Nur noch 16 statt 80 Hektar

Steinbrucherweiterung: So bewerten Politik und Gegner die neue Lhoist-Planung

Um am Standort Hönnetal auch weiterhin Kalk abbauen zu können, hat das Unternehmen Lhoist in dieser Woche eine neue Planung für eine Steinbrucherweiterung vorgelegt.
+
Um am Standort Hönnetal auch weiterhin Kalk abbauen zu können, hat das Unternehmen Lhoist in dieser Woche eine neue Planung für eine Steinbrucherweiterung vorgelegt.

„Die Richtung ist die richtige.“ Mit diesen Worten kommentierte Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) die neue Planung der Lhoist-Unternehmensgruppe zur Steinbrucherweiterung des Hönnetal-Werks.

Statt einer 80-Hektar-Erweiterung soll der Steinbruch nun nur noch um 16 Hektar vergrößert werden, der Standort Hönnetal aber auch dann noch langfristig gesichert sein. Dabei präferiert das Unternehmen die Lösung „Kleines Beil“, die Werkleiter Stefan Flügge in dieser Woche erstmals öffentlich vorstellte. Dabei soll der Kalkabbau weg von Eisborn und hin zur Neheimer Straße in Richtung Asbeck verlagert werden. Von dieser Fläche sind zudem noch fünf Hektar als Reservefläche ausgewiesen.

Im Detail vermochte Bürgermeister Mühling den Lhoist-Vorschlag allerdings noch nicht abschließend zu beurteilen. Entscheidend sei allerdings, wie die Gespräche zwischen Lhoist und dem vor einem Jahr gegründeten Bürgerforum Eisborn verliefen. „Ich sehe das Bürgerforum als Gremium für das Dorf in dieser Frage, und dafür stehe ich auf Zuruf als Ansprechpartner bereit.“

Bürgerinitiative lehnt Erweiterung ab

Die Eisborner Bürgerinitiative gegen die Steinbrucherweiterung (BGS) kann auch mit der deutlich abgespeckten Lhoist-Planung auf nur noch ein Fünftel der ursprünglich gewünschten Erweiterungsfläche nichts anfangen. Die Bürgerinitiative lehnt jegliche Steinbrucherweiterung entschieden ab und hatte deshalb im Zuge der Neuaufstellung des Regionaplans für den Märkischen Kreis bei der Bezirksregierung Arnsberg auch umfangreiche Einwendungen gegen das Lhoist-Vorhaben eingereicht.

„Die BGS Eisborn stellt sich auf jahrelange Auseinandersetzungen ein, inklusive der vollen Ausschöpfung der Klage- und Rechtswege“, hatte der Vorstand vor etwa zwei Wochen mitgeteilt. Auf diesem Kurs will die Bürgerinitiative weiterhin steuern. „Wir geben dazu keine weitere Stellungnahme ab“, ist für den Vorsitzenden Michael Hirt alles gesagt. Auf Nachfrage der Redaktion, wie die BGS die in dieser Woche von Lhoist vorgelegte modifizierte Planung bewerte, wollte sich Hirt nicht äußern.

NHV sieht ersten Teilerfolg

Auch der Naturhistorische Verein Hönnetal (NHV), der 2018 gegründet wurde und sich in die Satzung den Schutz des Hönnetals geschrieben hat, verfolgt weiterhin das Ziel, die Steinbrucherweiterung und auch den weiteren Kalkabbau komplett zu verhindern. Vorsitzender Andreas Kolarik sagte auf Anfrage: „An unserer Meinung hat sich nichts geändert: der Kalkabbau ist endlich und muss auch endlich ein Ende finden.“ Ähnlich wie beim Kohleausstieg fehlt es ihm aus der Politik „an einer klaren Aussage für ein endgültiges Ablaufdatum“. Die jetzt von Lhoist vorgelegte geschrumpfte Erweiterungsplan bewertet er als ersten Teilerfolg der Proteste durch die Bürgerinitiative und den NHV. Doch Kolarik befürchtet, dass das Beil, das Grübecker Feld und das Beckumer Feld weiterhin im Regionalplan als Erweiterungsgebiete ausgewiesen werden. „Und dann kann scheibchenweise im Sinne einer Salamitaktik immer weiter abgebaut werden.“

Beckums Ortsvorsteher Georg Wortmann (CDU) zeigte sich erfreut, „dass wieder Bewegung in diese Angelegenheit gekommen ist – und zwar diesmal Bewegung in die richtige Richtung“. Besonders habe ihn natürlich gefreut, dass Beckum nicht weiter in den Fokus der Planung gerückt worden sei, sondern erst einmal keine Rolle spielen solle. Lhoist-Werkleiter Stefan Flügge hatte am Montag erklärt, dass der seit fast 20 Jahren stillgelegte Steinbruch in Beckum für das Unternehmen zwar auch weiterhin eine „potenzielle Quelle der Rohstoffversorgung“ sei, derzeit in der Erweiterungsplanung aber nicht vorgesehen sei.

Auch die Entwicklung in Eisborn stimme ihn positiv, ergänzte Georg Wortmann, denn es habe sich gezeigt, dass die Lhoist-Unternehmensleitung kompromissbereit und Anregungen gegenüber aufgeschlossen sei. „In der neuen Planung sind schließlich wesentliche Ansätze herausgefallen, die in der Bevölkerung – aus nachvollziehbaren Gründen – als unmöglich angesehen wurden“, sagte Wortmann. Dies seien beispielsweise der Kalkabbau in der Horst, das Aufschütten einer zusätzlichen Halde und die komplette Verwendung des Naherholungsgebietes Beil.

Neue Variante ein akzeptabler Ansatz?

Die Variante „Kleines Beil“ könne ein akzeptabler Lösungsansatz sein, um den Flächenverbrauch zu minimieren und die Bevölkerung zu entlasten, was vor allem durch die größere Entfernung des geplanten Abbaugebiets von Eisborn und außerhalb der Hauptwindrichtung angestrebt werde. Georg Wortmann weiter: „Dieser Erfolg freut mich für die betroffenen Bürger ebenso, wie für die Bürgerinitiative, Bürgerforum und örtliche Politik.“ Nun sei es wesentlich, dass sich beide Seiten aufeinander zu bewegen, um gemeinsam eine zufriedenstellende Lösung entwickeln. „Wir in Beckum werden die weitere Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgen“, erklärte der Ortsvorsteher.

Auf Anfrage kündigte auch Eisborns Ortsvorsteherin Pia Spiekermann (CDU) an, sich gemeinsam mit CDU-Ratsmitglied Jens Timmermann noch in dieser Woche zu der neuen Lhoist-Planung äußern zu wollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare