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„Schimmelhaus“ in Volkringhausen: Elke und Bianca Schenk wollen ausziehen

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Von: Julius Kolossa

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Elke und Bianca Schenk stehen vor ihrem Haus in Volkringhausen. Nach jahrelanger gerichtlicher Auseinandersetzung wollen sie nun ausziehen.
Elke und Bianca Schenk stehen vor ihrem Haus in Volkringhausen. Nach jahrelanger gerichtlicher Auseinandersetzung wollen sie nun ausziehen. © Kolossa, Julius

„Nach acht Jahren Stress, starker psychischer Belastung und viel Arbeit, müssen wir jetzt leider aufgeben!“ Elke Schenk und ihre Tochter Bianca, die 2014 in der guten Hoffnung, ihre Traumimmobilie gefunden zu haben, ein Haus am Inselweg in Volkringhausen gekauft haben, sind am Ende ihrer Kräfte.

Um das „Schimmelhaus“ mit seinen zahlreichen Mängeln wird seit Jahren vor verschiedenen Gerichten gestritten. Zuletzt ging es um die Rückabwicklung des Kaufvertrages – bislang ohne befriedigendes Ergebnis für Käufer und Verkäufer. Die Immobilie hat die Schenks schon viel Energie und auch Geld gekostet. Bianca Schenk erzählt im Gespräch mit der Redaktion: „Die Verkäuferin erklärt aufgrund ihrer arglistigen Täuschung den Kaufvertrag für nichtig und fordert das Haus zurück. Aber sie hat auch ein Vergleichsangebot gemacht, damit wir das Haus behalten können: Meine Mutter soll 50 000 Euro zahlen, sie soll die Kosten des Rechtsstreits tragen sowie die Kosten für einen neuen, notariellen Kaufvertrag, der den Ausschluss aller Mängel vorsieht.“ Darauf will sich die Käuferfamilie nicht einlassen, fordert die Vollstreckung des Urteils des Oberlandesgerichts und damit die Rückabwicklung des Kaufvertrags.

Diese Option hatten die Schenks, die rund 60 000 Euro in die Sanierung des Hauses gesteckt haben, bis zuletzt abgelehnt und weiter den Klageweg beschritten. „Doch jetzt sehen wir keine andere Möglichkeit mehr“, sagt Bianca Schenk.

Die Schenks sollen weitere Kosten tragen

Nachdem bei einem Gütetermin im Arnsberger Landgericht im Februar noch im Raum gestanden habe, die bisherigen Prozesskosten in Höhe von rund 50 000 Euro erstattet zu bekommen, sollten die Schenks jetzt weitere Kosten für das laufende Verfahren und für einen neuen Kaufvertrag tragen. „Damit würden mindestens weitere 10 000 Euro hinzukommen“, sagt Bianca Schenk, warum Mutter und Tochter jetzt die Reißleine ziehen wollen.

Dabei hatten sie sich zuletzt endlich wohlgefühlt, in ihrem schon teilsanierten Heim. „Auf jeden Fall bleibe ich hier“, betonte Elke Schenk noch im Februar. „Hier bin ich doch zu Hause.“ Doch dieses Gefühl verflog zuletzt immer mehr, denn weiterhin sind zahlreiche Baumängel abzuarbeiten. So ist nach Angaben von Bianca Schenk das Dachgeschoss weiterhin nicht als Wohnraum nutzbar. „Im Dachgeschoss sind Kalt- und Warmwasseranschluss vertauscht und auch die Heizung hat noch Mängel“, nennt Bianca Schenk einige der Probleme.

Schlussstrich soll gezogen werden

Deshalb haben sich Elke und Bianca Schenk entschieden, einen Schlussstrich unter das Kapitel „Schimmelhaus“ ziehen zu wollen: „Wir sind sehr traurig, dass wir nun unser Zuhause verlieren und möchten uns bei unseren Nachbarn bedanken, die immer ein offenes Ohr für unsere Probleme hatten.“

Beim Landgericht Arnsberg, wo der Fall zuletzt verhandelt wurde, liegt allerdings bisher noch kein von beiden Seiten verfasster Beschluss in dieser Sache vor, wie Pressesprecher Dr. Alexander Brüggemann auf Nachfrage der Süderländer-Redaktion erklärt. Das Verfahren sei nach wie vor noch offen. „Erst ein Beschluss des Gerichts auf die Zustimmung beider Seiten beendet das Verfahren.“

Der Prozess um die Immobilie läuft seit 2016

Das 1920 am Inselweg in Volkringhausen gebaute Haus wurde 2013 beim Amtsgericht Menden zum damaligen Verkehrswert von 69 000 Euro zwangsversteigert. Den Zuschlag erhielt eine Familie aus Meinerzhagen. Diese verkauft es nach Sanierung und Einbau einer neuen Ölheizung 2014 für 154 000 Euro an die Familie Schenk. Diese stellte schnell nach dem Einzug einen Schimmelbefall fest, gab allein etwa 30 000 Euro für die Beseitigung dieses Problems aus, nachdem auch ein Gutachter den Schimmelbefall bestätigt hatte. Deshalb klagten die Schenks 2016 beim Landgericht Arnsberg gegen den Verkäufer, um den Kauf rückgängig zu machen. Streitwert der Immobilie waren seinerzeit 193 000 Euro. Die Schenks scheiterten mit ihrer Klage und begannen das Haus weiter zu sanieren. Parallel lief jedoch der Einspruchsprozess gegen das Landgericht-Urteil vor dem Oberlandesgericht Hamm. Und hier wurde zugunsten von Elke und Bianca Schenk entschieden. Die Verkäuferin bot daraufhin die Rückzahlung des Kaufpreises an. Daran hatten die Schenks nun jedoch kein Interesse mehr, nachdem sie massiv in das Haus investiert und dieses eine deutliche Wertsteigerung erfahren hatte. Weil der Deal nicht zustande kam, klagt nun die Verkäuferin auf Rückgabe der Immobilie.

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