Test teilweise noch immer nicht angekommen

Schulschließungen: Verantwortliche in Balve zeigen Verständnis

Am Dienstag führte Nina Fröhling, Rektorin der Realschule, mit einem Teil der Schülerschaft noch Schnelltests durch, am Mittwoch ging es zurück in den Lockdown.
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Am Dienstag führte Nina Fröhling, Rektorin der Realschule, mit einem Teil der Schülerschaft noch Schnelltests durch, am Mittwoch ging es zurück in den Lockdown.

Seit Mittwoch haben mit Ausnahme der Abschlussklassen auch die Schulen in Balve wieder komplett auf Distanzunterricht umgestellt. Mit dieser Maßnahme reagierte der Märkische Kreis auf die zuletzt stark steigenden Corona-Inzidenzwerte in allen Kreiskommunen.

Auch in Balve liegt die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Infektionen der vergangenen Woche hochgerechnet auf 100 000 Einwohner angibt, mit 116,1 mittlerweile über dem Landesschnitt.

„Das ist letztendlich konsequent und absolut richtig“, bewertete Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) die Maßnahme des Kreises. „Wir von der Stadt als Schulträger und die Verantwortlichen in unseren Schulen konnten es ohnehin nicht verstehen, dass nach dem zweiten Lockdown fast eineinhalb Wochen Schulbetrieb stattfinden durfte, ohne dass getestet werden konnte.“ In der Realschule trafen die vom Land versprochenen Tests am Montag ein, sodass erst am Dienstag und damit am letzten Tag vor der Rückkehr zum Homeschooling getestet werden konnte.

Köhler: „Inzidenzen sprechen eine deutliche Sprache“

Dass mitten in der Woche und drei Tage vor den Ferien der Schulbetrieb kurzfristig wieder komplett auf Distanzunterricht umgestellt werden musste, stieß bei den Schulverantwortlichen grundsätzlich auf Verständnis. Petra Köhler, Rektorin der Grundschule in Beckum, sagte: „Ich kann den Schritt nachvollziehen, denn die Inzidenzen sprechen eine deutliche Sprache.“ Zumal die Schnelltests an ihrer Schule selbst am Mittwoch noch nicht angekommen waren. Bezüglich der Entwicklung ihrer Schüler bedauerte Köhler die neuerlichen Schließungen: „Wir Lehrer haben gesehen und erlebt, wie wichtig das reale Miteinander für die Kinder ist. Alle haben die Schule wieder genossen – und wir hatten anfangen, die im Lockdown aufgetretenen Defizite bei einigen Schüler aufzuarbeiten.“ Denn beim Lernen auf Distanz sei längst nicht immer alles rund gelaufen.

Die Schulleiterin verabschiedete ihre Schüler am Dienstag aus der Schule, gab ihnen aber Aufgaben mit, die sie bis Freitag zu erledigen haben. „Aber allzu viele und schwierige Aufgaben sind das nicht. Wir haben den Druck rausgenommen, wollen vielmehr mit zusätzlichen Materialien für Frühlingswerkstätten auf Ostern vorbereiten.“ Sollte es auch nach den Osterferien ab 12. April mit Homeschooling weitergehen müssen, wähnt Köhler die Schule nun besser vorbereitet: „Der zweite Lockdown hat einen richtigen Push in Sachen Digitalisierung gegeben. Alle Lehrer, Schüler und Eltern sind eingearbeitet, die Informationen fließen jetzt schneller.“

Realschule: Am Dienstag wurde noch getestet

An der Realschule sollte am Mittwoch mit dem zweiten Teil der Schülerschaft die Corona-Testung durchgeführt werden. Daraus wurde nichts mehr. „Alle am Dienstag getesteten Schüler hatten negative Ergebnisse“, sagte Schulleiterin Nina Fröhling. Allerdings hatten auch 38 Schüler nicht an der für sie freiwilligen Testaktion teilgenommen. „Deshalb haben wir keine 100-prozentige Sicherheit, ob unter den 200 anwesenden Schülern nicht vielleicht doch einige coronapositiv sind“, so Fröhling.

Die Schulleiterin kritisierte deshalb auch die Vorgaben der Landesregierung: „Dieses Testverfahren macht letztendlich nur Sinn, wenn sich alle Kinder testen lassen.“ Gründe für die Widersprüche, mit denen die Eltern ihre Kinder von der Testung befreien lassen mussten, lagen Fröhling nicht vor. „Vielleicht kann ich den Eltern ihre Ängste nehmen: Es verletzt sich niemand beim Corona-Schnelltest, und es ist auch niemandem der Testablauf peinlich“, versuchte sie zu beruhigen. Denn diese Erfahrungen seien ihr aus den 17 Gruppen, die die Selbsttests am Dienstag noch durchführten, gemeldet worden. Und dies vor allem von den Schülern selbst.

Fünf Schüler positiv getestet

„Schon am Montag waren alle aufgeregt – am Dienstag, als die negativen Testergebnisse vorlagen, waren dann alle erleichtert“, blickte Fröhling nochmals zurück. Insgesamt 425 Selbsttests wurden der Realschule zunächst geliefert. „Unsere Lehrer dürfen sich damit nicht testen“, berichtete sie von einer Dienstanweisung. „Die Lehrer dürfen sich aber auch nicht nebenan im Testzentrum der Stadt im Hauptschulgebäude testen lassen, denn laut Märkischem Kreis können diese Tests nicht abgerechnet werden. Die Corona-Tests müssen deshalb weiterhin bei den niedergelassenen Ärzten durchgeführt werden.“ Dies werde seit den Herbstferien so praktiziert.

Bis zur Schließung der Realschule nach dem Unterricht am Dienstag gab es laut Fröhling seit Beginn der Pandemie vor mehr als einem Jahr noch keinen bestätigten Corona-Fall im Kollegium. Fünf Schüler seien jedoch positiv getestet worden.

Situation wie ein „Science-Fiction-Film“

„Die ganze Situation rund um Corona kommt uns wie ein Science-Fiction-Film vor. Wir mussten immer wieder reagieren und uns in kurzer Zeit auf Veränderungen einstellen“, blickte sie auf ein turbulentes Jahr zurück. Geklappt habe das nur, weil das Kollegium an einem Strang ziehe. „Zum Wohle der Kinder.“

Dass die Schulen kurz vor den Ferien nun wieder geschlossen wurden, hatte Fröhling mit Blick auf die Inzidenzen im Kreis bereits erwartet: „Seit Wochenbeginn hatten wir mit diesem Schritt gerechnet.“ Die Realschüler werden jetzt wieder über die digitale Lernplattform der Schule mit Materialien versorgt. Zusätzlich finden Videokonferenzen mit den Lehrern statt.

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