„Der soziale Frieden leidet“

Steinbrucherweiterung: Eisborner Ratsherr stellt sich gegen Bürgerinitiative

Das Unternehmen Lhoist möchte seinen Kalksteinbruch bei Eisborn um 16 Hektar in Richtung Asbeck erweitern. Eine Planung, mit der Jens Timmermann, CDU-Ratsherr für Eisborn, leben könnte.
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Das Unternehmen Lhoist möchte seinen Kalksteinbruch bei Eisborn um 16 Hektar in Richtung Asbeck erweitern. Eine Planung, mit der Jens Timmermann, CDU-Ratsherr für Eisborn, leben könnte.

Jens Timmermann, CDU-Ratsherr für Eisborn, ist nicht länger einverstanden mit der Blockadehaltung der Eisborner Bürgerinitiative gegen die Steinbrucherweiterung (BGS) und geht jetzt öffentlich auf Konfrontationskurs.

„Die Bürgerinitiative macht mir mit ihrer nur auf jahrelange Auseinandersetzung ausgelegten Politik mehr Sorge als die eigentliche Erweiterung“, sagt Timmermann im Gespräch mit der Redaktion.

Die BGS möchte die geplante Kalksteinbruch-Erweiterung des Lhoist-Werks im Hönnetal verhindern und ist auch gegen die Erweiterungspläne des Split-Unternehmens Calcit in Deinstrop im Hochsauerlandkreis. Mit den Lhoist-Verantwortlichen haben die Vertreter der Bürgerinitiative jeden Kontakt abgebrochen und auch Calcit war zuletzt nicht in Gesprächen mit der BGS.

Lhoist möchte Standort langfristig sichern

Eigentlich könne das Dorf stolz darauf sein, was in den vergangenen zwei Jahren erreicht wurde, meint Timmermann. In diesem Zeitraum hat der Kalkproduzent Lhoist seine Erweiterungspläne von 86 auf noch 16 Hektar abgespeckt. Erfolgen soll diese Erweiterung überwiegend in Richtung Asbeck, so dass Eisborn nach den aktuellen Planungen noch einen kleinen Teil des Wohn- und Erholungsgebiets „Beil“ verlieren würde. Das Unternehmen begründet stets, die Vergrößerung des Steinbruchs sei erforderlich, um den Standort Hönnetal langfristig zu sichern. Um den Standort zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern müsse auch Calcit erweitern, erläuterte jüngst im August Geschäftsführer Jody Koopmans die Expansionspläne seines Unternehmens. Calcit möchte seinen Steinbruch um zehn Hektar in Richtung Asbeck – und damit ebenfalls weg von Eisborn – vergrößern.

Haltung der Bürgerinitiative „eine riesige Katastrophe“

„Dass sich Lhoist jetzt mit 16 Hektar zufrieden gibt, ist ein positiver Effekt. Dagegen ist für mich als gewählter politischer Vertreter für Eisborn die Bürgerinitiative mit ihrer Konfrontationshaltung eine riesige Katastrophe“, spricht Timmermann Klartext. Denn der soziale Frieden im Dorf leide. Jens Timmermann sagt: „Lhoist kam durch legitime Käufe von Grundstücken in den Erweiterungsbereichen zur Möglichkeit, sich zu erweitern – und nicht durch Enteignung.“

Jens Timmermann ist der CDU-Vertreter für Eisborn im Stadtrat.

Timmermann informierte sich am Wochenende bei der von Lhoist angebotenen Steinbruchwanderung noch einmal vor Ort über die geplante Erweiterungund mit ihm rund 400 weitere Teilnehmer. „Das war eine gute und informative Veranstaltung“, sagt er rückblickend. Den Erweiterungsplänen von Calcit kann er sogar einen positiven Aspekt abgewinnen: „Ortsvorsteherin Pia Spiekermann und ich haben uns die Pläne angesehen und können als weitere gute Nachricht für Eisborn mitnehmen, dass Calcit nach der erforderlichen Verlegung der Kreisstraße 29 einen Wander- und Radweg nach Retringen anlegen wird.“

Timmermann fordert: Sachliche Ebene finden

Eisborn müsse mit einem Steinbruch in direkter Nachbarschaft leben, sagt Timmermann zum Lhoist-Werk im Hönnetal. „Keiner freut sich über ein Abbaugebiet, aber Kalk wird nun einmal benötigt.“ Deshalb sei es wichtig, eine sachliche Ebene zu finden, um sich auszutauschen. „Denn es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange Lhoist mit 16 Hektar an Erweiterungsfläche auskommt und wann die nächste Diskussion um eine Erweiterung aufkommt“, glaubt der Eisborner Ratsherr. Deshalb unterbreitet er einen Vorschlag für das weitere Vorgehen: „Wir sollten uns als Eisborner darüber Gedanken machen, wie wir weitere Flächen zum Beispiel als Stiftung oder als Schutzstreifen schützen können.“

Darüber hinaus solle sich im Dorf aber auch anderen Themen zugewendet werden: der Schaffung von Baugebieten und auch dem nächsten Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. In diesem Jahr wurde Platz drei in der Kategorie der Dörfer bis 1000 Einwohner belegt, beim nächsten Mal soll es Platz eins werden. „Dafür wollen wir Zeit und Arbeit investieren“, möchte Timmermann die Eisborner neu motivieren.

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