Er schwärmt für die Luisenhütte

„So richtig privat ist man nie“ - Porträt des Bürgermeister-Kandidaten Hubertus Mühling (CDU)

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Einer der Lieblingsorte von Hubertus Mühling ist die Luisenhütte: „Hier hat man das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen.“

Balve – Zweiter Weihnachtsfeiertag: Familienzeit, Zeit zum Durchatmen und Krafttanken – auch bei Familie Mühling in Volkringhausen. Es klingelt. Ein Balver steht vor der Tür des Bürgermeisters, er möchte allerdings keine Weihnachtsgrüße übermitteln, er will ein Ausweisdokument haben.

„Er berichtete, sein Pass sei abgelaufen und er wolle spontan in den Urlaub fahren. Und als Bürgermeister müsse ich ihm doch helfen können“, erinnert sich Hubertus Mühling an diese Situation. Er habe sie mit Humor genommen, dem Balver klar gemacht, dass er keine Passdruckerei im Keller betreibe – und seinem Wunsch auch nicht „mal eben“ im Rathaus nachkommen könne.

„Das hat er dann auch verstanden.“ So unkonventionell die Idee des Reisewilligen auch erscheinen mag – sie spiegelt eines wider: Der Bürgermeister einer ländlichen Kleinstadt im Sauerland kann sich nicht darauf verlassen, dass seine Privatsphäre geachtet wird. Und sie macht deutlich, dass Hubertus Mühling von vielen als „der Kümmerer“ gesehen wird. Sicher auch, weil er sich den Schuh gerne selbst anzieht, wie er augenzwinkernd bestätigt: „Ich kümmere mich auch um die letzte Zaunlatte in Balve.“

Auch deshalb sieht er weiterhin in der Hönnestadt seinen Platz. Ambitionen, ein politisches Amt etwa auf Kreisebene zu bekleiden, habe er nie gehabt. „Das Balver Modell – überall mit einem Ohr zuzuhören und bei Bedarf auch mal nachzuhaken – das würde in einer großen Verwaltung einfach nicht funktionieren.“

Das ist natürlich nicht der einzige Grund, warum sich der 55-Jährige nach 16 Jahren an der Spitze der Verwaltung noch einmal für die Balver zur Wahl stellt: „Es macht mir einfach total Spaß“, sagt Mühling. Dabei sei er kein politischer Mensch. „Ich mache das ja auch für mich und meine Familie, denn wir leben schließlich hier“, erklärt der dreifache Familienvater.

Dass er einmal im Bürgermeisterzimmer landen würde, habe er sich zu Beginn dieses Jahrtausends noch nicht träumen lassen. Damals trat Hubertus Mühling seinen Posten als Werkleiter der Balver Stadtwerke an. Der damals amtierende Bürgermeister und vorherige Stadtdirektor Manfred Rotermund „hat mich dann zur Kandidatur bei der Kommunalwahl im Jahr 2004 überredet“. Seine Karriere bei der Stadt begann Mühling 1996 als Bauingenieur.

Zuvor hatte der Volkringhausener, der in Fröndenberg geboren wurde und die Balver Realschule besuchte, die Hönnestadt für eine Weile verlassen. Nach der Ausbildung zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer in Menden stand für Mühling der Wehrdienst an. Den jungen Mann zog es zur Marine. Auf dem Schulschiff „Deutschland“, dem motorisierten Pendant zur bekannten Gorch Fock, erlebte er zwei große Fahrten.

Während dieser Zeit habe er viel fürs Leben mitnehmen können. „Wenn man auf so engem Raum mit vielen anderen Menschen zusammen ist, dann lernt man, sich selbst zurückzunehmen.“ Kurzfristig dachte Mühling darüber nach, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten. „Aber ich hatte einem Freund versprochen, gemeinsam mit ihm zu studieren.“

Der Volkringhausener entschied sich für Kommunale Umwelttechnik, lebte und arbeitete mit seiner Frau Claudia, einer gebürtigen Neuenraderin, nach dem Studium einige Jahre im Raum Magdeburg: „Doch der Kontakt nach Balve ist nie abgerissen.“

Schließlich fanden die Mühlings – inzwischen war die erste Tochter geboren – den Weg zurück ins Sauerland. Hier fühle sich die Familie einfach wohl, stellt der CDU-Politiker fest. Und auch seine Privatsphäre sieht der Bürgermeister inzwischen deutlich besser gewahrt als zu Beginn seiner Amtszeit. „Es war schon ein Lernprozess, aber die Balver wissen, wo die Grenzen sind“, sagt Hubertus Mühling. Dennoch: „So richtig privat ist man nie“, erzählt das Oberhaupt der Hönnestadt – „weder beim Brötchenholen noch in der Schlange vor dem Geldautomaten.“

Das gehöre aber dazu, findet der Kommunalpolitiker: „Ich habe nie eine Bügermeister-Sprechstunde angeboten, weil ich immer für die Balver da bin.“ Diese Einstellung und die Tatsache, dass Mühling nicht nur Bürgermeister, sondern auch Bauamtsleiter und obendrein Leiter der Stadtwerke ist – „Viele sagen, es ist verrückt, dass Du das alles machst.“ –, bedingt wenig Freizeit.

