Reger Andrang in Binolen

Mehr als 200 Fahrgäste nutzten anlässlich des Tages des offenen Denkmals die Möglichkeit mit einer Sonderfahrt ins Hönnetal zu reisen. Am Bahnhof in Binolen machten sie Station. - Foto: Kolossa

BINOLEN -   Das historische Stellwerk von 1912 und die Bahnhofshalle in Binolen standen im Mittelpunkt beim Tag des offenen Denkmals. Landesweit wurden Türen und Tore von Denkmälern für Besucher geöffnet, so auch im Binoler Bahnhof, zu dem wieder einmal der Schienenbus fuhr.

Hohe Einstiege, die Sitzbänke und vor allem das Öffnen der Türen durch festes Herunterdrücken des Knopfes – es war alles wie damals, als die roten Schienenbusse noch regelmäßig durch das Hönnetal fuhren. Mehr als 200 Fahrgäste machten sich damit von Unna aus auf eine Zeitreise bis nach Neuenrade und zurück, wozu auch eine Pause in Binolen gehörte.

Dabei erlebten sie den Luxus einer Toilette in jedem der vier Wagen – heutzutage bei Bahnfahrten nicht mehr selbstverständlich. „Der Förderverein Schienenbus hat 1996 vier Wagen von der Deutschen Bahn für 100 000 Mark gekauft“, erzählte Johannes Schmoll, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Hönnetal.

„Ausgemustert und schrottreif“, so beschreibt er den Zustand beim Erwerb dieses 1960 gebauten Schienenbusses. Viel Zeit, Arbeit und Geld wurde investiert, unter anderem in die Elektrik, eine Sprechanlage und den Luxus von Tischen zwischen den Sitzreihen. Alle sieben Jahre muss der Schienenbus zur Hauptuntersuchung, die jeweils mit 100 000 Euro zu Buche schlägt, in diesem Jahr war eine fällig: „Der Schienenbus ist in einem einwandfreien Zustand.“

Guido Kaiser darf ihn fahren, nachdem er eine Ausbildung durchlaufen hat, die aufgrund der Vorschriften ähnlich der eines ICE-Fahrers ist. Bis zu 5000 Kilometer werden im Jahr zurück gelegt; stationiert ist das Schätzchen mit einem Wert von 150 000 Euro im Bahnhof Hagen.

Schmoll informierte die Besucher über die Geschichte dieses Busses auf Schienen, für dessen Einsatz 1955 Mendener Schüler demonstrierten: „Die viel zu teueren Dampfloks sollten abgelöst werden.“ Und sie hatten Erfolg damit, wie sich zeigte; bis 1984 waren die Busse regelmäßiges Transportmittel unzähliger Generationen von Schülern.

Die Fahrgäste beim Tag des offenen Denkmals genossen nun den Aufenthalt bei Kaffee, Kuchen und Würstchen. Manche machten auch eine Fahrt mit dem Schienenfloh, der historischen Motorraddraisine. Andere besichtigten die Ausstellung zur Geschichte der Hönnetalbahn, die im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden war.

Damit sich demnächst auch außerhalb der Öffnungstage Besucher am Bahnhof in Binolen einfinden, plant Schmoll einen Erlebnisbahnhof. Unabhängig von den Jahreszeiten soll dann dort eine Eisenbahn mit einem Spielplatz, einer Modelleisenbahn und mehr erlebbar werden.

Von Julius Kolossa

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