Lange Tradition geht zu Ende

Schuhhaus Schneider: Letzter Öffnungstag nach 137 Jahren

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Öffnen am Mittwoch letztmals das Schuhhaus Schneider: Irene Grote (rechts) und Mitarbeiterin Elisabeth Blumenkamp.

Balve – „Stiefeletten laufen immer“, sagt Irene Grote. „Außerdem die trendige Herbstware für Damen und Herren sowie auch Kinderschuhe.“

Beratung durch die Inhaberin des Schuhhauses Schneider an der Hauptstraße bekommen Kunden am Mittwoch, 30. September, aber letztmals. Denn wenn Grote um 18 Uhr die Ladentür abschließt, ist endgültig Feierabend, dann schließt das Traditionsgeschäft nach 137 Jahren. 

Von Hermann Schneider 1883 gegründet, und vor sieben Jahren von seiner Urenkelin Irene Grote (geb. Schneider) übernommen, ist heute der letzte Verkaufstag. „Ich freue mich auf mehr Zeit mit meinen beiden Jungs“, erklärt Grote den Hauptgrund für die Schließung. Carlo (3) und Felix (17 Monate) werden nun zum neuen Lebensmittelpunkt. Außerdem ist sie in der Goldbäckerei Grote, wo ihr Mann Carl Geschäftsführer ist, für die Verkaufsschulungen zuständig. 

Viele Erfahrungen und Freundschaften

Irene Grote nimmt aus ihrer Zeit als Leiterin des Schuhgeschäfts viele Erfahrungen und Freundschaften mit. Viel Zuspruch hat sie auch während des Ausverkaufs in den vergangenen Wochen erfahren: „Ich bekam Blumensträuße als Geschenke.“ Zuletzt seien nochmals viele Kunden gekommen, um im Ausverkauf die preisreduzierten Schuhe zu kaufen. „Die Leute kamen auch aus Neuenrade und Werdohl“, sagt Grote. Das Lager sei gut geräumt, der Keller leer – aber auch am heutigen letzten Öffnungstag seien noch ausreichend Schuhe vorhanden, versprach die Inhaberin. Ein Teil der nicht verkauften Ware werde nach der Ladenschließung in der Goldbäckerei Grote in Langenholthausen angeboten, der größte Teil aber an einen Großabnehmer verkauft. 

Was sich ab Oktober in dem Ladenlokal tut, Irene Grote weiß es noch nicht. „Es haben sich schon Interessenten für eine weitere Nutzung gemeldet, doch meine Eltern, denen das Ladenlokal gehört, haben noch nicht entschieden, wie es weitergehen soll.“ Nach wie vor stehe auch die Idee ihres Vaters Christoph Schneider im Raum, dort ein Schuhmuseum einzurichten: „Die alten, aber noch voll funktionstüchtigen Reparatur- und Nähmaschinen von meinem Urgroßvater Hermann stehen noch bei uns im Keller.“ 

Etwas Wehmut zum Abschied

Für Irene Grote beginnt ab morgen ein neuer Lebensabschnitt mit ihrem Mann Carl in Langenholthausen. Etwas Wehmut ist schon dabei, wenn sie daran denkt, was sie in Balve zurücklässt, doch es überwiegt der Stolz auf das, was sie geschafft hat: „Immerhin habe ich mich mit 27 Jahren von der Festanstellung als Krankenschwester in die Selbstständigkeit getraut. Und das war 2013 ein mutiger Schritt.“ Sie denkt auch zurück an die Zusammenarbeit mit dem Fachhandel und Stadtmarketing. „Es hat Spaß gemacht, hier mitwirken zu dürfen.“ Einen Ratschlag hält sie für beide Balver Institutionen noch parat: „Zusammen ist man stark.“ 

Es waren stressige letzte Tage im Schuhgeschäft. Mittendrin war Elisabeth Blumenkamp, die die Geschicke hier seit April 1984 mitbestimmte. Die gelernte Schuhfachverkäuferin war zuvor unter anderem bei Falke, sollte bei Schneider eigentlich nur vier Wochen aushelfen als Schwangerschaftsvertretung. „Daraus sind dann 36 Jahre geworden“, erzählt Blumenkamp, die nach insgesamt 52 Jahren als Schuhverkäuferin nun ihren Ruhestand mit der Familie genießen will.

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