Klaus Korn sieht gute Chancen

Schneckenexperte will Steinbrucherweiterung verhindern

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Schnecken sind das Hobby des Sunderaners Klaus Korn. Derzeit hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Population im Bereich „Beil“ zu erforschen“, um so die geplante Steinbrucherweiterung vielleicht verhindern zu können.

Eisborn – Klaus Korn sucht nicht lange, schnell wird der 59-jährige fündig. „Hier ist ein Teil eines Deckels einer Weinbergschnecke“, zeigt er sein Fundstück.

Der Spaziergang am „Beil“ wird für ihn zu einer Fundgrube, weiß er doch, dass dieser kalkhaltige Standort mit seinen Hangschuttwäldern der ideale Lebensraum für Schnecken und Muscheln ist. 

Und Schnecken sind das Hobby des Sunderaners, der sich seit seinem 14. Lebensjahr für diese Tierarten begeistert. „Schnecken werden belächelt, sind aber wichtig für die Natur, weil sie auf Umwelteinflüsse reagieren“, hat er durch sein jahrelanges Selbststudium von Feldstudien und Fachbüchern herausgefunden. Inzwischen hat das Wort von Klaus Korn längst Gewicht, denn durch sein Gutachten über die Artenvielfalt im Steinbruch Sundern-Westenfeld wurde vor zwölf Jahren die geplante Erweiterung um acht Hektar verhindert. „Die braune Muldenschnecke hat dort ihre nordöstlichsten Verbreitungsgrenze von Europa.“ 

Seit 2019 aktiv am "Beil auf der Suche

Am „Beil“ in Eisborn ist Klaus Korn seit 2019 aktiv auf Schnecken- und Muschelsuche, denn auch dort ist bekanntlich eine Steinbrucherweiterung geplant: „Ich habe von der geplanten Steinbrucherweiterung erfahren und mich deshalb daran gemacht, die Natur dort zu erforschen, um dieses Gebiet ebenfalls zu erhalten.“ Für ihn sind die hier vorhandenen Kalkbuchenwälder wichtige Verbindungen zum Hönnetal. Zudem seien die Wälder ihrerseits Biotope für die Maskenschnecke, das Weichtier des Jahres 2007. „Sie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, kommt nur in Klippen- und Hangschuttwäldern vor. Ihr Bestand ist gefährdet durch den Kalkbergbau in Nordrhein-Westfalen.“ 

Klaus Korn unterwegs in der Natur.

Aber auch die Laubschnecke, die Riemenschnecke, die Turmschnecke und die Gartenbänderschnecke kommen dort vor – und das sind nur einige der 32 Arten, die Klaus Korn inzwischen auf dem Höhenrücken am „Beil“ gefunden hat. „Schnecken haben oft ein schlechtes Image, weil sie alles abfressen, aber andererseits faszinieren sie durch ihre exotischen Gehäuseformen.“ 

Mehr als 1000 Kästen und Plastikschachteln

Korn hat seine Sammlung daheim in mehr als 1000 Kästen und Plastikschachteln untergebracht. Die Exemplare reichen dabei von 1,5 Millimeter kleinen bis zu 30 Zentimeter großen Gehäusen. Für sein Hobby braucht er nur seine Hände, mit denen er vor Ort gräbt, und Filmdosen, in denen er seine Fundstücke unterbringt. 

„Schnecken gehören zum Kreislauf der Natur“, ergreift er Position für die Winzlinge, die unter Laub, Steinen und Büschen leben. „Sie zersetzen Laub und Pflanzen und liefern Humus für Bäume und Sträucher, während die Schnecken selbst zur Nahrung von Vögeln werden.“ 

Eine hohe Hürde?

Der selbst ernannte Schneckenexperte weiß um die Bedeutung der drei gesetzlich geschützten Biotope für Kalksteinklippen mit Hangwäldern am Beil. „Der Naturschutz hat gute Chancen, dass das Beil erhalten bleibt, denn hier gibt es selten gewordene Kalkbuchenwälder sowie Felsen, Quellen und Teiche.“ All dies stelle für ihn eine hohe Hürde bei der Realisierung der Steinbrucherweiterung um 86 Hektar dar.

In den Hangschuttwäldern kommt die Maskenschnecke vor. Sie steht auf der Roten Liste.

Das Unternehmen Lhoist, der weltgrößte Hersteller von Kalk- und Dolomiterzeugnissen, mit seinen Kalkwerk im Hönnetal möchte den Steinbruch ab 2023 um 86 Hektar erweitern, um den Standort für weitere 30 Jahre zu sichern. Erforderlich ist die Erweiterung aus Sicht von Lhoist, um den Qualitätsstandard des abgebauten Kalks weiterhin halten zu können. Denn der Kalkstein, der in Richtung Beil nach Eisborn auf den Abbau wartet, ist laut Werkschef Dr. Zacharias Grote nicht von so guter Qualität, dass er alleine verwertet werden könnte. Deshalb soll er mit dem hochwertigeren Kalk aus den anderen Abbaubereichen des Steinbruchs vermischt werden. 

Auch Bürgerinitiative will Erweiterung verhindern

Die Initiative „Bürger gegen die Steinbrucherweiterung Eisborn/Asbeck (BGS Eisborn) versucht das Lhoist-Vorhaben zu stoppen. Zuletzt gab es zwar zumindest einen Runden Tisch mit Vertretern der Bürgerinitiative, Lhoist-Verantwortlichen und einem Mediator – die Gesprächsinhalte wurden nicht veröffentlicht –, die Fronten bleiben jedoch verhärtet. Während Lhoist nicht müde wird zu betonen, weiter auf Dialog setzen zu wollen und fast schon gebetsmühlenartig weitere Treffen dieser Art als Lösung anpreist, bleibt die Initiative auf Konfrontationskurs. 

So geht die BGS Eisborn nicht nur gegen die geplante Erweiterung, sondern auch den derzeitigen Betrieb vor, beklagt teilweise heftige Staubentwicklung Richtung Eisborn nach Sprengungen im Steinbruch. Genaue Zahlen über die Staubbelastungen in Eisborn durch den nahegelegenen Steinbruch sollen Experten liefern. 

Messungen werden durchgeführt

Die Stadt Balve hat ein Büro beauftragt, Grob- und Feinstaubmessungen durchzuführen. Die Ergebnisse sollen öffentlich ausgelegt werden. 

Hoffnung machen der Initiative zudem jüngste Fachbeiträge vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), in denen die vorgesehenen Erweiterungsflächen am Schlammteich (etwa elf Hektar) und die Ostseite des Beils (etwa 24 Hektar) als Naturschutzgebiet-würdig eingestuft wurden. „Sicherung über Festsetzung oder vertragliche Vereinbarung“, heißt es zu dem jeweiligen Schutzstatus.

Mehr zum Streit um die geplante Steinbrucherweiterung lesen Sie hier.

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