Schuhwaren Linne in Garbeck feiert 150. Geburtstag

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Das Schuhgeschäft Linne führt ein Angebot für die ganze Familie: vom Kinderschuh bis zum Herrenmodell in Größe 51. ▪

GARBECK ▪ Seit der Eröffnung von Schuhwaren Linne vor 150 Jahren hat sich einiges verändert: die Mode, die Schuhproduktion und die Preise zum Beispiel. Nach wie vor sind der Familie Linne aber Qualität, Service und Beratung wichtig. Heute beginnen die Jubiläumswochen zum runden Geburtstag.

1861 hatte Hermann Linne, der Ururgroßvater des heutigen Besitzers, eine Schuhmacherwerkstatt in der Kirchstraße gegründet. Dort fertigte er auch Maßschuhe an. Im Jahr 1906 übernahm sein Sohn Hermann das Geschäft. Zwei Jahre später kaufte er ein Haus in der Karrenstraße, wo das Schuhgeschäft bis 1993 bleiben sollte. Nach dem Tod von Hermann Linne im Jahr 1938 führte sein Sohn Josef den Familienbetrieb weiter. 1963 starb Josef Linne. Seine Frau Josefine und Tochter Marianne setzten seine Arbeit fort. „Meine Schwester wurde ins kalte Wasser geworfen. Obwohl sie so jung war, hat sie den Betrieb aufrechterhalten“, erinnert sich ihr Bruder Hermann-Josef Linne, der 1975 seine Ausbildung zum Schuhmacher beendete und mit seiner Frau Waltraud das Ruder übernahm.

Mit der steigenden Einwohnerzahl in Garbeck stieg auch die Zahl der verkauften Schuhe. Das Geschäft mit angeschlossener Werkstatt wurde zu klein. Die Linnes entschlossen sich zum Neubau. Der wurde 1993 an der Straße Im Brauke eröffnet. Am Konzept veränderte sich nicht viel. Noch heute gibt es nur ein paar Regale, in denen die neuesten Schuhtrends präsentiert werden. Der Rest wird für die Kunden aus dem Karton geholt. „Die Leute wollen bedient werden“, ist Hermann-Josef Linne überzeugt. Und der Erfolg gibt ihm Recht. „Wenn es sich nicht rentieren würde, hätte ich meinem Sohn nicht empfohlen, weiterzumachen.“ 2008 übergab er das Geschäft an den gelernten Einzelhandelskaufmann Michael Linne. Der setzt auf das Konzept seiner Eltern. Gleichwohl sagt er: „Man muss sich auch verändern und versuchen, die Kunden im Dorf zu halten.“ Deshalb wurde 2004 die Garbecker Poststelle in das Ladenlokal integriert.

Die Linnes können sich noch an Zeiten erinnern, in denen es Damen-Sandalen zum Einkaufspreis von etwa 10 D-Mark gab. Seither habe sich das Kaufverhalten stark verändert. „Heute werden Schuhe nur noch für eine Saison gekauft“, sagt Hermann-Josef Linne. „Gleichwohl wird auf Qualität geguckt“, ergänzt seine Frau Waldtraud. Besonders bei Kinderschuhen sei der Ruf von Schuhwaren Linne bestens.

Inzwischen wird das Geschäft in der fünften Generation betrieben. „In der ersten Generation war noch alles handgemacht. In der zweiten hat es schon mit Schuhen von der Stange angefangen“, blickt Hermann-Josef Linne zurück. In seiner Werkstatt fühlt man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Schuhpresse, Schleifmaschine und Nähmaschine wirken nicht nur wie aus dem vorigen Jahrhundert, sie sind es auch. Nichtsdestotrotz erfüllen sie immer noch ihren Zweck. Kaputte Schuhspitzen und abgelaufene Absätze sind aber längst nicht die einzigen Dinge, die in der Werkstatt wieder hergerichtet werden. „Die Kunden bringen uns Gürtel, Handtaschen, Lederjacken und Hundeleinen. Erst vor einigen Tagen hatten wir einen Feuerwehrhelm hier“, erzählt Ute Ernst.

Sie ist in die Fußstapfen ihrer Mutter Marianne Schneider, geborene Linne, getreten, die 1998 starb. Viele Kunden erinnern sich noch heute gerne an die engagierte, fachkundige Beraterin. Zum Team gehört neben Ernst und den Linnes auch Marlis Rehmes.

Bis zum 26. November gibt es im Jubiläumsverkauf spezielle Angebote und Rabatte. Am 18. und 19. November gibt es ab 10 Uhr Vorführungen in der Schuhnäherei. ▪ Annabell Niemand

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