Trotzdem treibt der Volkringhausener regelmäßig Sport – als Ausgleich und um sich fit zu halten. Drei Mal wöchentlich trifft er sich mit seinem Laufpartner, morgens um 6 Uhr. Eine halbe Stunde, fünf Kilometer, stehen dann auf dem Programm – bei jedem Wetter. „Das machen wir schon seit mehr als zehn Jahren“, erzählt der 55-Jährige. Das Laufen gehöre für ihn schon das ganze Leben dazu.

„Deshalb wollte ich auch unbedingt mal einen Marathon laufen, und zwar bevor ich 50 Jahre alt werde.“ Geklappt habe das vor fünf Jahren in Köln. Vereinssport komme für ihn leider nicht in Frage, bedauert Hubertus Mühling. „Das morgendliche Laufen ist für mich planbar. Sport am Abend nicht. Fixe Termine kann ich zu oft nicht einhalten. Damit habe ich schon ein paar Mal Schiffbruch erlitten“, erzählt der Bürgermeister von den Schattenseiten seines Amtes. Das gelte auch für VHS-Kurse, die er gerne belegen würde.

„Das funktioniert einfach nicht.“ Dagegen könne er Fahrradtouren mit der Familie spontan planen, ebenso wie Wanderungen. In weite Ferne zieht es Mühling dann aber nicht, auch nicht in der Ferienzeit. „Hier in Deutschland und Europa gibt es so viele tolle Ecken. Ich muss nicht nach Amerika fliegen“, gibt sich der Bürgermeister-Kandidat bodenständig.

Außerhalb der Familie seien ihm Treffen mit Freunden und Bekannten sehr wichtig. Greift der Volkringhausener zum Buch, entscheide er sich eher für Lektüre, die Hintergrundwissen vermittelt – „am liebsten historisch und dokumentarisch“. Die Biografien von Willy Brandt oder auch Winston Churchill etwa hätten ihn beeindruckt. Im Keller bewahrt der Rathaus-Chef eine stattliche Schallplattensammlung auf – und den dualen Schallplattenspieler.

„Den habe ich mir für 700 Mark von meinem ersten Lehrgeld gekauft“, schmunzelt Hubertus Mühling. Würde man die Vinyl-Scheiben abspielen, wären unter anderem Songs von Queen, Deep Purple und Pink Floyd zu hören. „Und von der Band Grobschnitt aus Hagen“, ergänzt Mühling mit einem schelmischen Lächeln – versichert aber, dass er auch ein großer Klassikfan sei.

„Entweder man mag klassische Musik oder eben nicht. Ich konnte mich schon immer dafür begeistern.“ Weniger melodisch sind die Motorengeräusche des Rasenmähers, den der Bürgermeister nach Möglichkeit selbst über das große Grundstück seines Wohnhauses in Volkringhausen schiebt: „Das mache ich einfach gerne“, versichert er. Doch nicht nur in seinem Garten kann der 55-Jährige entspannen.

Er schwärmt für die Luisenhütte. „Schon wenn man die Allee in Wocklum entlang fährt, hat man das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen.“ Es sei wichtig, Orte zu schaffen, an denen sich die Menschen in ihrer Heimat wirklich wohlfühlen. „Deshalb bin ich auch so stolz auf das Dorfentwicklungskonzept und das Stadtentwicklungskonzept, das wir auf den Weg bringen konnten. Es war und ist die Basis zum Erhalt vieler Fördergelder“, stellt Hubertus Mühling fest.

Gemeinsam habe der Rat diese wichtigen Dinge auf den Weg gebracht. Sachorientierte Politik sei in der Hönnestadt ohnehin die Regel. „Im Großen und Ganzen läuft es bei uns harmonisch ab.“ Auch das sei für ihn ein Grund, sich noch einmal um das Amt des Bürgermeisters zu bewerben. Seine „gute Truppe im Rathaus“ habe ihm die Entscheidung für eine erneute Kandidatur ebenfalls leicht gemacht.

„Was den Ausgang der Wahl angeht, bemühe ich mich, nicht mit allzu großen Erwartungen heranzugehen“, unterstreicht der Bürgermeister-Kandidat. Er ergänzt aber: „Natürlich würde ich mir wünschen, dass die Arbeit die ich bisher abgeliefert habe, von den Bürgern honoriert wird.“ Im Rahmen der Kommunalwahl 2014 konnte sich Mühling auf die Balver verlassen: Vor Sechs Jahren gaben 76,06 der Wähler – nur 0,22 Prozent weniger als 2009 – dem Amtsinhaber ihre Stimme.

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