St. Blasius-Kirche hat kulturelle Bedeutung

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In der St. Blasius-Kirche in Balve startete die westfalenweite Forschung zur romanischen Wandmalerei ▪

BALVE ▪ „Westfalen ist reich an romanischen Kirchen, doch bisher ist kaum bekannt, dass die figürliche Wandmalerei der Romanik von 1170-1270 zu den herausragenden kulturellen Leistungen Westfalens zählt“, erläuterte Dr. Markus Harzenetter, Chef-Denkmalpfleger beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), als er am Donnerstag in der St. Blasius-Kirche in Balve das Projekt zur Bestandserfassung und -kartierung der figürlichen romanischen Wandmalereien vorstellte.

Der Beginn der zirka dreiwöchigen Forschungsarbeiten vor Ort in der Kirche durch die Kölner Kunsthistorikerin Dr. Anna Skriver und die aus Wedemark bei Hannover stammende Restauratorin Katharina Heiling ist gleichzeitig auch der Startschuss für ein westfalenweites Wandmalereiprojekt. Die Denkmalpfleger des LWL-Amtes für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur haben 14 Kirchen exemplarisch für dieses Projekt ausgewählt, deren Wandmalereien nun erforscht werden.

Balve ist die erste der ausgewählten Kirchen, deren figürliche romanische Wandmalereien im Laufe des Projekts nach und nach erfasst und erforscht werden. Zusammen mit den beiden bereits als Pilotobjekte 2010 und 2011 vorab bearbeiteten Wandmalereien in Lügde (Kreis Lippe) und Schmallenberg-Berghausen (Hochsauerlandkreis) stehen damit bis zum Ende der Projektlaufzeit die wichtigsten Zeugnisse dieser Kunstgattung in Westfalen im Fokus der Wissenschaft. Die Ergebnisse präsentiert der LWL 2016 in einem bebilderten Buch einer Wanderausstellung mit Begleitheft und einem Dokumentarfilm. „Ein kultureller Höhepunkt Westfalens erhält mit diesen drei Formaten endlich wissenschaftlich begründete Konturen und die verdiente Präsentation in der Öffentlichkeit“, freute sich Projektleiter Dr. Dirk Strohmann von der der LWL-Denkmalpflege.

Die ersten Arbeitsschritte in der Kirche dienen der gründlichen Erfassung des Malereibestandes, für die der Hauptchor eigens eingerüstet wurde. Gemeinsam werden die beiden Fachfrauen die originale Malerei von den Zutaten späterer Übermalungen und Restaurierungen scheiden.

Nach Abschluss der Arbeitsphase vor Ort erfolgt die Auswertung und die weitere wissenschaftliche Bearbeitung. Materialproben werden im Labor analysiert. „Neue Erkenntnisse erwarten wir auch von der genauen Recherche der Restaurierungsgeschichte und der kunsthistorischen Beschreibung und Analyse der Bedeutungsinhalte und des Stils der Malereien,“ so Kunsthistorikerin Skriver, die dabei auch der Einordnung der Malerei in den überregionalen Zusammenhang sowie der Herkunft und Wanderung der Maler und ihres Formen- und Motivschatzes nachgeht.

Die Restauratorin Katharina Heiling wird auch eine Untersuchung des Zustands der Wandmalereien durchführen, denn die Wandbilder weisen deutliche Schäden auf, die erfasst und analysiert werden müssen. Die in diesem Fall von der Kirchengemeinde beauftragte Restauratorin wird in Abstimmung mit dem LWL ein Konzept für die Konservierung vorschlagen und erproben. Auf dieser Grundlage kann dann die dringend notwendige Konservierung der romanischen Wandmalereien in St. Blasius geplant werden.

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