Sexuelle Nötigung

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BALVE ▪ Der Angeklagte wirkte hibbelig und schon vor der Verhandlung brach sein Temperament aus, als er seinen kleinen Bruder im Zuschauerraum laut auf italienisch zurechtwies. Der 21-jährige Balver saß am Dienstag auf der Anklagebank im Amtsgericht Menden, weil er die Freundin eines weiteren Bruders sexuell genötigt haben soll.

Nach einem heftigen Streit und der Trennung Anfang des Jahres soll er die 20-jährige Freundin zur gemeinsamen Wohnung des Paares in Küntrop gefahren haben, um für seinen Bruder ein paar persönliche Dinge zu holen. Er habe Alkohol mit nach oben genommen, von dem die junge Frau dann, nach seinen Angaben, scheinbar auch getrunken habe. Unter Tränen sei sie immer wieder zusammengebrochen, habe sich von ihm wegen der konfliktbelasteten Trennung trösten lassen. „Weiter ist aber nichts passiert“, beteuerte der 21-Jährige in seiner Einlassung vor Gericht. Sie habe zwar nach einem Sturz bei einem Schwächeanfall in seinen Armen gehangen und sich danach auf seinen Schoß gesetzt, das sei aber schon alles gewesen.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Hennemann schenkte aber den Ausführungen der jungen Frau Glauben. Ihre Aussage fand wegen der doch sehr intimen Details unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Im Grunde bestätigte die 20-Jährige aber die Version der Geschehnisse, die die Staatsanwaltschaft angeklagt hatte. Demzufolge soll der 21-jährige Balver wiederholt in der Wohnung zudringlich geworden sein. Er habe sie gezwungen, ihn zu berühren, und sie auch mehrfach gegen ihren Willen angefasst. Zuerst im Schlafzimmer des Paares, dann in der Küche der Küntroper Wohnung. Auf der anschließenden Rückfahrt, bei einem Halt am Balver Sportplatz, soll er weiter versucht haben, sie im Auto zum Oralsex zu zwingen, ließ erst von ihr ab, als sie laut schrie und weinte.

Die am Dienstag geladenen Zeugen brachten eher Erkenntnisse zur Vorgeschichte der Tat und der Zeit danach. Die Familie des Angeklagten, darunter auch der Bruder und ehemalige Freund der 20-Jährigen, versuchte, den Balver zu entlasten und die Geschädigte als permanente und notorische Lügnerin darzustellen. Der Angeklagte selbst, der Vater von zwei kleinen Kindern ist, blieb bis zum Ende der Verhandlung bei seiner Geschichte. „Sie will mir etwas anhängen“, äußerte er sich selbstbewusst in seinen letzten Worten.

Das Jugendschöffengericht schenkte aber nach der rund anderthalb Stunden langen Befragung den detailreichen Ausführungen der 20-Jährigen Glauben und sah es als erwiesen an, dass der 21-Jährige die junge Frau sexuell bedrängt und genötigt hat. Am Ende des Familienstreits stand dann entsprechend für den 21-Jährigen auch eine Verurteilung: Gegen ihn wurde eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren verhängt, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem bekam er vom Gericht die Auflage, 3000 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zu zahlen. ▪ gran

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