Ausstieg aus bürgerlichen Berufsleben

"Sauerland Impressionen": Bildbuch aus Liebe zu Garbeck

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Ilse und Ulrich Straeter haben das Bilderbuch "Sauerland Impressionen" herausgebracht.

Garbeck - Ein verfallenes Haus, Leidenschaft für Kunst und Liebe zum Sauerland: Bester Stoff für ein Buch, für das Garbeck zentraler Ausgangspunkt war.

„Zweite Heimat“ nennen Ilse (72) und Ulrich (78) Straeter ihr altes Haus, Garbeck und das Hönnetal. Dieses alte Haus an der Märkischen Straße 24 war eigentlich schon dem Untergang geweiht, als es den beiden angeboten wurde. 1974 war das. Eigentlich suchten das Ehepaar, das in Essen lebt, nur eine Ferienwohnung im Sauerland. 

Doch es kam anders, wie die beiden im Vorwort ihres neuen Bildbüchleins „Sauerland-Impressionen“ schreiben: „Ein Zufall führte dazu, dass wir in Garbeck ein abbruchreifes Haus erwerben konnten, das wir nach und nach renovierten. 

Das Haus liegt nicht im Wald oder am Waldrand, wie wir es uns zunächst naiverweise vorgestellt hatten. Es befindet sich mitten im Dorf und ist durch Farben und Bepflanzung des kleinen Gartens zu einem verwunschenen Ort geworden.“ 

Die frühere Gaststätte Priggel hat Ilse Straeter gemalt.

Aus ersten Spaziergängen wurden Wanderungen in der Umgebung. Die Eindrücke dieser Touren verarbeitete das Ehepaar Straeter künstlerisch. Ilse Straeter ist gelernte Grafikerin und Designerin. 

Der Wunsch, bildnerisch tätig zu werden, liegt in ihrer Familie. Ihr Vater „war Bergmann und hat es nicht geschafft, das zu tun, was er gerne gemacht hätte: malen.“ 

Vom Oberinspektor zum Poeten

Den Mut, aus einem unbefriedigenden Job auszusteigen, hatte Ulrich Straeter: Er machte Platz für einen neuen Oberinspektor beim Hauptzollamt in Essen und begann mit 40 Jahren ein Studium der Germanistik und Geschichte. „Literatur hat mich immer schon interessiert“, sagt er, während er in dem lauschigen Garten vor dem alten Haus in Garbeck sitzt. 

Dennoch dauerte es lange bis zu seinen ersten Schreibversuchen: „Das hätte ich in der Schule nie geglaubt, dass ich mal ein Gedicht schreiben würde.“ Der von Günter Wallraff gegründete Werkkreis „Literatur der Arbeitswelt“ half ihm mit Ideen und kritischer Begleitung. 

Er habe dort die geballte Kraft der anderen kennengelernt, erinnert sich Ulrich Straeter. „Man musste lernen, mit der Kritik umzugehen.“ Das gelang ihm, und so entstanden erste Glossen und kleine, unterhaltsame Texte für eine Gewerkschaftszeitung. 

Ilse Straeter in ihrem Atelier.

Der Ausstieg aus den Zwängen des bürgerlichen Berufslebens eröffnete auch Raum und Zeit für eine einjährige Fahrrad- und Campingbustour entlang der Westküsten von Dänemark bis nach Portugal und zurück. 

Für die „Sauerland-Impressionen“ bündelten die bildende Künstlerin und der Dichter ihre Kompetenzen: Gedichte und in Aquarellen und Gouachen festgehaltene Landschaften rund um Garbeck stehen sich gegenüber. Das Werk beginnt an der Märkischen Straße in Garbeck – mit dem Gedicht „Das alte Haus“. 

Kornblume: Mohn trifft Flasche Korn

Ilse Straeter lieferte das Bild dazu: Durch ein Fenster mit knallroten Rahmen schaut der Betrachter in den üppig blühenden Garten des „Sommerhauses“. 

Die nächste Station ist die ehemalige Gaststätte „Priggel“ in unmittelbarer Nähe. „Biergartenfreunde – Schaumkronen zittern im Wind – frisch gezapftes Pils!“ So schreibt Ulrich Straeter. Weiter geht es über die „Dorf-Dächer“ in die freie Natur. Bildtitel wie „Höveringhausen“, „Goldener Herbst / Garbeck“, „Junge Hönne“ und „Garbeck / Schnee“ machen den engen Bezug zur Umgebung deutlich. 

Doch manchmal kommt auch der Schalk der beiden Künstler durch: „Korn-Blumen“ nannte Ilse Straeter ein Bild, auf dem eine Mohnblume und eine Flasche Korn zu sehen sind. 

Ulrich Straeter nimmt daneben liegendes „Doppeltgebackenes“ in seinem Gedicht auf: „Wo Korn und Hefe sich vermischen – uns die Düfte der Ähren umwehen – Sonne mit der Birke Schatten – auf der Tischdecke spielt – wird das tägliche Brot zur Götterspeise“.

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