Zu bürokratisch und praxisfern: Mediziner beschweren sich über zu viele Vorgaben

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Im Rahmen seiner Sommertour Gesundheit war der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Marco Voge (rechts) in dieser Woche auch in Balve zu Gast.

Balve - Zu bürokratisch und praxisfern sind ausgebildeten Ärzten und Apothekern, aber auch angehenden Medizinern und Therapeuten viele Vorgaben im Gesundheitswesen und damit ein Hemmschuh bei der Sicherstellung einer ausreichenden medizinischen Versorgung auf dem Land.

Dieses Ergebnis nahm der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Marco Voge bei seiner Sommertour Gesundheit, die am Mittwoch in Balve Station machte, mit nach Düsseldorf. 

Voge diskutierte mit dem Balver Allgemeinmediziner Arzt Dr. Paul Stüeken jun., Medizinstudent Timon Streiter, Ergotherapeutin Johanna Michel aus Lendringsen, dem angehenden Physiotherapeuten Stefano Petry aus Wickede und dem Mendener Apotheker Mike Stern. 

Thema war auch, wie die Berufe und Ausbildungen im Bereich Gesundheit attraktiver gestaltet und somit auch die Versorgung im ländlichen Raum nachhaltig gesichert werden kann. 

Stüeken übernimmt Praxis des Vaters 

„Bei uns funktioniert die gelebte Kommunikation“, berichtete Dr. Stüeken. In seiner Praxis am Drostenplatz, die er mit seinem Vater und einem Kollegen leitet, gebe es einen kurzen Draht zur Apotheke. „Der Patient ist immer der Gewinner, denn er steht im Mittelpunkt.“ Aus familiären Gründen entschied sich Stüeken, in die Praxis seines Vaters einzusteigen und diese auch demnächst zu übernehmen (wir berichteten). 

Für ihn ist der „Lokalpatriotismus“ relevant, kann doch in Freizeit, Sport und Kultur das Sauerland mit dem Ruhrgebiet mithalten. Außerdem: es gibt eine schnelle Anbindung an die größeren Metropolen. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, betonte er. Nachdenklich fügte er allerdings hinzu: „Die Kinderbetreuung muss besser werden.“ 

Probleme bei der Kinderbetreuung 

Dabei spricht der zweifache Familienvater aus eigener Erfahrung: „Die Erzieher schaffen ihre Arbeit nicht.“ Dies sei für manche Mütter mit medizinischer Ausbildung ein Grund, zuhause zu bleiben. Dieses Fachpersonal fehle in der Praxis. Dass die mangelhafte Betreuung dem Image des Sauerlandes nicht gut tue, dem stimmten alle zu. Immer wieder waren sie bemüht, mit großen Namen wie den Kliniken in Hellerfeld, Hachen und Arnsberg zu punkten. „Namen ziehen Leute an“, meinte Timon Streiter dazu. „Wir sind hier gut aufgestellt.“ Und doch wird es immer schwieriger, medizinisches Fachpersonal zu finden. Apotheker Mike Stern berichtete, dass es unmöglich sei, eine 40-Stunden-Kraft zu gewinnen. Sein Betrieb laufe mit Halbtagskräften und Aushilfen. 

„Wir wollen die ärztliche Versorgung der Bevölkerung sicherstellen“, brachte es Dr. Stüeken auf den Punkt. Ein Vorhaben, bei dem es Studenten nicht auf ein Heimatstipendium ankomme. Fünf davon vergibt der Märkische Kreis an Medizinstudenten ab dem 5. Semester. Doch: „Das sind überwiegend gut situierte Studenten, die Geld nicht interessiert.“ Vielmehr sollten die Rahmenbedingungen verbessert werden. An seinem Beispiel verdeutlichte der Arzt, dass die Kassenärztliche Vereinigung sich erst eine Woche vor seinem Eintritt in die Praxis am Drostenplatz im September mit einem positiven Bescheid darüber bei ihm meldete. Beworben hatte er sich im Januar. Erst durch das Netzwerk seines Vaters sei ihm Gehör verschafft worden.

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