Statt 80 nur noch 16 Hektar

Steinbrucherweiterung im Hönnetal: Lhoist speckt Planung deutlich ab

Werkleiter Stefan Flügge stellte die neueste Planung des Unternehmens Lhoist zur Erweiterung der Steinbruchflächen im Hönnetal am Montag vor.
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Werkleiter Stefan Flügge stellte die neueste Planung des Unternehmens Lhoist zur Erweiterung der Steinbruchflächen im Hönnetal am Montag vor.

Das kalkverarbeitende Unternehmen Lhoist speckt seine Planung einer Steinbrucherweiterung für das Hönnetal-Werk deutlich ab. Statt 80 Hektar soll die Erweiterungsfläche nun nur noch ein Fünftel, nämlich 16 Hektar, betragen.

Die Details dazu erläuterte Stefan Flügge, Leiter des Lhoist-Werks im Hönnetal, am Montag im Rahmen eines Pressegesprächs.

Die 16 Hektar Erweiterungsfläche sollen nun plötzlich ausreichen, um den Lhoist-Standort Hönnetal dauerhaft aufrecht zu erhalten. Bislang hatten die Unternehmensverantwortlichen stets argumentiert, man brauche den Steinbruchausbau um 80 Hektar, um langfristig ausreichend Kalk abbauen und so die derzeit 175 Arbeitsplätze halten zu können.

Abbau soll optimiert werden

„Wir werden den Abbau optimieren, um weitere 35 Jahre den Standort Hönnetal zu sichern“, sagte Flügge zu der für die Öffentlichkeit sicherlich überraschenden neuen Planung. Nachdem im jüngsten Entwurf für den neuen Regionalplan weite Teile des Naturschutzgebietes Beil nicht mehr als Erweiterungsfläche vorgesehen sind, reichte das Unternehmen im Rahmen der Offenlegung des Regionaplanentwurfs bei der Bezirksregierung Arnsberg einen eigenen Vorschlag ein. Denn die Lhoist-Verantwortlichen waren nicht zufrieden mit den möglichen Kalkabbauflächen wie etwa in Richtung des Hofes „Schulte-Horst“ an der Kreisstraße 29 (Horster Straße). Um an den Kalk zu kommen, müsste die Straße verlegt werden, was hohe Kosten für Lhoist bedeuten würde.

Nun also soll es die Lösung „Kleines Beil“ werden. Die grundlegend modifizierte Planung sieht eine neue Abbaufläche von insgesamt 16 Hektar weg von Eisborn und hin zur Neheimer Straße in Richtung Asbeck vor. Von dieser Fläche sind noch fünf Hektar als Reservefläche ausgewiesen.

Erfolg für die Bürgerinitiative

Damit hat sich Lhoist von seinen Wünschen, die ursprünglich bis zu 72 Hektar an zusätzlicher Abbaufläche im Bereich Beil vorsahen und bis zum jüngsten Regionalplanentwurf im März noch im Raum standen, weitgehend verabschiedet. Dies darf sicherlich auch die Bürgerinitiative gegen die Steinbrucherweiterung (BGS) aus Eisborn als großen Erfolg für sich verbuchen. Die Lhoist-Gegner hatten erst jüngst wieder verkündet, mit allen Mitteln gegen eine Steinbruch-Erweiterung vorgehen zu wollen.

In diese Richtung würde Lhoist die Fläche für den Kalkabbau gerne erweitern. Die Vogelstange wäre davon nicht betroffen.

„Wir haben aus den Stellungnahmen der Behörden und aus Gesprächen mit dem Bürgerforum in Eisborn gelernt, dass unsere bisherigen Planungen nicht angemessen waren“, schlug Flügge am Montag völlig neue Töne an. Der Ansatz „Kleines Beil“ berücksichtige die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes, einen angemessenen Lärm- und Staubschutz und biete doch gute Perspektiven für eine zukunftsfähige Standortentwicklung.

Nun soll bis 180 Meter Tiefe abgebaut werden

Dass dies alles nun auf nur 16 Hektar möglich sein soll, begründete der Werkleiter auf Nachfrage der Redaktion mit einem nun geplanten überwiegenden Kalkabbau in die Tiefe statt in die Breite. „Uns steht eine maximale Abbautiefe von 180 Metern über Normalnull zur Verfügung.“ Bisher würden 120 Meter über Normalnull im Steinbruch ausgenutzt.

