Dunkle Melancholie

Erstes Festival nach dem Lockdown im MK: So lief Prophecy in der Balver Höhle

Publikum aus aller Welt kommt zum Prophecy-Festival um seiner Musik zu fröhnen
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Publikum aus aller Welt kommt zum Prophecy-Festival um seiner Musik zu fröhnen

Balve – Wenn alltags nur weiße Arbeitskleidung getragen werden muss, dann darf es in der Freizeit schwarz sein: Tierärztin Melli und Augenarzt Philipp aus Lüneburg mögen Kontraste. Beim Prophecy sind sie genau richtig: „Man trifft hier nur Gleichgesinnte.“.

Eine gewisse melancholische Grundeinstellung gehöre außerdem dazu, die von den Bands musikalisch unterlegt werde. „Philipp: „Ja, das passt hier.“ Er rückt eine Nikolausmütze zurecht, nimmt seine Melli in den Arm und beide freuen sich, in Balve sein zu dürfen. Hier spricht man sich nur mit Vornamen an.

19 Bands in 30 Stunden gestalteten das Programm, das vom „Prophecy“-Label zum fünften Mal in der Balver Höhle veranstaltet wurde. „Dunkle und emotionale Musik“, erläutert Veranstalter Martin Koller zusammen, was hier an drei Tagen geboten wurde. Nach dem Auftakt am Donnerstag mit einer Open-Air-Party verlagerte sich das Musikgeschehen am Freitag und Samstag in die Höhle. „Mit dieser ersten Festival-Veranstaltung im Märkischen Kreis in der Corona-Pandemie haben wir Pionierarbeit geleistet“, fasst er die drei tollen Tage zusammen. „Und wenn ich jetzt einen Schlussstrich ziehe, stelle ich fest: rundum gelungen.“ Dafür hat er in Abstimmung mit dem Ordnungsamt Balve und dem Gesundheitsamt des MK ein umfangreiches Konzept erstellt, zu dem Einlass nur nach 3-G-Registrierung erfolgte. Und am Donnerstag wurden PCR-Tests angeboten, die von 36 Besuchern genutzt wurden. „Alle Testergebnisse waren negativ“, wusste Prophecy-Pressesprecher Gunnar Sauermann.

Biertransport per Kinderwagen

Und, dass nur Negative auf dem Festgelände und in der Höhle waren, darauf achtete die Security. Abhalten von diesen Bestimmungen ließen sich die Fans – aus fast allen Teilen der Welt anreisten – nicht. „Unser Dank geht an die St. Sebastian-Schützenbruderschaft und den Festspielverein, die all dies ermöglichten“, Martin Koller schloss alle Helfer mit ein, die fleißig mit angepackt hatten. Ob beim Einsammeln und Austauschen der Müllsäcke auf dem Zeltgelände, beim Ordnungsdienst auf dem Parkplatz, oder beim Wertmarken-, Getränke- und Essensverkauf, die jungen Frauen und Männer waren unermüdlich im Einsatz. Festivalstimmung kam rund um die Höhle auf, wo Benedikt, Addick und Henrik aus Münster mit einem Kinderwagen auf dem Weg zu ihrem Zelt waren. Die drei Freunde aus Münster und Lüneburg hatten diesen bei den Abfallcontainern beim Rewe gefunden, und für ihren Biertransport genutzt. „Eine Achse war gerissen“, erzählte Benedikt. „Aber beim Autohaus Levermann wurde uns fachgerecht mit Klebeband geholfen.“ Und so konnten die Dosen von drei Paletten nach und nach vom Getränkemarkt bis zum Zelt transportiert werden. „Dieser Kinderwagen ist ein guter Eisbrecher – man kommt schnell ins Gespräch.“

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Dunkle Melancholie

Höhliger Geruch

Die Mathe-Studenten genießen ihren Kurzaufenthalt in Balve. „Das hier ist unsere Musik“, so Addick.“ Andere Fans schwärmen von der urigen, familiären Atmosphäre, die coolen, entspannten Leute, mit denen man sofort ins Gespräch kommt. Jonathan aus Freiburg: „Mit unseren schwarzen Klamotten sehen wir alle böse aus, sind es aber ganz und gar nicht.“ Er mag diese Lebenseinstellung, die in der Höhle bei entsprechender Musik für einige Stunden ausgelebt werden darf. „Hier ist so ein toller höhliger Geruch“, fasst er all die Eindrücke zusammen.

Dazu sagt der jüngste Prophecy-Fan, Mats (9), nur: „Ich mags hier einfach.“ Mit seinen Eltern Michaela und Fabian nimmt er zum zweiten Mal daran teil. Die Stuttgarter Familie, die eine Ferienwohnung gebucht hat, kann dem Geschehen in Balve nur Gutes abgewinnen. Michaela: „Es ist, wie nach Hause zu kommen.“ Nach den Vorstellungen von Veranstalter Martin Koller soll es im September 2023 das nächste „Prophecy“ geben.

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