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Steinbruch-Streit: Timmermann legt sein Amt nieder

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Von: Julius Kolossa

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In Richtung Asbeck möchte das Unternehmen Lhoist seinen Steinbruch erweitern. Während sich Eisborns CDU-Ratsherr Jens Timmermann mit dieser Lösung anfreunden kann, gilt das nicht für das Bürgerforum Eisborn. Deshalb kam es jetzt zum Bruch.
In Richtung Asbeck möchte das Unternehmen Lhoist seinen Steinbruch erweitern. Während sich Eisborns CDU-Ratsherr Jens Timmermann mit dieser Lösung anfreunden kann, gilt das nicht für das Bürgerforum Eisborn. Deshalb kam es jetzt zum Bruch. © Kolossa, Julius

CDU-Ratsherr Jens Timmermann gehört ab sofort nicht mehr zum Sprecher-Trio des Bürgerforums Eisborn. Nachdem Timmermann sich im Süderländer zustimmend zu den aktuellen Steinbruch-Ausbauplänen des Kalkproduzenten Lhoist geäußert und dafür Kritik erhalten hatte, legte Timmermann sein Amt jetzt nieder.

Eisborn ‒ „Wir verfolgen eine klare Linie“, sagte Udo Winiarski, mit Klaus Schulte nun einer von noch zwei Sprechern des Mitte 2019 gegründeten Bürgerforums. Diese beinhalte, dass das Bürgerforum einstimmig die Erweiterungspläne von Lhoist abgelehnt habe, für Gespräche mit dem Unternehmen aber zur Verfügung stehe.

Timmermann dagegen hatte sich Anfang Oktober in einem Gespräch mit der Redaktion einverstanden mit dem Erweiterungsvorhaben gezeigt. Bekanntlich möchte Lhoist seine Abbaufläche um rund 16 Hektar in Richtung Asbeck vergrößern und dabei auch weiterhin einen kleinen Teil des Eisborner Wohn- und Erholungsgebiets „Beil“ einbeziehen. „Dass sich Lhoist jetzt mit 16 Hektar zufrieden gibt, ist ein positiver Effekt. Dagegen ist für mich als gewählter politischer Vertreter für Eisborn die Bürgerinitiative mit ihrer Konfrontationshaltung eine riesige Katastrophe“, hatte Timmermann erklärt und unter anderem befürchtet, der soziale Frieden im Dorf könne unter dem Konflikt leiden.

Jens Timmermann.
Jens Timmermann. © Archiv

Stattdessen rief der Ratsherr dazu auf, eine „sachliche Ebene“ im Umgang mit Lhoist und dem Projekt der Steinbrucherweiterung zu finden, aber auch daran zu denken, dass die Erweiterung um 16 Hektar für das Unternehmen auf Dauer für die Standorterhaltung nicht ausreichen werde. Die ursprünglichen Pläne von Lhoist hatten eine Erweiterung des Steinbruchs um mehr als 80 Hektar beinhaltet. Timmermanns Vorschlag an sein Heimatdorf lautete daher: „Wir sollten uns als Eisborner darüber Gedanken machen, wie wir weitere Flächen zum Beispiel als Stiftung oder aber als Schutzstreifen schützen können.“

Weil das Bürgerforum diesen Aussagen inhaltlich nicht zustimmt, stellte Timmermann als Konsequenz sein Amt zur Verfügung. „Es wurde mit Jens Timmermann darüber diskutiert und dargelegt, dass es gilt, Missverständnisse auszuräumen“, sagte Udo Winiarski. Als Ratsherr könne er nicht die gegenteilige Meinung des Bürgerforums vertreten. „In diesem Sinne distanziert sich das Bürgerforum eindeutig von der privat geäußerten Meinung des Ratsherrn Jens Timmermann, der mit einer reduzierten Abbauvariante leben könnte.“ Einvernehmlich sei dann die Entscheidung gefallen, dass Jens Timmermann als Sprecher zurücktritt. Timmermann wollte sich auf Anfrage der Redaktion zu diesem Vorgang nicht äußern: „Dazu gibt es keinen Kommentar vor mir.“

Im Bürgerforum Eisborn haben sich nach Angaben von Udo Winiarski 20 Personen aus Eisborn und Umgebung zusammengeschlossen, die sich seit gut zwei Jahren gegen die Steinbrucherweiterung im Hönnetal engagieren. Zur Gründungszeit des Forums war noch eine Erweiterung von 82 Hektar in Richtung Eisborn sowie eine fast 400 Meter hohe Abraumhalde in Planung, auf der der nicht verwertbare Teil des Kalkabbaus gelagert werden sollte. Nach der massiven Kritik an dem Vorhaben und nachdem laut des aktuellen Regionalplanentwurfs der Bezirksregierung Arnsberg viele Flächen nicht zur Verfügung gestanden hätten, präsentierte Lhoist in diesem Jahr die auf 16 Hektar abgespeckte Erweiterungsplanung. Doch das reicht dem Bürgerforum nicht, das, so Udo Winiarski und Klaus Schulte, „eine umfassende Meinung der engagierten Dorfbevölkerung widerspiegelt“.

Das Bürgerforum stehe auch im Austausch mit der ebenfalls gegen die Steinbrucherweiterung kämpfenden Bürgerinitiative aus Eisborn. „Wir sind aber kein Ableger der Bürgerinitiative“, betonte Udo Winiarski auf Nachfrage. „Das Bürgerforum ist unabhängig.“

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