Rudolf Rath hat ein „Außenarchiv“ geschaffen

Rudolf Rath zeigt eine Figur, die entweder Pfarrer Wilhelm Boeddicker oder seinen Bruder Pfarrer Emil Boeddicker darstellen könnte.

Balve -  Das „Außenarchiv“ der St. Blasius-Gemeinde kann sich sehen lassen. Pfarrarchivar Rudolf Rath hat vor zwei Jahren aus einer Abstellkammer zum Durchgang zur Orgelbühne ein Depot gemacht. „Sämtliche Exponate sind auch in meinem elektronischen Findbuch“, verweist er auf modernste Technik, die im Pfarrarchiv den Zugriff erleichtert.

Zunächst fällt der Blick des Depot-Besuchers auf die Kreuzigungsgruppe. „2,30 Meter hoch und 1,50 Meter breit“, weiß Rath, der sie aus dem ehemaligen St. Marien-Hospital in die Pfarrkirche gerettet hat. Auch der Altar und Altargeschirr sowie Gewänder sind hier gelagert.

Der Balver öffnet einen großen Schrank, der Messgewändern und Chormänteln vorbehalten ist. „Hier hängen auch diejenigen, die keinen Platz mehr in unserer Sakristei finden“, sagt er. Rath verweist im weiteren Verlauf des Rundgangs auf viele große und kleine Dinge: die zwölf Stationen des Kreuzwegs gehören ebenso dazu wie das Ensemble für die Erteilung des Sterbesakraments, oder aber alte Beichtstühle.

Platzsparend ermöglichen sie dem Büßer, dem Priester seine Sünden zu gestehen, und dies nur durch ein Holzgitter getrennt. „Diese Stühle waren Ende des 19. Jahrhunderts noch im Einsatz“, weiß Rath. Alle Jahre wieder wird auch die Krippe über den Köpfen der Gemeinde aufbewahrt. Künstler Julius Mormann aus Wiedenbrück habe von 1942 bis 1965 im Auftrag von Pfarrer Wilhelm Boeddicker daran gearbeitet. Interessant dabei sei ein Hirte, der entweder Pfarrer Boeddicker oder aber seinen Bruder, Pfarrer Emil, darstellen könnte. Dieser hat 1934 das Schiebergkreuz eingeweiht. „Es gibt keine endgültige Antwort darauf“, stellt der Archivar fest.

Im Depot gibt es noch mehr zu entdecken, so eine Statue des Heiligen Jakobus. Auch hier weiß Rath über die Details zu berichten: Im 17. Jahrhundert in der Werkstatt ars colendi aus Eichenholz entstanden, lag die 66 Zentimeter große Figur jahrelang in einem Abstellraum. Nach der ersten Sichtung stellte sich heraus, dass die Figur an den Armen und im Fußbereich stark geschädigt, und für eine fachgerechte Restaurierung mehrere tausend Euro erforderlich seien. Der Kirchenvorstand habe sich bereits dafür ausgesprochen. Sicher sei, dass irgendwann der Jakobus einen Ehrenplatz im romanischen Kirchenteil erhalten solle.

Der Archivar weiß über jedes Teil etwas zu berichten, auch über den ehemaligen Barock-Haupt- und Seitenaltar aus den 1960-er Jahren zu Zeiten des Dechants Josef Löcker. Ein Geheimnis rankt sich um den Altar aus dem Krankenhaus: Unter der stilisierten Rose sollen sich Reliquien befinden und, so mutmaßte einst Pfarrer Ludwig Kinkel, ein Stein stamme aus der Klagemauer in Jerusalem. - jk

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