Kriegergedächtnisglocke und Marienglocke fehlen

Heimatforschung: Suche nach den Balver Glocken

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Rudolf Rath (Mitte) und Dr. Rudolf Tillmann (rechts) stehen mit Pfarrer Andreas Schulte vor einer der heutigen Kirchenglocken in der St.-Blasius-Kirche.

Balve - Geschichte wiederholt sich: Die Pfarrgemeinde St. Blasius wurde im Ersten und im Zweiten Weltkrieg verpflichtet, die Glocken der St.-Blasius-Kirche für die Waffenproduktion einschmelzen zu lassen. Während die Gemeinde für die im Jahr 1917 abgelieferten drei Glocken mit einem Gesamtgewicht von 659 Kilogramm noch mit 3000 Reichsmark entschädigt wurde, bekam sie nach der Demontage der dafür neu angeschafften Glocken im Jahr 1942 allerdings nichts.

All dies förderten die Heimatforscher Dr. Rudolf Tillmann und Rudolf Rath zu Tage. Beide stehen seit vielen Jahren im Austausch über weltliche Angelegenheiten, für die der in der Grübeck aufgewachsene Dr. Rudolf Tillmann zuständig ist, und über Themen mit kirchlichem Hintergrund. Hierfür ist der Balver Rudolf Rath mit dem Pfarrarchiv das entsprechende Pendant.

Auf die Geschichte der Glocken von Balve stieß zunächst Dr. Tillmann, der in seiner Eisborner Heimatkirche einen Hinweis auf die eingeschmolzenen Glocken fand. Dabei stand für den Geschichtsinteressierten schon fest, dass diese damals so genannte „Metallabgabe“, kein Einzelfall war. Aber Dr. Tillmann wollte wissen, in welchem Ausmaß die Pfarrkirche St. Blasius als größtes Gotteshaus im Stadtgebiet davon betroffen war.

Glockengeläute auf Schallplatten

Zusammen mit Rudolf Rath wurden im Pfarrarchiv jahrzehntealte Dokumente unter die Lupe genommen. Das Ergebnis der Recherchen: Fünf Glocken, von der mit 1130 Kilogramm schwersten Toten- oder Johannesglocke bis zu der mit 140 Kilogramm leichtesten Uhr- oder St.-Anna-Glocke, mussten 1942 aus Balve weichen.

Vorher wurde aber noch einmal das Glockengeläut aufgenommen und auf Schallplatten mit Schellack- und Kunststoffgemisch gepresst. „Leider können wir es heute nicht mehr hören“, hält Rath zwar die wertvollen Stücke noch in den Händen, weiß aber, dass sich deren aktueller Zustand nicht mehr für eine Wiedergabe eignet. Dass sich dies ändert, dafür möchte das Diözesanarchiv in Paderborn sorgen, berichtete Rath über ein demnächst anstehendes Projekt. 

Von den Glocken jedenfalls, die insgesamt 2945 Kilogramm auf die Waage brachten, fehlte bis zum Kriegsende jede Spur. Dr. Tillmann aber wusste, dass Glockenfriedhöfe in Bochum und auch in Arnsberg angelegt worden waren, sodass sich die dortige Suche in drei Fällen als erfolgreich erwies.

Kriegergedächtnisglocke und Marienglocke fehlen

Die Totenglocke, die Feuerglocke und die Uhrglocke kehrten wieder nach Balve zurück. Nicht mehr aufzufinden waren dagegen die Kriegergedächtnisglocke und die Marienglocke. Die Pfarrgemeinde entschloss sich letztlich dazu, fünf neue Glocken von der Gießerei Humpert in Brilon gießen zu lassen. 

Die St. Blasius-Glocke, die Marienglocke, die St.-Nikolaus-Glocke, die St.-Barbara-Glocke und eine namenlose Glocke für das Uhrwerk. Die Weihe der Glocken fand am Palmsonntag, 14. April 1946, statt, das erste Läuten am Karsamstag, 20. April 1946.

Viele Fragen haben die beiden Forscher als Ermittlerteam bereits beantworten können, doch gerne möchten sie wissen, was mit anderen Kirchenglocken im Pastoralverbund geschehen ist. Rudolf Rath: „Wir wollen dabei das Wissen aller, die etwas über diese Zeit beisteuern können, mit einbeziehen.“

Rudolf Rath ist zu erreichen per E-Mail an archiv-st.blasius@pv-balve-hoennetal.de, Dr. Rudolf Tillmann unter der Adresse tillmann.rudolf@googlemail.com.

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