Sprachunterricht als Starthilfe ins Berufsleben

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Otmars Hermanns beim Deutschunterricht im Stockmeier-Haus mit Elisabeth Mensah und Omar Sakr.

Balve – Daumen hoch für Otmar Hermanns – auf den seit 2015 pensionierten Hauptschullehrer lässt Elisabeth Mensah nichts kommen. „Er ist der Beste!“, sagt sie.

Seit sieben Monaten lebt die 27-jährige gelernte Hebamme aus Ghana in Balve als Flüchtling. Sie hat genaue Ziele für ihre Zukunft: „Zunächst die deutsche Sprache lernen, und danach wieder als Hebamme arbeiten.“ Und da kommt Otmar Hermanns ins Spiel, der seit 2015 im „Bündnis für Flüchtlinge“ aktiv ist und in dieser Funktion bis heute regelmäßig Deutsch-Unterricht im Stockmeier-Haus gibt. 

„Ich mache es gerne“, sagt der Mellener zu diesem Ehrenamt. Zurzeit hat er fünf Schüler, die an keinem offiziellen Sprachkurs teilnehmen, stattdessen bei ihm ihre ersten Erfahrungen mit der deutschen Sprache machen. Viel Sprechen sei dabei wichtig, um ein Gefühl für die Sprache zu bekommen und anschließend die Feinheiten erlernen zu können. 

Teilnahme ist freiwillig

„Die Teilnahme ist freiwillig“, hat der Lehrer zwar fünf Frauen und Männer auf seiner Liste stehen, doch eine Verpflichtung, an jedem Termin am Unterricht teilzunehmen, besteht nicht. Vor jeder Stunde läuft er die Gänge in der Unterbringungseinrichtung entlang, um an Türen zu klopfen und so auf den Sprachkurs aufmerksam zu machen. 

Elisabeth Mensah lässt sich diesen Termin nicht entgehen, und auch Omar Sakr nimmt teil. Er ist vor 37 Jahren zwar in Düsseldorf geboren worden, kehrte jedoch mit drei Jahren mit seiner Familie in den Libanon zurück. Dort arbeitete er als Ingenieur, bis der Terror in seinem Heimatland so groß wurde, dass er nach Deutschland floh. Das war 2015. Seitdem lebt auch er im Stockmeier-Haus in der Helle. 

Ein Angebot gegen die Langeweile

„Jeder Tag ist wie der andere“, erzählt er. Lichtblicke hatte er bei Praktika im Altenheim, die für einen geregelten Tagesablauf sorgten. Daran möchte er anknüpfen und sich zum Altenpflegehelfer ausbilden lassen. In Bochum wird dies ab dem 1. April möglich. Die Erleichterung über diese Perspektive ist ihm anzumerken. Bis dahin heißt es für ihn, in Balve durchzuhalten: „Es ist langweilig, wenn man nichts zu tun hat.“ Darum nutzt auch er den Unterricht. 

Otmars Hermanns nimmt sich Zeit für seine Schüler. „Sie sind sehr eifrig“, sagt er zu ihrer Motivation.

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