Projekt „ZukunftsMusik“ mit elf Balver Flüchtlingen

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Im Rahmen des Projektes „ZukunftsMusik“ gestalten insgesamt elf Flüchtlinge zwischen 16 und 29 Jahre eine eigene Zeitung unter dem Titel „Der vergessene Mensch“.

Balve - Elf Flüchtlinge im Alter von 16 bis 29 Jahren nehmen unter der Leitung von Deutsch-Dozentin Simone Simon-Bömer und der pädagogischen Fachkraft Katharina Seidlitz an dem Projekt „ZukunftsMusik“ in Balve teil.

„Deutsche bringen uns Mülltrennung und Radfahren bei – aber wie sollen wir Flüchtlinge mit der Leere in uns klarkommen?“. George weiß keine Antwort darauf. Seit mehr als einem Jahr lebt der Syrer, der aus seiner Heimat Holms geflohen ist, in Deutschland und hat hier Sicherheit und Frieden gefunden.  Um eine Struktur in seinen Alltag zu bringen, hat er sich für die Teilnahme am Projekt „ZukunftsMusik“ in Balve entschieden. Vormittags macht er im Jugendzentrum Musik, nachmittags lernt er in der VHS Deutsch.

„Die unterschiedlichen Mentalitäten sind eine Herausforderung“, sagen Simon-Bömer und Seidlitz, die sich täglich neu auf die Zusammenarbeit mit Christen und Muslimen aus Syrien, dem Irak und Aserbaidschan einstellen müssen. 

In der VHS lernen die Flüchtlinge nachmittags Deutsch. Unterstützt werden sie von Deutsch-Dozentin Simone Simon-Bömer und der pädagogischen Fachkraft Katharina Seidlitz.

Den anfänglichen „spielerischen“ Ansatz beim Deutschlernen haben alle sofort verworfen. „Diese erwachsenen jungen Menschen sind viel zu ernst und zu reif dafür“, sagt Simon-Bömer. Alle waren mehre Monate auf der Flucht, einige sogar mehrmals im Gefängnis in der Türkei. „Jeder war bis zu seiner Ankunft in Deutschland unter Volldampf“, sagt die Kursleiterin. „Mit denen können keine Spiele mehr gemacht werden.“ 
 
So wurde die Idee verwirklicht, eine eigene Zeitung als Sprachrohr ins Leben zu rufen. Der Titel dazu kam von George: Der vergessene Mensch. Der junge Mann weiß, wovon er spricht, denn er wartet seit mehr als einem Jahr auf sein Interview und seinen Pass. „Warum bin ich vergessen worden?“, zweifelt er am Rechtsstaat, von dem er sich mehr versprochen habe. 

Es werde viel diskutiert bei den Treffen, wobei auch die Religion nicht ausgeklammert würde, berichtet Simon-Bömer. Und dann dauere es seine Zeit, bis sich die erhitzten Gemüter wieder abgekühlt hätten. Manche verließen die Gruppe vorzeitig.

Am Tag darauf sei die Redaktion wieder komplett, um die Seiten zu füllen – mit ihren eigenen Biographien, Themen wie Fußball und den Mannschaften aus Gladbach, Dortmund und München, dem Essen, aber auch den Unterschieden zwischen den Nationalitäten, einem arabischen Rezept und der Band Metallica. Auch die mit Balvern geführten Interviews über Weihnachten, Gesetze und Flüchtlinge werden aufgeführt. 

„Ich lasse das Deutsch so stehen“, sagt die Dozentin. Sie korrigiert das Geschriebene nur in wenigen Fällen, denn: „Die Leistung ist auf jeden Fall druckreif.“ Simone Simon-Bömer hat im Laufe des Kurses Fortschritte festgestellt, denn es werde Deutsch gesprochen, geschrieben und auch die deutsche PC-Tastatur genutzt. 

Wann „Der vergessene Mensch“ in Druck geht, ist allerdings noch offen – der vereinbarte Termin am Ende der „ZukunftsMusik“ – der 16. Dezember – könne wohl nicht eingehalten werden. Die Teilnehmer sollen sich diesem Druck nicht aussetzen.

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