sonstigen Bewegungen“ auf dem Gelände. „Zusätzlich ziehen bei Trockenheit Staubwolken durch die Hauptwindrichtung aus Westen, auch ohne Sprengungen oder Fahrzeugbewegungen über die angrenzenden Ortschaften“, heißt es wörtlich in dem Schreiben, das Michael Hirt als BGS-Vorsitzender und Schriftführer Hans-Dieter Kolossa unterzeichnet haben. 

Gibt es weitere Kritikpunkte? 

Laut BGS habe die damalige Firma Rheinkalk (heute Lhoist) schon vor 15 Jahren versprochen, Abhilfe zu schaffen. Dies sei bislang aber nicht passiert. „Das gelegentlich zur Befeuchtung eines Teils der Geländeoberfläche eingesetzte Bewässerungsfahrzeug ist völlig unzureichend und erzielt keine Wirkung“, schreibt die Bürgerinitiative. Deren Mitglieder glauben, dass selbst durch eine dauerhafte Befeuchtung eine Feinstaubentwicklung nicht ausreichend unterbunden werden könne. 

Was sind die Konsequenzen? 

„Der Staub wird sich auch zukünftig nicht nur auf forst- und landwirtschaftlichen Flächen und Immobilien niederschlagen, sondern auch seinen Weg in die Organe (vornehmlich die Lunge) der Bevölkerung in der weiteren Umgebung finden. Das allein ist bereits im höchsten Maße gesundheitsschädlich. Sollte darüber hinaus festgestellt werden, dass der Staub toxische Bestandteile beinhaltet, wäre ein unverzügliches Handeln unerlässlich“, schreibt die BGS. Aufgrund von Informationen „einschlägiger Experten“ sei davon auszugehen, dass der Staub Blei- und Radonbestandteile enthalte. 

Was fordert die Bürgerinitiative von den Behörden? 

Zunächst „alle notwendigen Schritte“ zu unternehmen, um künftig eine Staubentwicklung zu unterbinden. Zudem sollen rund um das Steinbruchgelände für mindestens sechs Monate Messgeräte installiert werden, um die Staubkörnungen und deren Zusammensetzung zu erfassen und anschließend auswerten zu können. Auch Webcams sollen in und um das Gelände montiert werden. Zudem möchten die BGS-Verantwortlichen „regelmäßige Einsichtnahme“ in die Messergebnisse.

Der Steinbruch soll um fast 90 Hektar erweitert werden.

 

Wie sieht es mit weiteren Belastungen aus? 

Die Bürgerinitiative sieht auch die Erschütterungen und Geräusche, die durch die Arbeiten auf dem Lhoist-Gelände verursacht werden, kritisch. Sie regt deshalb an, diese ebenfalls durch Messungen überprüfen zu lassen. Darüber hinaus sei zu checken, ob das Unternehmen „noch im Rahmen der erteilten Erlaubnis handelt. Insbesondere nicht tiefer abbaut als erlaubt und Grundwasser nur im erlaubten Umfang nutzt.“ 

Wie schätzt der Märkische Kreis die Situation ein? 

Pressesprecher Hendrik Klein bestätigte auf Anfrage zunächst den Eingang des Schreibens per E-Mail und versprach: „Die Untere Wasserbehörde als zuständiges Organ des Kreises wird die von der Bürgerinitiative kritisierten Punkte überprüfen.“ Bekannt sei beim Kreis zudem, dass es bei einer Sprengung im Steinbruch – trotz vorhandener Berieselungsanlage – zu einer ungewöhnlich hohen Staubentwicklung gekommen sei. „Allerdings ist unserer Kenntnis nach der Betreiber des Steinbruchs anschließend sofort von selbst aktiv geworden und hat den betroffenen Bürgern in Eisborn angeboten, eventuell entstehende Kosten beispielsweise für die Reinigung der Fenster oder das Waschen des Autos zu übernehmen“, sagte Klein. 

Was sagt das Unternehmen Lhoist? 

„Bei einer Gewinnungssprengung im Kalkstein entsteht zwangsläufig eine gewisse Staubemission“, teilte Lhoist auf Anfrage zunächst allgemein mit. Allerdings räumte das Unternehmen auch ein, dass es aufgrund der Kornverteilung in seltenen Fällen über eine Transmission zu Niederschlägen außerhalb des Steinbruchgeländes komme. Die zuletzt aufgetretenen ungewöhnlich hohen Staubemissionen bei Sprengungen hingen auch mit der langen Trockenzeit zusammen. Denn der Karstkörper im Kalkgestein enthalte nur noch extrem wenig Feuchtigkeit. „Dem wirken wir mit einer Vorwässerung der Sprengstelle entgegen“, schreibt Lhoist. Bei der von der Bürgerinitiative monierten Sprengung seinen „mehrere ungünstige Umstände zusammengekommen“, verweist Lhoist auf den „sehr trockenen Karstkörper, plötzlich auftretende wechselnde Winde sowie Vorgaben aus der Sicherheitstechnik“, weshalb die Sprengung hätte durchgeführt werden müssen. Auf den BGS-Vorwurf, es komme auch während der normalen Steinbruch-Betriebszeiten zu einer großen Staubentwicklung, ging das Unternehmen nicht ein. 

Welche Konsequenzen zieht Lhoist?

Der „Dialog auf Augenhöhe“ mit der Bürgerinitiative sei dem Unternehmen weiterhin wichtig. „Wir stehen daher für alle Fragen um den Standort und über die geplante Erweiterung – auch in persönlichen Gesprächen – zur Verfügung“, heißt es abschließend.

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