„Reform für Notfalldienst ist nötig“

Die Balver Hausärzte haben bezüglich des neuen Notfalldienstes eine offizielle Beschwerde beim Gesundheitsministerium in Düsseldorf eingereicht.

BALVE ▪ Die Balver Hausärzte, Drs. Susanne Böker-Sehl, Rita Rüth, Gregor Schmitz, Egbert Stüeken und Paul Stüeken, können die massive, vielfach berechtigte Kritik am ärztlichen Notfalldienst in den vergangenen Wochen nachvollziehen und erklären sich in einem Schreiben, das am Donnerstag die Redaktion erreichte, mit ihren Patienten solidarisch.

„Verantwortlich für dieses Desaster ist alleine die Kassenärztliche Vereinigung, in der alle Kassenärzte zwangsweise Mitglied sein müssen“, heißt es in dem Schreiben. Trotz 15-monatiger Vorbereitungszeit habe es die KV Westfalen-Lippe nicht geschafft, einen funktionierenden Notfalldienst einzurichten, der in ähnlicher Form in anderen Bundesländern seit langem problemlos funktioniere, bemängeln die Hausärzte. „Die Notfalldienstreform als solche war dringend erforderlich, damit auch in Zukunft ländliche Gebiete, zu denen auch Balve gehört, noch hausärztlich versorgt werden können“, betonen sie, denn: „Die zunehmende Belastung durch häufigere und anstrengendere Notdienste schreckt junge Ärztinnen und Ärzte immer mehr davon ab, sich als Hausarzt in ländlichen Regionen niederzulassen.“ Hinzu komme, dass eine Praxis in der Stadt bei gleichem Einkommen aber geregelter Freizeit deutlich attraktiver sei.

„Die Notfalldienstreform soll hier eine gleichmäßigere Verteilung der Belastung erreichen. Wir hoffen, dass dieses Ziel durch gewaltige Anstrengungen der Verantwortlichen noch erreicht wird“, heißt es in dem Brief weiter. Um diesem Nachdruck zu verleihen, haben die Balver Hausärzte eine offizielle Beschwerde beim Gesundheitsministerium in Düsseldorf eingereicht, teilen sie des Weiteren mit.

Die Ärzte informieren an dieser Stelle, wie der ärztliche Notdienst richtig genutzt werden kann. „Jeder, der außerhalb der normalen Praxisöffnungszeiten mit einer plötzlichen Erkrankung, derentwegen er in die Praxis seines Hausarztes gegangen wäre, kann sich direkt in eine der hiesigen Notfallpraxen begeben.“ Diese befinden sich am Elisabeth-Hospital Iserlohn und am Kreiskrankenhaus Lüdenscheid. Wer eine dieser Notfallpraxen aufsuchen möchte, muss vorher nicht die Notdienstzentrale anrufen. „Die große Zahl der Anrufer, die sich nur nach der nächsten Notfallpraxis erkundigen wollten, hat in den letzten Wochen dazu geführt, dass die Zentrale häufig nicht erreichbar war“, wissen die Hausärzte zu berichten. Eine, besonders für Balver Mitbürger interessante Alternative sei die Notfallpraxis in Sundern an der Hauptstraße 46, teilt die Ärztegruppe mit. Allerdings sei die Praxis in Sundern abends nur bis 22 Uhr geöffnet. Die Praxen an den Krankenhäusern in Iserlohn und Lüdenscheid seien bis zum nächsten Werktag 8 Uhr dienstbereit.

„Für Patienten, die... auf Grund der Erkrankung nicht in die Praxis kommen können, gibt es dienstbereite Ärzte, die die Patienten zu Hause aufsuchen“, verdeutlichen die Hausärzte. Die Hausbesuche werden für ganz Westfalen über eine Zentrale koordiniert, die unter Tel. 0180/50 44 100 zu erreichen ist. „Da die Ärzte im Fahrdienst jetzt größere Wegstrecken zurücklegen müssen, kann es hier durchaus zu Wartezeiten kommen.“

Bei allen akuten Erkrankungen und Verletzungen, wie beispielsweise Unfälle, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder ähnliche Erkrankungen, die eine schnelle ärztliche Hilfe notwendig machen, erreichen Bürger wie bisher den Rettungsdienst/Notarzt unter Tel. 112.

„Wir hoffen für alle Beteiligten, Patienten und Ärzte, dass die Probleme mit der neuen ärztlichen Notfalldienstregelung kurzfristig gelöst werden und die medizinische Versorgung außerhalb der Sprechstundenzeiten wieder reibungslos funktioniert“, endet das Schreiben.

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