Die Auswirkungen der Flut

Rund 500 Kilogramm durchnässte Dokumente gerettet: Das Balver Pfarrarchiv kehrt zurück

Etwa 45 Zentimeter hoch stand das Wasser im Balver Pfarrarchiv, wie Rudolf Rath mit einem Zollstock zeigt.
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Etwa 45 Zentimeter hoch stand das Wasser im Balver Pfarrarchiv, wie Rudolf Rath mit einem Zollstock zeigt.

Pfarrarchivar Rudolf Rath hat noch immer mit den Folgen des Unwetters vom 14. Juli zu tun: An diesem Tag flüchtete Rath durch ein Fenster aus dem Pfarrarchiv St. Blasius an der Alten Hospitalgasse, in das von zwei Seiten das Wasser eindrang.

Bis zuletzt hatte er Ordner und Aktenbände, die in Bodennähe gelagert waren, versucht in Sicherheit zu bringen. Und doch waren es am Ende rund 500 Kilogramm an durchnässten Dokumenten.

Diese wurden ins Archivamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe gebracht. Dort wurden die Dokumente zunächst eingefroren, um ihnen dann in einer sogenannten Vakuum-Gefriertrocknungsanlage die Feuchtigkeit zu entziehen. So konnten viele Dokumente gerettet werden. „Aus Münster werden am Donnerstag von unserem Küster Ralf Schlotmann alle unsere Dokumente in 150 Körben abgeholt und zurück ins Pfarrarchiv gebracht“, sagt Rath, der diese Exponate anschließend zunächst sichten wird. „Die sind zwar trocken, aber nicht sauber – und jetzt geht es daran, alles auszusortieren, was noch zu retten ist.“ Das Fotoarchiv gehört dazu, aber auch viele Dokumente in Aktenordnern und Mappen, in denen Protokolle, Berichte und Rechnungen einsortiert waren. „Da kommt noch viel Arbeit auf mich zu“, weiß Rath.

Wände abgebürstet und Boden gereinigt

Nachdem das Hochwasser abgeflossen war, hatten Rath rund zehn Personen um Dechant Andreas Schulte bei den ersten Aufräumarbeiten geholfen. „In der vergangenen Woche fand noch eine Großreinigung statt, bei der die Wände abgebürstet und der Boden gesäubert wurde“, sagte der Pfarrarchivpfleger.

Durch dieses Fenster flüchtete Rudolf Rath, als am 14. Juli das Wasser kam.

Beheizt wird das Gebäude mit einem elektronischen Gebläse seine Arbeit. „Sonst wäre es bitterkalt. Denn die Heizung funktioniert zwölf Wochen nach dem Hochwasser noch immer nicht“, sagt Rath.

Ideale Arbeitsbedingungen sehen anders aus. Dennoch sitzt Rudolf Rath von montags bis freitags im Pfarrarchiv, arbeitet die Folgen der Flut auf, sichtet E-Mails und nimmt Anfragen entgegen. „Es werden allerdings weniger Anfragen: Fünf Leute kommen im Schnitt in der Woche, um Nachlässe bei mir abzugeben – vor der Corona-Pandemie waren es bis zu drei Leute am Tag“, hat er festgestellt. Raths Dienst-PC läuft, so dass er sein Archivierungsprogramm nutzen kann. Er weiß um den Standort jedes Buches. Zwei neue Bücher kamen kürzlich dazu: Zwei Familien aus Balve baten Rath darum, ihre Nachlässe nach für das Pfarrarchiv wichtigen Büchern zu sichten. Tatsächlich wurde er fündig bei einem 1949 von Theodor Pröpper herausgegebenen Werk „Franz Hoffmeister“ über den Gründer des Sauerländer Heimatbundes. „Und auch ein Orgelbuch habe ich wieder im Archiv“, sagt Rath erfreut. Dieses 1950 von Theodor Pröpper für die Erzdiözese Paderborn für die Liedbegleitung in Messen und Andachten geschriebene Werk lag seinerzeit in allen Kirchen und Kapellen aus. Eines davon gab es schon mal im Pfarrarchiv, ging aber mit einem Organisten auf die Weiterreise, nachdem dieser seinen Dienst in Balve quittiert hatte.

Zwölf Wochen nach dem Juli-Unwetter gibt es für Pfarrarchivpfleger Rudolf Rath noch immer viel zu tun. Zum Bestand des Archivs gehört jetzt auch wieder ein Orgelbuch aus dem Jahr 1950, das Rath aus einem Familiennachlass bekam.

Umzug ins neue Pfarrheim im Jahr 2022

Im Laufe des kommenden Jahres dürften sich Raths Arbeitsbedingungen deutlich verbessern. Sobald das neue Pfarrheim am Dechant-Löcker-Weg steht, wird auch das Pfarrarchiv dorthin umziehen. Auf dann 40 Quadratmetern wird das Magazin mit Rollschränken und einem Arbeitsbereich untergebracht. „Und das alles fachgerecht mit entsprechender Beleuchtung und Belüftung.“ Rath kann diesen Umzug kaum noch, denn nach dem Wassereinbruch Mitte Juli riecht es muffig in dem Übergangsquartier und die Spuren des Wassers sind an vielen Stellen nach wie vor deutlich zu sehen. Bis zum Umzug müsse die Arbeit zwar weitergehen, sagt Rath: „Aber ich bin froh, dass ich irgendwann hier weg bin.“

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