Schüler über die Drehleiter evakuiert

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Mit der Drehleiter wurden die Schüler aus dem Gebäude gerettet.

LANGENHOLTHAUSEN Geistesgegenwärtig warfen sich in der Klasse von Doris Levermann die Schüler auf den Boden, einige tränkten Handtücher mit Wasser, um damit die Tür vor dem Rauch abzudichten, eilten ans Fenster und riefen um Hilfe – so hatten sie es im Floriansdorf in Iserlohn, einem Zentrum für Sicherheitserziehung und Aufklärung, gelernt.

 Ein abenteuerlicher Schultag liegt hinter den Mädchen und Jungen der Grundschule Langenholthausen. Denn während des Unterrichts wurden sie von einem Feuer überrascht. Das alles geschah am heutigen Samstag und nach dem ersten Schreck wurde den Grundschülern langsam klar, dass es nur eine Übung war.

Feuerwehrübung in der Grundschule Langenholthausen

Als „vorbildlich“ bezeichnete Stadtbrandinspektor Oliver Prior das Verhalten der Mädchen und Jungen. „Man sieht, wie wichtig Brandschutzerziehung ist. Und sie bringt auch wirklich etwas.“ Zusammen mit Schulleiter Engelbert Falke hatte er die Übung ausgearbeitet.

Gegen 9.30 Uhr waren die Rettungskräfte aus Langenholthausen, Balve und Mellen über Melder und Sirene alarmiert worden. Zu diesem Zeitpunkt bekamen sie nur die Information, dass es sich um einen Zimmerbrand handelt und noch Personen im Gebäude sind. Vor Ort entschieden die Einsatzleiter umgehen, noch den Löschzug Garbeck hinzu zu rufen. Das war erforderlich, weil 90 Kinder und zehn Erwachsene gerettet und betreut werden mussten, die Wasserversorgung sichergestellt werden musste und damit genügend Personal unter Atemschutz in das vernebelte Gebäude vordringen konnte.

 Drei Klassen brachten sich selbst in Sicherheit. Sie versammelten sich zunächst auf dem Kirchplatz, beobachteten dann aber das Treiben auf dem Schulhof. Denn die Klasse von Doris Levermann musste mit der Drehleiter aus dem oberen Stockwerk gerettet werden. „Im Ernstfall wären sie auch nicht so rausgekommen“, berichtete Oliver Prior. Fünf Kinder wurden vermisst. Nach ausgiebiger Suche wurden die Retter im Putzraum und der Damentoilette fündig. „Unsere Leute müssen lernen, dass Kinder in Panik ganz anders reagieren. Das heißt für uns, wir müssen Raum für Raum durchkämmen.“

 Probleme bereiteten der Feuerwehr die Funkgeräte. „Das sind schlimme Momente, wenn man plötzlich keinen Kontakt mehr zu seinem Innenangriff hat. Das ist ein Punkt, wo die Stadt unbedingt investieren muss“, sagte Prior. Am Samstag mussten deshalb noch die Kameraden aus Beckum als Überbringer von Funkgeräten alarmiert werden. 51 Feuerwehrleute waren insgesamt im Einsatz. Das THW baute ein Zelt auf, in dem im Notfall Verletzte versorgt worden wären. Auch das DRK war bei der Übung mit im Boot. Die vier Helfer behandelten Kinder, die sich im Tumult den Knöchel verstaucht hatten, und denen vom Rauch schlecht geworden war.

Bei der Abschlussbesprechung gab Stadtbrandinspektor Winfried Reinken aber Entwarnung: „Der Rauch ist nicht gesundheitsschädlich. Das ist Discorauch. Den werdet ihr noch öfter einatmen, wenn ihr älter seid.“ Für die Kinder gab es von der Wehrleitung einen dicken Applaus, von den Kindern für die Einsatzkräfte ein Ständchen. Prior bilanzierte: „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich gesehen habe.“ Und damit meinte er die Beteiligten auf allen Seiten. acn

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