Soziale Berufe gewinnen für Realschüler an Bedeutung

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In der „guten Stube“ des St. Johannes-Altenheims kümmern sich Sarah Schoeben (3. v.l.) und Anika Jürgen-Schellert (2.v.r.) einfühlsam um die betagten Bewohner.

BALVE ▪ 78 Neuntklässler der Realschule absolvieren derzeit ihr Betriebspraktikum in heimischen Unternehmen und Einrichtungen. Viele haben sich dafür technische Berufe ausgesucht, eine ganze Reihe hat sich aber auch ganz bewusst für ein Praktikum im sozialen Bereich entschieden.

Anika Jürgen-Schellert und Sarah Schoeben erkunden zum Beispiel im St. Johannes-Altenheim, ob ihnen der Beruf einer Altenpflegerin tatsächlich zusagt. Die beiden 16-Jährigen haben vor einigen Jahren in diesem Bereich schon einmal ein Tagespraktikum im Rahmen des Girls‘ Days gemacht. Jetzt wollen sie die dabei gemachten Erfahrungen vertiefen.

„Es macht Spaß, den alten Leuten ihr Leben noch etwas schön machen zu können“, reizt Sarah besonders die Möglichkeit, den Senioren helfen zu können. Allerdings ist sie sich auch bewusst, dass der tägliche Umgang mit pflegebedürftigen Menschen auf die Dauer körperlich wie seelisch belastend sein kann. „Trotzdem könnte ich mir das hier als Beruf vorstellen“, sagt die Realschülerin. Ihre Mitschülerin Anika nickt zustimmend, obwohl auch sie schon festgestellt hat: „Das ist etwas anderes als Schule, man ist ganz schon müde, wenn man nach Hause kommt.“

Nach Hause kommen die beiden Praktikantinnen entweder nachmittags oder am frühen Abend, je nachdem, ob sie in der Früh- oder in der Spätschicht eingesetzt werden. Volle Pflegekräfte können sie im St. Johannes-Altenheim natürlich nicht ersetzen, aber sie werden sehr wohl in der Betreuung der Bewohner eingesetzt. Deshalb haben sie auch gleich am ersten Tag die wichtigsten Regeln lernen müssen. „Das waren Hinweise auf die Schweigepflicht und auf hygienische Vorschriften, aber auch auf den wertschätzenden Umgang mit den Bewohnern“, erläutert Pflegedienstleiterin Marlies Gaberle.

Die beiden Mädchen merken schon nach einer Woche, dass der Umgang mit den alten und pflegebedürftigen Menschen auch sie selbst verändert. „Ich habe schon gemerkt, dass ich rücksichtsvoller geworden bin, aber es macht auch Spaß, Rücksicht auf andere zu nehmen“, sagt beispielsweise Sarah Schoeben.

Betreuungslehrer Rudolf Rüden findet es gut, dass sich neben Sarah und Anika noch 16 andere Schülerinnen und Schüler für Praktika in sozialen Berufsfeldern entschieden haben. Schulleiter Wilhelm Boege pflichtet ihm bei: „Die technischen Berufe sind gut und wichtig, aber auch der soziale Bereich ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Wir brauchen auch da Nachwuchs, wo man für die Menschen tätig ist.“

Noch bis zum 26. März dauert das Betriebspraktikum für die Realschüler. Danach werden sie sich in der Schule noch mit dem Erlebten befassen. Und dann wird der eine oder andere sicherlich noch einmal neu über seine beruflichen Ziele nachdenken. Denn die Wirklichkeit ist oft anders als das, was man sich vorgestellt hat.

Von Volker Griese

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