„Runder Tisch“ unterwegs

BALVE ▪ Stolz führte Dieter Schweitzer den „Runden Tisch“ mit den Vertretern der Kreisverwaltung und des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Märkischer Kreis in seinen – sich gerade im Bau befindlichen – neuen Kuhstall. Insgesamt 130 Tiere sollen dort Platz finden. Von Jana Peuckert

Einmal im Jahr trifft sich der „Runde Tisch“, um über aktuelle Probleme und Themen in der Landwirtschaft zu diskutieren. Erstmals verschlug es die Mitglieder nun direkt an die Orte des Geschehens. Neben Grünlandflächen in Wiblingwerde und einer Mastschweinanlage in Neuenrade steuerte die Gruppe auch zwei landwirtschaftliche Betriebe in Leveringhausen an.

Zunächst verschlug es den „Runden Tisch“ in den Betrieb von Dieter Schweitzer. Dort standen die Themen Milchviehhaltung, Stallneubau und Direktvermarktung im Mittelpunkt. 100 Hektar Grünland, neun Hektar Ackerland, drei Hektar Wald, 98 Kühe, 70 Jungrinder weiblicher Nachzucht und 50 männliche Jungrinder nennt der Landwirt sein Eigen. Schweitzer bewirtschaftet den Hof mit seiner Frau Gabriele und Sohn Dieter.

Gegenüber den Mitgliedern des „Runden Tisches“ brachte der Landwirt unter anderem zur Sprache, dass er von Tierschützern immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert werde, weil er die Kälber sofort nach der Geburt von der Mutterkuh trenne. „Aus hygienischen Gründen ist es nicht möglich, die Kälber bei der Mutter zu lassen“, erklärte Schweitzer. Jeden zweiten Tag werde die Milch abgeholt und unterliege strengen Kontrollen. Er könne es sich nicht leisten, zu riskieren, dass die Milch mit Keimen durch das Säugen der Kälber verunreinigt werde. Amtstierarzt Dr. Dieter Sinn stellte fest: „Wir halten Kühe, um Milch zu gewinnen.“

Nach einem Abstecher in die Wurstmacherei, in der Produkte aus Ochsenfleisch entstehen und verkauft werden, präsentierte Schweitzer den Besuchern den Rohbau seines neuen Kuhstalls mit Melkstand, an dem 20 Kühe gleichzeitig gemolken werden können. „Das ist das Werk meines Sohnes. Er steckt viel Arbeit in den Bau des Stalls“, so Schweitzer.

Nach Diskusionen über den Ablauf der Melkvorgänge machte sich die Gruppe zum Hof von Hubertus und Birgit Schulte auf, um sich ein Bild davon zu machen, wie das Zusammenspiel von Landwirtschaft und Tourismus funktioniert. Das Ehepaar betreibt eine Pension und bietet Ferien auf dem Bauernhof an.

Neben Urlaubsgästen finden sich immer wieder Schulklassen aus dem Rheinland oder dem Ruhrgebiet ein, um eine Prise Landluft zu schnuppern, Reitausflüge zu unternehmen oder auf Tuchfühlung mit den Tieren zu gehen. Hubertus Schulte berichtete von den verheerenden Schäden, die er durch Kyrill erlitten hatte: „Insgesamt 90 Prozent unseres Waldbestandes sind Kyrill zum Opfer gefallen. Bis jetzt haben wir 50 Prozent des Schadens wieder aufgeforstet.“ Dann machte er seinem Ärger über Schwierigkeiten bezüglich Ausbauten seines Guts Luft. Ihm seien einige Vorhaben nicht gestattet worden, andere Genehmigungen hätten lange auf sich warten lassen.

Am Ende der Rundfahrt zogen die Mitglieder des „Runden Tisches“ ein positives Fazit: „Es war sehr aufschlussreich“, erklärte Günter Buttinghoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands.

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