34.000-Euro-Klage gegen die Schützenbruderschaft

Streit um Indoor-Cycling-Veranstaltung: Teilerfolg für die Schützen

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Im Landgericht Arnsberg wurde die Klage am Dienstag verhandelt.

Balve/Arnsberg - Es sieht recht gut aus für die St.-Sebastian-Schützenbruderschaft: Im Landgericht Arnsberg erläuterte Richter Jörg Maus den Prozessbeteiligten seine vorläufige Sicht auf die Absage einer geplanten Indoor-Cycling-Veranstaltung in der Balver Höhle, die vom 17. bis 19. August 2018 stattfinden sollte.

Es habe zwar eine Verständigung über einen möglichen Termin, aber keinen endgültigen Vertrag zwischen der Bruderschaft und dem Unternehmen „PK Fit sports and event group“ gegeben. Die Schadensersatzansprüche der Kläger aus Rheinland-Pfalz seien deshalb „immens beschränkt“. 

Das Unternehmen könne allenfalls jene Kosten geltend machen, die der Indoor-Sport-Veranstalter im Vertrauen auf die bestehende Reservierung der Balver Höhle in die geplante Veranstaltung investiert habe. Das stelle eine mögliche Berechnung des zu zahlenden Schadensersatzes „auf ganz neue Füße“. 

Sprich: Ein von der Bruderschaft möglicherweise zu zahlender Betrag läge um Größenordnungen unter den 34.000 Euro, die das Unternehmen als Schadensersatz für die durch die Absage entgangenen Einnahmen beansprucht. Zunächst hatte sogar eine Forderung von 60.000 Euro im Raum gestanden. 

Unternehmen zeigt sich gesprächsbereit

Vor dem Hintergrund eines sehr unsicheren Erfolges der gerichtlichen Klage zeigte sich der Rechtsbeistand des Unternehmens gesprächsbereit: „Eine Durchführung der Veranstaltung wäre der Klägerin wichtiger als ein Schadensersatz“, erklärte er und benannte das Jahr 2020 als das Jahr, in dem die Indoor-Cycling-Veranstaltung nochmals in der Balver Höhle stattfinden soll. 

Dem steht allerdings der erklärte Wille der Schützenbrüder entgegen, die eine erneute Konfrontation mit Anwohnern wegen der angeblichen Lärmbelästigung gerne vermeiden möchten. Bürgermeister Hubertus Mühling soll sich persönlich gegen eine weitere Veranstaltung dieser Art ausgesprochen haben. 

Der Anwalt der Veranstalter wies allerdings darauf hin, dass es bisher keine offizielle Ordnungsverfügung für zukünftige Indoor-Cycling-Veranstaltungen gebe. Und auch Richter Jörg Maus wunderte sich über die Empfindlichkeiten, die sich in besonderer Weise auf diese Veranstaltung zu richten scheinen: „Die Balver Höhle ist nicht nur für ganz leise Events bekannt.“ Es gebe dort doch auch Rock- und Folkkonzerte. 

Ist wirklich ein Schaden entstanden? 

Auf der anderen Seite hatte der Richter einige Probleme mit der Position der Kläger, die auf der Grundlage eines möglichen „vorvertraglichen Schuldverhältnisses“ eine neue Schadensberechnung vorlegen müssten. Eine solche, die triftige Gründe für die erhobene Forderung nenne, gebe es bisher nicht. Auch die Frage, ob wirklich ein Schaden entstanden ist, sei nicht beantwortet: „Was hat die Klägerin im August 2018 mit ihren Fahrrädern gemacht? Die werden ja auch nicht stillgestanden haben.“ 

Als Grundlage für eine außergerichtliche Einigung liegt nun ein Vorschlag auf dem Tisch, den der Bruderschafts-Vorsitzende Christoph Rapp und Rechtsanwalt Rainer Beckschewe mit in die Gremien der Schützen nahmen. Demnach soll die Indoor-Cycling-Veranstaltung 2020 erneut in der Höhle stattfinden. 

Sie soll allerdings auf einen Tag und zweimal vier Stunden begrenzt werden und spätestens um 18 Uhr enden. Vielleicht könne man den oder die klageführenden Nachbarn ja mit einem Wochenendurlaub außerhalb von Balve zufriedenstellen, lautete ein konstruktiver Vorschlag zur Lösung der Geräusch-Probleme.

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