Sänger bringen am letzten und ersten Tag des Jahres Grüße

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Die Neujahrssänger in Mellen werden freundlich empfangen. Die Sänger sind in zwei Gruppen im Dorf unterwegs, um an allen Türen klingeln zu können.

Volkringhausen / Mellen - In den letzten Stunden des alten Jahres stehen für die Aktiven des Männergesangvereins Cäcilia aus Volkringhausen auch stets die letzten Auftritte des Jahres an. In Mellen sind die Neujahrssänger unterwegs.

Traditionell startet das Silvestersingen am Dom – wie die St. Michael-Kapelle auch genannt wird. Ab hier teilen sich die Sänger in Gruppen auf, um in den Straßen zu verkünden: „Des Jahres letztes Stunde ist gekommen.“ Mit diesem Klassiker werden die Volkringhausener seit vielen Jahren erfreut.

Zur Tradition gehört auch, den Ortsvorsteher und Bürgermeister mit vierstimmigem Chorgesang zu begrüßen. Diesmal wurde das „Elternhaus“ gesungen. Alle Sänger kamen auch wieder in den Gasthöfen Recke und zum Abschluss bei Diepes zusammen. Für die Gäste ist es immer ein besonderes Ereignis, beim Einstieg in den Silvesterabend mit einem Lied unterhalten zu werden.

Drei Stunden dauert dieses Singen, das schon von den Großvätern der jetzigen „Meistersänger“ alljährlich durchgeführt wurde. Gerne führen sie diese Tradition weiter fort, zu der auch gehört, dass die Aktiven vor einigen Häusern einen guten Schluck serviert bekommen. Mit einem „Guten Rutsch“ verabschiedeten sich die Chormitglieder, die sich bereits am Samstag, 7. Januar, um 19.30 Uhr in der kleinen Schützenhalle zur Jahreshauptversammlung wieder treffen.

Der Neujahrsgruß in Mellen ist nicht lang, und leicht zu erlernen: „Herren und Damen in diesem Haus. Wir wünschen Euch, Euch wünschen wir ein glückseliges neues Jahr.“ Unzählige Male wurden diese Zeilen am Sonntag gesungen – in den Straßen des etwa 600 Einwohner zählenden Dorfes, aber auch vor jeder Haustür. „Es ist eine Tradition, die aufrecht erhalten wird“, sagte Daniel Schulze-Tertilt.

Er ist einer von 20 jungen Männern, die sich zur Mittagszeit vor dem Landmarkt trafen, um sich auf diesen Gruß vorzubereiten. Dass nur männliche Dorfbewohner daran teilnehmen können, gehört zur mehr als 70-jährigen Tradition an jedem Neujahrsmorgen.

In zwei Gruppen machen sie sich die Sänger auf den langen Weg, um an jeder Haustür zu klingeln, zu singen und dafür Geld oder Sachspenden zu erhalten. Dafür schreiben die Männer über jede Haustür mit Kreide die jeweilige Jahreszahl.

Jonas, 17 Jahre, war am Neujahrstag zum ersten Mal dabei. Für den Auszubildenden sei die Teilnahme, wie schon für seinen Großvater, eine Ehrensache. Die Sänger sollten schon ein gewisses Mindestalter mitbringen, geht es doch nicht bierernst, dafür aber mit viel Bier zur Sache. Vor dem Landmarkt sorgte Pächter Christian Eisenberg zu Beginn dafür, dass die Stimmen gut geölt wurden.

Dass die Männer ihre Sache gut machten, zeigte sich schon bei den ersten Hausbesuchen, wo sie herzlich empfangen wurden. Beim Schützenkönigspaar Adrian Wagner und Susanne Kubat war es in der Hütte beim Pool so gemütlich, dass die Gruppe sogar ein wenig länger verweilte. Aber auch dort galt irgendwann: „Wir müssen weiter.“ Denn kein Mellener sollte auf den Besuch der Sänger am ersten Tag des neuen Jahres vergeblich warten.

Kurz vor dem Ende des Dorfrundgang trafen sich beide Gruppen wieder bei Alfons und Renate Dittrich, die ihrerseits eine Tradition pflegen und allen Neujahrssängern einen Sekt servieren. Zum Abschluss kamen dann alle wieder im Landmarkt zusammen, wo bereits Schweinemedaillons und Schnitzel warteten. Darin, sowie in Bier, werden auch die Geldspenden investiert.

„Alle halten bis zum Ende durch“, sagte Daniel Schulze-Tertilt – und das bedeutete, dass es auch in diesem Jahr wieder 21 Uhr wurde, als das letzte Haus besucht wurde.

Von Julius Kolossa

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