Senioren sollen den Garten mit allen Sinnen erkunden

Franz-Josef Rademacher präsentiert die „Kirchturmspitze“, unter der im Frühjahr Vögel nisten sollen.

Balve -  Hören, schmecken, fühlen, sehen und riechen – der Sinnesgarten der Seniorenwohnanlage St. Johannes Balve soll auf etwa 600 Quadratmetern alle Sinne ansprechen. Dafür wird zurzeit noch gepflastert und gepflanzt.

Der Rollrasen muss ausreichend bewässert werden, damit er gut anwächst. Tastkästen, in deren Inneren verschiedene Gegenstände auf ihre Entdeckung warten, werden aufgestellt. Außerdem bekommen vier Nistkästen einen Platz unter der Kirchturmspitze.

Von Julius Kolossa

Letztere wurden anlässlich des 100-jährigen Bestehens des neueren Teils der St. Blasius-Kirche erbaut und sollten eigentlich im Rahmen des Pfarrfestes versteigert werden. Der plötzlichen Wetterumschwung vereitelte diesen Plan aber – daher fiel die Entscheidung, das besondere Vogelhaus im Sinnesgarten aufzustellen. Heimleiter Franz-Josef Rademacher freut sich darüber: „Wie an jedem echten Kirchturm sollen auch hier die Vögel ihre Nistplätze finden.“ Hausmeister Ludger Fabry steuert noch vier selbst gebastelte Eigenheime für Meisen bei.

An einer Wand ist bereits altes Werkzeug aufgehangen worden. Ludger Fabry hat gemeinsam mit Franz-Josef Rademacher überlegt, wo der Rechen und das Pferdekummet am besten zur Geltung kommen. „Auch eine alte Säge, eine Forke und eine Egge finden hier noch ihren Platz“, stellt Fabry fest und erklärt, was es mit den Dekorationsgegenständen auf sich hat: Die Altagsgegenstände aus vergangenen Zeiten sollen für die Besucher ein Möglichkeit bieten, miteinander ins Gespräch zu kommen.

In unmittelbarer Nähe haben die Verantwortlichen hölzerne Klangrohre angebracht. Wer ihrem Klang lauschen möchte, kann die Sitzgelegenheit nutzen, die rund um einen großen Baum entstehen soll – oder die Bänke an den Seiten des Sinnesgartens nutzen.

Ein Haltestellenschild, das die Märkische Verkehrsgesellschaft den Initiatoren als Geschenk überlassen hat, trägt die Aufschrift: „Seniorenwohnanlage St. Johannes Balve“. Es hat schon seinen Platz gefunden – auch neben diesem Schild ist eine Bank aufgestellt worden. „An einer Haltestelle kommen Menschen ins Gespräch“, stellt Franz-Josef Rademacher fest.

40 der 70 Bewohner der Seniorenwohnanlage sind dementiell erkrankt. Für sie soll dieser Garten eine Oase werden, in der sie ihre Sinne wieder spüren können. Dabei sollen sie auch an die Zeiten erinnert werden, als sie auf den Bus warten konnten. „Doch auf die Wartebank abgeschoben wird bei uns niemand“, betont Rademacher. Auch alleine soll niemand im Sinnesgarten bleiben, Betreuer seien stets in der Nähe, wenn Senioren den Garten ab Freitag nutzen können.

Die Gesamtkosten für die Errichtung des Sinnesgartens belaufen sich auf 150 000 Euro, 100 000 Euro seien bereits durch Eigenmittel und Spenden aufgebracht worden. Der Rest solle durch Fördermittel der ARD-Fernsehlotterie „Aktion Mensch“ finanziert werden.

Eingeweiht und gesegnet wird der Sinnesgarten am Freitag, dem „Tag der Sinne“ um 11 Uhr. Bis 17 Uhr sind dann Gäste willkommen. Das Programm umfasst den Besuch der Rollenden Waldschule, eine Ausstellung alter Werkzeuge und Küchengeräte, eine Gartenmalaktion, Gesang, Drehorgelspiel, die Vorstellung des Besuchshundes Donald und einen Rollstuhl-Parcours. Die Besucher dürfen sich außerdem auf Reibekuchen und Gulaschsuppe, Waffeln und Kuchen sowie einen Stand mit heimischen Produkten freuen.

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