Sanierungskonzept soll Flickschusterei beenden

Schlaglochpisten machen es den Autofahrern in Balve schwer. Jetzt will die Stadt ein Straßensanierungskonzept erstellen.

BALVE -  Als „Flickschusterei“ hat Bürgermeister Hubertus Mühling am Dienstag die Bemühungen der Stadt Balve zur Straßenunterhaltung bezeichnet. Während der Sondersitzung des Ausschusses Umwelt, Planung, Bau verwies das Stadtoberhaupt auf die Nachbarstadt Neuenrade: „Die macht uns vor, wie es geht.“ In Neuenrade werden Kredite aufgenommen, um Gemeindestraßen wieder befahrbar zu machen.

Von Carla Witt

Hartmut Scharf von der Bauverwaltung hatte eine umfassende Präsentation für die Lokalpolitiker vorbereitet. Insgesamt müssten 60 Kilometer Stadtstraßen, 69 Kilometer Gehweganlagen sowie 49 Kilometer Wirtschaftswege unterhalten werden, berichtete Scharf. Er stellte eine Berechnung der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen vor und leitete daraus ab, dass Balve theoretisch jährlich rund 584 000 Euro in Unterhaltungsmaßnahmen investieren müsse. „Doch die Realität sieht natürlich ganz anders aus“, betonte Scharf. So seien beispielsweise im Jahr 2011 insgesamt 256 000 Euro, im vergangenen Jahr 106 000 Euro ausgegeben worden. „Wir haben unser Soll also zwischen 20 und 40 Prozent erfüllt“, stellte der Verwaltungsmitarbeiter fest – und betonte: „Jeder kann sich also denken, dass Substanzverluste zu befürchten sind.“

Demgegenüber stehe ganz klar die Forderung der Gemeindeprüfungsanstalt, eben solche Substanzverluste zu vermeiden. Bereits in Auftrag gegeben sei deshalb die Sanierung von Rissen im Heißgußverfahren auf einer Länge von insgesamt 1,5 Kilometern. „Das betrifft verschiedene Straßen im Stadtgebiet“, erklärte Scharf und nannte einige Beispiele: Gehringer Schlade und Zum Ossenkamp in Garbeck, Nikolausstraße in Beckum, Kiefernweg in Eisborn. Auch die Verbesserung des Zustandes der Frühlinghauser Straße durch die Anwendung des so genannten Naht-Remix-Verfahrens sei bereits beauftragt.

Eine neue Oberfläche solle die Straße Am Spring in Eisborn erhalten. „Die Arbeiten werden noch vor der 750-Jahr-Feier beendet sein“, sagt Scharf im Gespräch mit unserer Zeitung. In Eisborn würden dünne Asphaltdeckschichten in Kaltbauweise (DSK-Verfahren) aufgebracht. Dieses Verfahren könne aber nur dann angewandt werden, wenn die Schäden frühzeitig erkannt würden. Gegenüber einer Deckensanierung seien die Kosten um die Hälfte geringer. Eine Verbesserung könne abhängig vom Schadensbild für etwa fünf bis zehn Jahre erzielt werden.

Ursprünglich sei geplant gewesen, zahlreiche Straßen, beispielsweise die Tannenstraße in Garbeck, die Schützenstraße in Eisborn, den Hangweg in Langenholthausen oder das Schnitthölzchen in Balve im DSK-Verfahren zu sanieren. Doch der Winter habe diese Pläne durchkreuzt. „Die Schäden sind jetzt zu massiv“, stellte Scharf fest und nannte noch viele weitere Straßen, die einen großen Sanierungsbedarf aufweisen.

„Das schreit für mich nach einem Sanierungskonzept“, betonte Cay Schmidt. „Wir hinken bezüglich der Straßensanierung nur hinterher und arbeiten nicht präventiv“, stellte der Ortsvereinsvorsitzender der Balver SPD weiter fest. „Das trifft den Nagel auf den Kopf“, bestätigte Bürgermeister Mühling. Die Verwaltung werde bis zu den Haushaltsplanberatungen im Spätherbst ein Sanierungskonzept erstellen, sicherte Mühling zu.

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