Schilderungen des Jungen sind glaubhaft

BALVE/HAGEN ▪ Am sechsten Verhandlungstag des Missbrauchsfalls in einem Iserlohner Fußballverein standen am Donnerstag sowohl der Lebenslauf des angeklagten Balvers, als auch Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten und zur Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers im Mittelpunkt.

So wurde der 47-Jährige Balver mit Verurteilungen aus seiner Vergangenheit konfrontiert und bekam Gelegenheit zur Stellungnahme. 1988 war er erstmals wegen sexueller Nötigung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Damals hatte er einen 17-jährigen Tramper mitgenommen und an einem abgelegenen Ort angefasst und zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Im Jahr 2003 folgte dann der nächste Vorwurf in diese Richtung. Dieses Mal hatte er einen 14-jährigen Jungen im Schwimmbad zunächst umarmt und dann mit Duschgel eingerieben. Auch hier lautete die Strafe sechs Monate Haft auf Bewährung.

Der Angeklagte gab auf Nachfrage hin an, sich nicht mehr an den Anhalter erinnern zu können: „Das ist so lange her“, so der 47-Jährige. Was den Vorfall im Schwimmbad betraf, so erklärte er, dass das mit Einverständnis des Jungen geschehen sei. Der habe nämlich ihn angemacht und hinterher nicht die Wahrheit erzählt.

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Bezüglich seiner sexuellen Vorlieben gab der Balver an, keine homosexuellen Kontakte oder Neigungen zu haben. Das wiederum klang am Donnerstag nach den Ausführungen des psychiatrischen Gutachters Prof. Dr. Ulrich Trenckmann etwas anders. Er ging bei dem Angeklagten von einer so genannten Ephebophilie aus. Darunter ist die erotisch-sexuelle Neigung zu Jünglingen zu verstehen. Seiner Meinung nach scheint sich der 47-Jährige in sexueller Hinsicht zu pubertierenden, männlichen Jugendlichen hingezogen zu fühlen. Auch habe er den Eindruck, dass der Angeklagte in der Erwachsenenwelt nicht gut zurecht komme. Hinweise auf eine psychische Erkrankung sehe der Experte bei dem Mann nicht. Damit gebe es für ihn auch keinerlei Hinweise auf eine verminderte oder gar aufgehobene Schuldfähigkeit. Trotzdem hält er eine Persönlichkeitstherapie beim Angeklagten für sinnvoll.

Ein weiteres Gutachten einer Diplompsychologin sollte Aufschluss über die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers bringen. Die Sachverständige bezeichnete die Aussagen des Jungen als „anschaulich und nachvollziehbar“. Der heute 17-Jährige schildere viele Details und erwähne dabei auch immer wieder seine eigene Beteiligung. Bezüglich der Vorwürfe gab sie an: „Es ist glaubhaft, dass es sexuelle Kontakte zwischen dem Angeklagten und dem Jungen gab.“

Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt. Dann soll es die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger geben. Noch offen ist, ob es dann auch schon zu einem Urteil kommen wird. ▪ jape

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