Schüler und Flüchtlinge: Gemeinsames Projekt gegen Rassismus

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Im Rahmen des „Projekt für Empathie gegen Rassismus“ führen die Schüler und Flüchtlinge das Stück „Krieg – stell Dir vor, er wäre hier“ auf.

Balve - Aufregend war die Anreise zum Auftritt. „20 Personen mit Gepäck müssen erst einmal in den Autos untergebracht werden“, sagte Maria Schäfer-Hahne, Leiterin des seit Oktober 2016 bestehenden „Projekt gegen Rassismus“, das in der Balver Hauptschule seinen Anfang nahm.

Mittlerweile ist aus den 20 Teilnehmern zwischen 17 und 30 Jahren eine feste Gemeinschaft geworden, die daran arbeitet, das Buch „Krieg – stell Dir vor, er wäre hier“ aufzuführen. 

So am Samstag im Kaiserhaus in Neheim während dem von den Neheimer St.-Johannes-Schützen und der Pfarrgemeinde initiierten „Fest der Begegnung.“ 

Das Buch, geschrieben von Janne Teller, hat es in sich: Auf 52 Seiten stellt sie dar, warum eine deutsche Familie plötzlich nach Ägypten fliehen muss und wie sie sich dort ein neues Leben aufbaut. Dieses Gedankenspiel hatte Maria Schäfer-Hahne, Lehrerin für Katholische Religion, an ihrer Schule mit in den Unterricht aufgenommen. Von Rektorin Ulrika Scholder erfuhr sie volle Unterstützung als daraus das schulübergreifende „Projekt für Empathie gegen Rassismus“ entstehen sollte. 

Kontakt zu anderen Schulen geknüpft

Die Balver Hauptschüler knüpften Kontakte zu Gymnasiasten aus Sundern und Berufskollegschülern aus Iserlohn. Zehn waren es, die sich schließlich zusammenfanden, dazu kamen zehn Flüchtlinge aus dem Irak, Iran, Syrien, Albanien und Afghanistan. Sie alle ließen sich darauf ein, für die gespielte Lesung des Buches die Flüchtlingsperspektive einzunehmen. 

Sechs Aufführungen fanden bisher statt, die erste während der „Jungen Kirche 2017“ in Langenholthausen. In Neheim nutzten die Akteure mit ihrer Band, bestehend aus Gitarre, Geige, Klavier, Cello, E-Bass und Percussion, die Gelegenheit, das Programm zu bereichern. Ganz nah dran am Publikum waren sie, als sie die Langeweile im Flüchtlingscamp, Einsamkeit und Angst darstellten. „Sie dringen ein in ihre eigene Gefühlswelt und transportieren sie nach außen“, sagte dazu die Pädagogin. 

Mittlerweile viel Erfahrung

Vor der Aufführung stand sie überall helfend zur Seite, dann aber ließ sie die Jugendlichen machen. Ihnen ist die in sechs Auftritten gewachsene Erfahrung anzumerken, ob bei der Lesung, der dazu passenden Choreografie oder in der Band. 

Viel Beifall bekamen alle am Ende für das, was sie geboten haben. Und dass dies keine leichte Kost war, das war manchen im Publikum anzumerken. „Emotionen spiegeln sich auch bei den Jüngeren wider“, hat Maria Schäfer-Hahne herausgefunden. „Dieses Stück lässt niemanden unberührt.“ 

Stolz waren die Jugendlichen, denen von Neheims Pfarrer Stephan Jung für ihren Einsatz gedankt wurde. Alina Pantel hat für die musikalische Begleitung am Klavier gesorgt. Sie war einst eine Schülerin von Maria Schäfer-Hahne, und ist noch heute der Projekt-Gemeinschaft treu geblieben. „Ich wollte damals etwas Tolles bewegen und neue Freunde treffen“, erinnert sie sich daran, was sie bewegte, mitzumachen. „Und so ist es auch gekommen.“ 

Flüchtlinge zeigen, was sie selbst erlebt haben 

Nazar (16), geflohen vor dem Krieg im Irak und seit drei Jahren in Balve, hat eine ganz andere Intention. „Ich will zeigen, was ich selbst erlebt habe“, sagte er leise. 

So sehen es auch die Geschwister Florenc (22) und Alba (20) aus Albanien. Politische Gründe hätten für sie und ihre Familie ein Weiterleben in der Heimat unmöglich gemacht. „Wir geben in diesem Projekt etwas von uns selbst wieder.“ Und: „Wir sind ein Team und gemeinsam gegen Rassismus.“

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