Regionalrat hat entschieden

Schlappe für Steinbruch-Gegner

+
Der Lhoist-Steinbruch im Hönnetal: Das Unternehmen plant eine Erweiterung um 79 Hektar. Die Arbeiten sollen ab 2023 beginnen.

Eisborn – Die Bürgerinitiative gegen die Steinbrucherweiterung (BGS) im Hönnetal hatte auf den Regionalrat Arnsberg gesetzt, dass dieser eine Entscheidung treffen würde, die der von der Lhoist-Gruppe ab 2023 geplanten Erweiterung des Steinbruchs um 79 Hektar widersprechen würde – und wurde enttäuscht.

In der Juli-Sitzung des Gremiums wurden jüngst für die Neufassung des Landesentwicklungsplans die sogenannten harten und weichen Tabukriterien für die Sicherung und den Abbau oberflächennaher Bodenschätze für den Teilplan des Märkischen Kreises beschlossen. Dabei ging es um Dinge wie rechtskräftige Vorranggebiete, Siedlungsflächen und Wasserschutz. Bitter für die BGS: Mit dem Beschluss des Regionalrates scheint die Erweiterung – auch im Bereich Beil – weiterhin möglich. 

Die Verantwortlichen nahmen das Votum deshalb auch „mit Bedauern“ auf. „Der Regionalrat lässt damit der Umwelt und dem Klimaschutz nur eine sekundäre Bedeutung zukommen. Es stößt seitens der BGS Eisborn auf Unverständnis, dass dem Regionalrat offensichtlich wirtschaftliche Interessen wichtiger sind, als der Schutz der Natur, Klimaschutz und der Schutz der Bevölkerung“, schreibt BGS-Vorsitzender Michael Hirt in einer Stellungnahme. 

Entscheidung nicht mit europäischem Recht vereinbar?

Im Vorfeld der Sitzung sei jedem Regionalratsmitglied durch die Bürgerinitiative mitgeteilt worden, dass eine solche Entscheidung vermutlich nicht mit europäischem Recht vereinbar sei und dem notwendigen und zeitgemäßen Umweltschutz widerspreche. Die Ausbaugegner verweisen auf die Naturschutzrichtlinie der EU zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Diese Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) schütze den im Beil vorhandenen Kalkbuchenwald, die dort lebenden Tiere wie Wildkatze, Kammmolch, Schnecken sowie Muscheln und weitere Biotope. Zudem sei der Schlammteich K 6 ein landesweit bedeutender Kalksumpf mit hoher Artenvielfalt. Er sei im Biotop-Kataster als naturschutzwürdig eingestuft. 

Mehr zur geplanten Steinbruch-Erweiterung im Hönnetal lesen Sie hier.

„Bedauerlicherweise haben die Mitglieder des Regionalrates die rechtlichen Hinweise der BGS Eisborn ignoriert und mit dieser Entscheidung den Interessen der Konzerne vollständig entsprochen“, schreibt Hirt weiterhin. 

Wasserversorgung: BGS erwartet "erhebliche Engpässe"

Für den Erhalt des Beils sei diese Entscheidung des Regionalrates negativ zu bewerten „und untermauert die Vermutung, die in dieser Größenordnung bisher noch nicht vorgekommene Steinbrucherweiterung von 79 Hektar zu forcieren“, schreibt die Bürgerinitiative weiterhin. Sollte es zur Erweiterung kommen, fürchten die BGS-Verantwortlichen durch die Entnahme von jährlich rund elf Millionen Kubikmeter Grundwasser zudem auch Probleme für das benachbarte Naturschutzgebiet Hönnetal, die Land- und Forstwirtschaft in der Region sowie „erhebliche Engpässe bei der Wasserversorgung der Bevölkerung“. Zudem gehe mit dem Kalkbuchenwald ein wichtiger CO2-Speicher verloren, der jährlich etwa 1100 Tonnen Kohlenstoffdioxid aufnehme. 

Trotz dieser Schlappe kündigt Hans-Dieter Kolossa, Sprecher der Bürgerinitiative, im Gespräch mit der Redaktion an, weiter gegen die geplante Steinbrucherweiterung kämpfen zu wollen: „Wir bleiben weiter am Ball und werden konstruktiv mit der Situation umgehen.“ Nach wie vor würden rechtliche Bedenken in diesem Erweiterungsverfahren erhoben, wobei „der Rohstoffgewinnung eine hohe Priorität mit sämtlichen Hintertüren eingeräumt“ werde. 

Gegner bereiten weitere Schritte vor

Die Bürgerinitiative werde sich spätestens nach der Fertigstellung der Entwürfe zur geplanten Erweiterung noch einmal zu Wort melden, und zwar mit Einwendungen gegen diese Pläne. Würden diese nicht berücksichtigt, stehe der Gang vor das Verwaltungsgericht an. 

Von Lhoist-Unternehmenssprecher Christian Zöller gab es auf Nachfrage nur eine kurze Stellungnahme: „Wir nehmen den Beschluss des Regionalrates in der angesprochenen Thematik zur Kenntnis.“

Die Lhoist-Unternehmensgruppe möchte mit der Erweiterung des Steinbruchs ab 2023 den Standort Hönnetal für weitere 30 Jahre sichern. Ursprünglich sollte die Abbaufläche um 86 Hektar vergrößert werden, in den Ende Juni vorgestellten Planungen war noch von 79 Hektar die Rede. Vor allem am Beil soll die Abbaufläche reduziert werden – von 46 auf 39 Hektar. Die Halde, auf der künftig der Abraum gelagert werden soll, hat in der aktualisierten Planung noch eine Höhe von 335 Metern, ursprünglich sollten es 400 Meter werden. Die Fronten zwischen dem Unternehmen und den Erweiterungsgegner rund um die Bürgerinitiative und das Bürgerforum Eisborn sind weiter verhärtet. Ein begonnenes Mediationsverfahren hatten die Gegner nach einem ersten Treffen nicht mehr fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare