Sonntag wird der Zapfhahn für immer hoch gestellt

Ab kommender Woche ist Mellen um eine Tradition ärmer: Im Haus Rumland wird kein Kneipen- oder Gaststätten-Betrieb mehr stattfinden. - Foto: Kolossa

Mellen -  „ Es lohnt sich nicht mehr,“ stellt Clemens Rumland nüchtern fest. Deshalb hat der Gastwirt beschlossen, am Ostersonntag in seinem Gasthof in Mellen das letzte Bier auszuschenken und – wenn der letzte Gast gegangen ist – die Tür für immer zu schließen.

„In der Woche ist kaum noch etwas los. Auf der anderen Seite steigen aber die Energie- und Grundbesitzabgaben,“ sagt Rumland. Und wenn ab Mai das Rauchverbot greift, würden noch mehr Mellener das Feierabendbier zu Hause bei einer Zigarette trinken, ist der Gastwirt überzeugt. Aus diesen Gründen sei vor sechs Wochen der Entschluss gereift, Haus Rumland zu schließen.

Zuvor hatte das Ehepaar Clemens und Sylvia Rumland noch im August das 30-jährige Bestehen der Gastwirtschaft gefeiert. Viel erlebt haben die Rumlands, seit sie 1982 das als Haus Schulte bekannte Gasthaus gekauft haben. Jeder Verein des Golddorfes und jeder Einwohner sei mindestens einmal bei ihnen zu Gast gewesen. Clemens Rumland: „Auch nach der Schließung des Hauses kann die Kegelbahn genutzt werden. Und Interessierte können auch beim Partyservice weiterhin bestellen.“ Gerne stünden der gelernte Koch und seine Frau auch für die Bewirtung von Gesellschaften zur Verfügung.

Für die Entwicklung des Dorfes ist der 31. März allerdings ein schwarzer Tag: Dann steht Mellen nicht nur ohne Sparkassen-Filiale, Lebensmittelladen und Ortsvorsteher da, sondern auch ohne den Treffpunkt Dorfkneipe. Viele Mellener – und vor allem Vereinsvertreter – seien folglich enttäuscht und traurig gewesen, als sie von seinem Entschluss erfuhren, berichtet Rumland. Dennoch möchte der Gastwirt die Zeiten beenden, an denen nach Feierabend in der Kasse meist nur wenige Euros zu finden waren.

In den nächsten Tagen sollen die Schilder am Haus verschwinden – und damit der Hinweis auf den letzten Mellener Gasthof. Dann wollen die ehemaligen Gastronomen das Erdgeschoss mit Kneipenraum und Speisesaal umgestalten lassen: Eine Wohnung soll dort entstehen.

Mellen ist ohne das Haus Rumland allerdings eine Tradition ärmer – im Stadtgebiet Balve ist das Dorf ab Ostermontag das erste ohne Dorfkneipe.

Von Julius Kolossa

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