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Rote Karte für die WM in Katar: So positionieren sich heimische Vereine

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Von: Julius Kolossa

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Vor der Fußball-WM in Katar
„Germany Fans“ machen Stimmung in Kater – unter den Schlachtenbummlern sollen auch sehr viele gemietete Fans sein, Claquere für Stimmung sorgen. © Hassan Ammar

Noch nie war die Begeisterung für eine Fußball-Weltmeisterschaft so gering wie für die bevorstehende in Katar. Vom 21. November bis 18. Dezember treffen dort die Teams aufeinander. Über die Ausrichtung des Großevents in Katar wird aus verschiedenen Gründen öffentlich kräftig diskutiert.

Balve/Katar – Größere Live-Übertragungen im Sinne eines Public Viewings wird es in Balve nicht geben. Die Schützenbrüder aus Balve und Garbeck, die in ihren „Wohnzimmern“ in der Höhle oder der Schützenhalle sonst zum gemeinsamen Fußballgucken der WM- und auch EM-Spiele einluden, zeigen dieser WM in Katar die Rote Karte. „Wir bieten bei uns nichts an“, sagte Christoph Rapp, Vorsitzender der Balver Schützen.

Diese Entscheidung sei gemeinsam im Vorstand getroffen worden. Und Martin Vielhaber, Garbecker Schützenvorsitzender: „Auch wir stehen nicht dahinter. Außerdem ist uns der Aufwand zu groß, stünde uns die Halle doch erst nach dem zweiten Festival der Liebe nach dem 26. November zur Verfügung, so dass wir kürzester Zeit umbauen müssten.“

Damit wäre dann sowieso das erste Spiel der Gruppe E bereits am 23. November gegen Japan über die Bühne gegangen, ohne dass in Garbeck ein Public Viewing stattfinden könnte. Die Spiele der Gruppe E mit deutscher Beteiligung finden statt am 23. November gegen Japan, am 27. November gegen Spanien und am 1. Dezember, gegen Costa Rica. Die Schützenhalle ist am 23. November jedoch noch voll und ganz im „Black & White“-Motto für den zweiten Teil des FdL gehalten.

Christopher Haarmann vom Fanclub 09 Borussen Dortmund, bringt die Meinung der Schwarz-Gelben zur Fußball WM auf den Punkt: „Man sollte die Zeit besser nutzen: lieber ein Amateurspiel hier vor Ort unterstützen und eine Stadion-Bratwurst kaufen, oder einen Glühwein bei Veranstaltungen trinken, als sich die Spiele in Katar ansehen. Ich jedenfalls werde mir keine Zeit für eins der WM-Spiele freischaufeln.“

Haarmann ist gespannt, wie die Stimmung während der Weltmeisterschaft sein wird: „Allerdings ist keine so große Fußballbegeisterung wie bei vergangenen Weltmeisterschaften spürbar.“

Aus fußballerischer Sicht stellt Haarmann dar, dass das Team um Trainer Hansi Flick wohl die Gruppenrunde überstehen werde, und sich auch durch das Achtelfinale kämpfe. Im Viertelfinale werde aber wohl Endstation sein, prognostiziert er, weil die Mannschaft seiner Meinung nach nicht eingespielt genug sei.

Wieder mit Blick auf den Austragungsort Katar meint er: „Der Fußball wird instrumentalisiert, damit das Gastgeberland nach Außen ein gutes Bild von sich abgeben kann.“ Daumen runter zeigt er im Zusammenhang mit dem damaligen Vergabeverfahren, der Verlegung vom Sommer in den Winter und der aktuellen Menschenrechtssituation vor Ort. Außerdem erwähnt er: „Es ist eine immense Verschwendung von Energie. Man baut Stadien, die nach der WM nie wieder genutzt werden.“

Unsere Zeitung fragte auch nach bei den anderen heimischen Fanclubs für den FC Bayern München und den „Dreikönigsblauen Mythos“, den FC Schalke 04, sodass sich ein buntes Stimmungsbild ergab. Michael Neuhaus vom FC Bayern-Fanclub: „Bleiben wir rein sportlich, denn politisch möchte ich mich dazu gar nicht äußern. Und jetzt kurz vor Beginn haben wir immer noch genügend Persönlichkeiten, die dazu Stellung nehmen.“

Neuhaus sieht das Team vor schweren Herausforderungen bereits in der Gruppenphase. „Es wird bereits im ersten Spiel richtig schwer. Die Japaner haben eine Mannschaft mit vielen starken Spielern in diesem Jahr. Aber direkt dann wird sich zeigen ob Hansi Flick es schafft mit der sehr kurzen Vorbereitungszeit die Jungs auf den Punkt zu bringen und einen verschworenen Haufen zu formen.“

Gegen die Spanier setzt Neuhaus auf ein „sehr intensives und vielleicht schon vorentscheidendes Spiel“. Und gegen Costa Rica muss dann die Mannschaft „einfach abliefern“. Ab dem Achtelfinale sei dann alles möglich. Der Bayern-Fanclub-Vorsitzende meint zur WM, dass diese für ein paar Wochen etwas ablenkt von den ganzen Problemen auf der Welt.

„Nachrichten zu schauen wird jedenfalls nicht schöner. Von daher wünsche ich uns allen eine tolle und spannende WM zu dieser ungewöhnlichen Jahreszeit mit einem anschließenden besinnlichen und friedlichen Weihnachtfest.“ Von den Bayern-Fans sei kein Rudelgucken vorgesehen.

So ist es auch beim „Dreikönigsblauen Mythos“, den Fans des FC Schalke 04. Kassenwart Ralf Collard, stellte ein Meinungsbild dieses Clubs zusammen, dessen Mitglieder nicht an clubeigenen Terminen die WM hochleben lassen wollen. „Eine WM im Winter nur aus finanziellen Gründen stattfinden zu lassen, ist recht befremdlich. Ich werde mir nicht den Wecker danach stellen und in der Vorweihnachtszeit habe ich eh mit Weihnachtsfeiern genug Termine“, heißt es von Collard.

Ein anderer Schalke-Fan ergänzt: „Für Moralsucht ist es jetzt zu spät. Wer in Katar die DFB-Elf nicht spielen lassen oder nicht spielen sehen will, der hätte verhindern müssen, dass die WM überhaupt nach Katar bekommt. Denn jeder wusste (oder konnte wissen), wie es in diesem Land zugeht. Aber ein Nein war entweder nicht gewollt – oder die Kraft hat nicht gereicht. Mit Moral und einem Boykott lässt sich das jetzt nicht mehr kompensieren.

Ich werde die Spiele, die mich interessieren, im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten jedenfalls anschauen.“ Und eine weitere Meinung dazu: „Diese ganze Diskussion kommt einige Jahre zu spät. Die WM hätte wenn dann gar nicht in diese Richtung vergeben werden dürfen. Aber das liebe Geld hat mal wieder gesiegt. Trotzdem sehe ich keinen Grund, mir jetzt die Spiele nicht anzusehen.“

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