Regionalentwurf: Voraussichtlich zweite Offenlegung

Der Regionaplan setzt den Rahmen für die Kommunen für voraussichtlich zwei Jahrzehnte, wenn es um Gewerbe, Umweltfragen, Siedlung und Landwirtschaft geht. Wie es mit dem neuen Regionalplanentwurf für den Märkischen Kreis sowie die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein und damit auch der modifizierten Planung von Lhoist weitergeht, erscheint nach einem jüngst gefassten mehrheitlichen Beschluss des Regionalrates als zuständigem politischen Gremium aber derzeit offen. In der Sitzung des Regionalrates am 24. Juni hatte eine politische Mehrheit von CDU und SPD gegen die Stimmen von Grünen und FDP an entscheidenden Stellschrauben gedreht. Der Antrag von Christ- und Sozialdemokraten verlangt beispielsweise eine neue Sichtweise auf Flächen für Windkraft, für Flächen zum Schutz der Natur und insbesondere für Allgemeine Siedlungsbereiche. Der aktuelle Regionalplanentwurf ist aus Sicht von Hermann-Josef Droege (CDU), Vorsitzender des Regionalrates, damit zwar „nicht obsolet“. Trotzdem rechne er „voraussichtlich mit einem zweiten Offenlegungsverfahren“. Eine Entscheidung darüber werde voraussichtlich nicht vor Herbst kommenden Jahres fallen.

„Wir werden außerdem noch mehr an Material verwerten. Es laufen bei uns Untersuchungen, wie das abgebaute Gestein noch besser sortiert werden kann, um einen höheren Ausbeutungsgrad zu gewährleisten“, erläuterte Flügge weiterhin. All dies sei effektiv genug, um den Abbau auf bedeutend kleinerer Fläche als zunächst geplant zu gewährleisten, „und dies auf 35 Jahre“.

Jetzt eine „optimale Schnittmenge“?

Flügge zeigte sich optimistisch, dass mit der deutlich reduzierten Erweiterungsfläche eine „optimale Schnittmenge und ein optimaler Kompromiss“ für das eigene Unternehmensinteresse und das Interesse der Eisborner gefunden worden sei. „Wir planen nun keine zusätzliche Halde mehr“, fügte Flügge hinzu. In den bisherigen Planungen war vorgesehen, dass nicht verwertbares Material auf den Klärteich sechs bis zu einer Höhe von 335 Metern aufgeschüttet werden sollte. Vielmehr geht es jetzt anders: „Bisherige Ablagerungsflächen im Steinbruch sollen mit dem Abraum verfüllt werden.“ Doch ganz ohne Verlust an Landschaft in der Breite geht all dies nicht vonstatten, denn es werde ein Abbau in dem Bereich der Neheimer Straße nach Asbeck und einen kleinen Teil des „Beils“ erfolgen. „Aber der Abbau erfolgt weg von Eisborn“, betonte Flügge, dass das benachbarte Dorf außen vor bleiben solle.

Und dann hat Lhoist auch noch den stillgelegten Steinbruch Beckum als Reserve, der als Abbaufläche weiterhin im Regionalplanentwurf auftaucht und der laut Unternehmen eine „potenzielle Quelle der Rohstoffversorgung“ sei. Hier ruhe der Abbaubetrieb allerdings seit fast 20 Jahren, weshalb in der jetzigen Unternehmensplanung eine Erweiterung der Kalkabbauflächen in Beckum keine Rolle spiele.

Weitere Informationen zur neuen Planung des Unternehmens bekommen Interessierte im Nachbarschaftsbüro an der Askeystraße 1 in Oberrödinghausen (Ecke Heßmannstraße). Hier hat Lhoist ein Büro eingerichtet, in dem Ansprechpartner an den Donnerstagen, 5. und 12. August, jeweils von 15 bis 18 Uhr und nach weiterer Terminvereinbarung für Fragen rund um den Kalksteinabbau, zur Erweiterung und anderen Themen bereitstehen. Anmeldungen sind im Vorfeld per E-Mail an nachbarn@lhoist.com erforderlich.

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